Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vorhofflimmern: Blutverdünnung meist unverzichtbar

17.12.2008
Neue Broschüre der Herzstiftung zur Gerinnungshemmung

Keine andere Herzrhythmusstörung ist so häufig wie das Vorhofflimmern: In Deutschland sind mehr als 800.000 Menschen davon betroffen. Und sehr viele von ihnen - vor allem ältere Patienten - leben mit der Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden.

So sind mindestens 15 Prozent aller Schlaganfälle auf Vorhofflimmern zurückzuführen. Im höheren Lebensalter ist es sogar die häufigste Schlaganfall-Ursache. Für diese Menschen ist es wichtig, sich durch eine geeignete Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten vor Schlaganfällen zu schützen, wie die Deutsche Herzstiftung betont.

Beim Vorhofflimmern ziehen sich die Herzvorhöfe nicht mehr regelmäßig zusammen. So entstehen dort Blutgerinnsel, die - mit dem Blutstrom fortgeschwemmt - zu Gefäßverschlüssen (Thromboembolien) führen können. Im Gehirn kommt es durch einen solchen Gefäßverschluss zum Schlaganfall. "Das individuelle Schlaganfall-Risiko und damit die gerinnungshemmende Therapie hängen dabei vom Lebensalter und den Begleiterkrankungen ab", erklärt Dr. med. Christa Gohlke-Bärwolf, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

Hohes Schlaganfall-Risiko erfordert Marcumar-Therapie

Für die Blutverdünnung bzw. Gerinnungshemmung stehen prinzipiell Acetylsalicylsäure (ASS) oder Marcumar/Falithrom sowie ähnlich wirkende Medikamente wie Coumadin zur Einnahme zur Verfügung. ASS hemmt die Zusammenballung von Blutplättchen (Thrombozyten), Marcumar die Bildung von Blutgerinnungsfaktoren. "Dabei ist die Marcumar-Therapie bei Patienten mit hohem Schlaganfall-Risiko der Behandlung mit ASS eindeutig überlegen", betont Dr. Gohlke-Bärwolf. Ein hohes Risiko liegt vor, wenn bei Vorhofflimmerpatienten bereits einmal ein Schlaganfall oder eine Embolie auftrat, wenn ihre Mitralklappe im Herzen verengt ist (Mitralstenose) oder wenn sie einen mechanischen Herzklappenersatz erhalten haben.

Ein mittleres Thromboembolie- und damit Schlaganfall-Risiko haben Vorhofflimmerpatienten, die älter als 75 Jahre sind und solche mit Bluthochdruck, Herzschwäche und Diabetes. Bei ihnen besteht neueren wissenschaftlichen Studien zufolge die Möglichkeit, je nach individueller Situation statt Marcumar ASS einzunehmen. Dabei ist jeweils das Risiko für einen Schlaganfall mit dem Risiko von Blutungen durch die Gerinnungshemmung abzuwägen. Allerdings: Wenn mehr als ein mittlerer Risikofaktor vorliegt, muss die Gerinnungshemmung mit Marcumar/Falithrom vorgenommen werden.

Bei deutlich niedrigerem Thromboembolie-Risiko - zum Beispiel, wenn lediglich Faktoren wie weibliches Geschlecht, Alter zwischen 65 und 74 Jahre, koronare Herzkrankheit oder Schilddrüsenüberfunktion vorliegen - bringt Marcumar gegenüber ASS keinen Zusatznutzen. Generell gilt: Je mehr Risikofaktoren vorliegen, desto größer ist die Thromboembolie-Gefahr und desto wichtiger eine Behandlung mit Marcumar.

Unverzichtbar ist die Marcumar-Therapie für Patienten - egal ob mit oder ohne Vorhofflimmern -, denen eine künstliche mechanische Herzklappe eingesetzt wurde. Denn deren Oberfläche begünstigt die Gerinnselbildung. Kam eine biologische Klappenprothese zum Einsatz, dann sollte bei Vorhofflimmern dauerhaft die Gerinnung gehemmt werden, während dies ohne Vorhofflimmern nur für drei Monate nach der Operation empfohlen wird.

Alle ein bis zwei Wochen: Kontrolle des INR-Werts

Um zu verhindern, dass die Blutverdünnung durch Marcumar zu stark oder zu schwach ist, muss sie regelmäßig - alle ein bis zwei Wochen - kontrolliert werden. "Dies", so Dr. Gohlke-Bärwolf, "sollte immer durch Messung des INR-Werts (International Normalized Ratio) erfolgen, der als internationaler Standard für eine zuverlässige Gerinnungskontrolle vor 20 Jahren eingeführt wurde." Da der - veraltete - Quick-Wert von der Art der benutzten Nachweis-Substanz abhängt, können die Werte von Labor zu Labor sehr unterschiedlich sein, und es liegen keine Standard-Werte für eine risikoadjustierte Stärke der Gerinnungshemmung vor. Diese sind nur für den INR-Wert erstellt worden. So liegt der empfohlene Zielwert bei Vorhofflimmern bei einem INR-Wert zwischen 2,0 bis 3,0. Bei anderen Indikationen für die Gerinnungshemmung werden andere INR-Zielwerte empfohlen.

Besonders sicher und vorteilhaft ist es, den INR-Wert nach entsprechender Schulung regelmäßig selbst zu bestimmen. So haben wissenschaftliche Studien ergeben, dass die Komplikationsrate der gerinnungshemmenden Therapie bei regelmäßiger Selbstkontrolle deutlich niedriger ist. Auf mögliche Einflüsse auf die Gerinnungshemmung - z.B. durch Änderung von Medikamenten, Erkrankungen oder bei einer Ernährungsumstellung - kann der Patient schnell reagieren und bei Bedarf die Dosis des gerinnungshemmenden Medikaments anpassen. Die Messungen erfolgen mit Hilfe eines kleinen Apparats, der ähnlich bedient wird wie ein Blutzuckermessgerät.

Umfangreiche Informationen zum Thema enthält die neue Broschüre der Deutschen Herzstiftung "Gerinnungshemmung", die gegen 3 Euro in Briefmarken anzufordern ist bei: Deutsche Herzstiftung, Vogtstr. 50, 60322 Frankfurt am Main. Dort sind kostenlos auch ein Gerinnungshemmungs-Ausweis für Patienten und eine Liste mit Schulungszentren zur Gerinnungs-Selbsttestung erhältlich.

24/2008
Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle
Dr. Klaus Fleck / Pierre König
Tel. 069/95 51 28-140
Fax: 069/95 51 28-345
E-Mail: koenig@herzstiftung.de

Pierre König | idw
Weitere Informationen:
http://www.herzstiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Event News

Invitation to the upcoming "Current Topics in Bioinformatics: Big Data in Genomics and Medicine"

13.04.2018 | Event News

Unique scope of UV LED technologies and applications presented in Berlin: ICULTA-2018

12.04.2018 | Event News

IWOLIA: A conference bringing together German Industrie 4.0 and French Industrie du Futur

09.04.2018 | Event News

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics