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Vorhofflimmern: Vorboten des Schlaganfalls mit 7-Tage-Langzeit-EKG häufiger zu entdecken

27.10.2010
Studie zur Schlaganfallforschung an der Universitätsmedizin Göttingen bringt neue Erkenntnisse für die Ursachenabklärung: Die Überwachung mit 7-Tage-Langzeit-EKG ist wesentlich effektiver als ein 24-Stunden EKG.

Wenn das Herz aus dem Rhythmus ist, wird es oft auch für das Gehirn gefährlich. Die Herzrhythmusstörung "Vorhofflimmern" gilt als der mit Abstand größte Risikofaktor für einen Schlaganfall. Deshalb möchte man diesen gefährlichen "Vorboten" gerne möglichst früh und verlässlich entdecken.

Eine Langzeit-Überwachung mit EKG (Elektro-Kardiogramm) über eine ganze Woche lang ist dazu offensichtlich wesentlich besser geeignet als das bisher übliche 24-Stunden-EKG. Dies zeigen jetzt die Untersuchungsergebnisse einer interdisziplinären Forschergruppe aus Neurologen und Kardiologen an der Universitätsmedizin Göttingen.

Für die Studie "FIND-AF" (zu deutsch: "Vorhofflimmern finden") haben sie den Herzrhythmus von Patienten mit einem frischen Schlaganfall genauer untersucht. Die Studie steht unter Leitung von Dr. Rolf Wachter aus der Abteilung Kardiologie und Pneumologie (Direktor: Prof. Dr. Gerd Hasenfuß) und wird in Kooperation mit Priv.-Doz. Dr. Klaus Gröschel aus der Abteilung Neurologie (Direktor: Prof. Dr. Mathias Bähr) durchgeführt. Die Ergebnisse der Studie werden in der Dezember-Ausgabe der Fachzeitschrift "Stroke" veröffentlicht (Vorab-online-Veröffentlichung vom 21. Oktober 2010).

Ein Jahr lang haben die Ärzte jeden Patienten der Schlaganfallstation ("stroke unit") an der Universitätsmedizin Göttingen eingeladen, seinen Herzrhythmus für eine Woche mit einem Langzeit-EKG überwachen zu lassen. 281 Patienten nahmen daran teil. Bei 44 Patienten konnte bereits mit dem Aufnahme-EKG ein Vorhofflimmern festgestellt werden. Die übrigen 237 Patienten wurden mit einem 7-Tage-LZ-EKG untersucht. Nach Auswertung der ersten Ergebnisse zeigte sich: Bei jedem achten dieser Patienten (12,5 Prozent) konnte ein Vorhofflimmern festgestellt werden. Mit der bisher üblichen Diagnostik per Langzeit-EKG über nur einen Tag wird dagegen nur bei etwa jedem 25. Patienten (das entspricht vier Prozent) ein Vorhofflimmern aufgespürt.

Das Vorhofflimmern ist häufig nicht einfach zu erkennen. Es agiert versteckt und tritt oft nur für wenige Minuten auf, um gleich danach wieder zu verschwinden. Nur jeder zweite Patient bemerkt diese kurzen Episoden. Sie machen sich, z. B. in Form von Herzrasen bemerkbar. Aber schon diese kurzen Auftritte des Vorhofflimmerns können ausreichen, um Schlaganfälle zu verursachen. Bisher war nicht bekannt, ob es sinnvoll sein könnte, bei Schlaganfallpatienten über einen längeren Zeitraum bis zu einer Woche nach einem solchen Vorhofflimmern im EKG zu suchen.

"Die gewonnenen Daten der Studie sind wichtig, um ganz gezielt Patienten auszuwählen, bei denen ein längeres Langzeit-EKG als derzeit üblich sinnvoll ist", sagt der Koordinator der Studie, Dr. Raoul Stahrenberg aus der Abteilung Kardiologie und Pneumologie. Dies sei nicht zuletzt deshalb von Bedeutung, weil es für die Behandlung von Vorhofflimmern nach einem Schlaganfall wirksame Mittel gibt. "Mit einer medikamentösen Behandlung lässt sich ein erneutes Wiederauftreten von Schlaganfällen deutlich senken", ergänzt der Schlaganfallforscher Priv.-Doz. Dr. Klaus Gröschel aus der Abteilung Neurologie.

Schlaganfall
Schlaganfall ist eine häufige Erkrankung. Alle drei Minuten erleidet ein Mensch in Deutschland einen Schlaganfall. Vielfach tragen die betroffenen Menschen Behinderungen als Folge der Erkrankung wie Lähmungen oder Sprachverluste davon. Für über 60.000 Menschen jährlich endet der Schlaganfall tödlich und ist damit nach Herzerkrankungen und Lungenkrebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Von den behandelbaren Ursachen hat eine Herzrhythmusstörung, das so genannte Vorhofflimmern, das mit Abstand höchste Risiko, dass sich ein Schlaganfall entwickeln kann. Bei einem Vorhofflimmern können kleine Blutgerinnsel im Herzen entstehen, die von dort in andere Organe, so z. B. auch in das Gehirn, abgeschwemmt werden und dort einen Schlaganfall auslösen.
Originalpublikation:
Stahrenberg R, Weber-Krüger M, Seegers J, Edelmann F, Lahno R, Haase B, Mende M, Wohlfahrt J, Kermer P, Vollmann D, Hasenfuß G, Gröschel K, Wachter R. Enhanced detection of paroxysmal atrial fibrillation by early and prolonged continuous Holter monitoring in patients with cerebral ischemia presenting in sinus rhythm. Stroke (2010), Epub ahead of print Oct 21.
WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Abteilung Kardiologie und Pneumologie
Dr. Rolf Wachter, Telefon 0551 / 39-14141
wachter@med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | Uni Göttingen
Weitere Informationen:
http://www.universitaetsmedizin-goettingen.de
http://www.neurologie.med.uni-goettingen.de
http://www.herzzentrum-goettingen.de

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