Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Volkskrankheit Vorhofflimmern: Studien bestätigen Schlaganfallschutz durch neue Gerinnungshemmer

25.01.2013
Drei neue Gerinnungshemmer haben sich für die Schlaganfallprävention bei Patienten mit Vorhofflimmern als sicher und effektiv erwiesen, teilen die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) anlässlich einer jüngst erschienen Meta-Analyse mit. Etwa ein Prozent der Menschen in Deutschland leidet an Vorhofflimmern, einer Herzrhythmusstörung, die zu gravierenden Folgeschäden führen kann, insbesondere zum Schlaganfall.

Medikamente, die eine Gerinnung des Blutes abschwächen, senken das Schlaganfallrisiko, das vom Alter und den Begleiterkrankungen abhängt. Das Risiko beträgt bis zu acht Prozent pro Jahr, das heißt: acht von hundert dieser Patienten erleiden innerhalb eines Jahres einen Schlaganfall. Besonders wichtig ist der Schutz für Patienten, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben.

20 Prozent aller Schlaganfälle sind auf Vorhofflimmern zurückzuführen, das sind über 50 000 Schlaganfälle pro Jahr in Deutschland. Beim Vorhofflimmern können sich in einer Herzkammer Blutgerinnsel bilden. Wenn sie sich lösen und über die Halsschlagader ins Gehirn gelangen und dort ein Blutgefäß blockieren, kommt es zu einem Schlaganfall.

„Vielen Patienten mit Vorhofflimmern werden deshalb gerinnungshemmende Medikamente verschrieben, auch Antikoagulanzien genannt“, sagt Professor Dr. med. Joachim Röther, Chefarzt der Neurologischen Abteilung an der Asklepios Klinik Altona in Hamburg. „Diese Therapie ist jedoch nicht ohne Risiken“, fügt der Pressesprecher der DSG hinzu. Denn alle bekannten Gerinnungshemmer können Blutungen im Gehirn verursachen, die ebenfalls zu einem Schlaganfall führen. Professor Röther: „Nutzen und Risiko müssen deshalb bei jedem Patienten sorgfältig abgewogen werden. Menschen, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben, raten wir in der Regel zu einer Behandlung, da sie ein stark erhöhtes Risiko haben, einen erneuten Schlaganfall zu erleiden.“

Die neue Generation von Gerinnungshemmern bietet Vorteile

Die effektivsten Medikamente waren lange Zeit sogenannte Vitamin-K-Antagonisten. Die Wirkstoffe Warfarin oder Phenprocoumon sind in Deutschland unter dem Handelsnamen Marcumar® bekannt. Diese Mittel hemmen die Bildung der Gerinnungsfaktoren in der Leber. „Die Wirkung setzt deshalb nur langsam ein, und wegen häufiger Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Nahrungsmitteln ist die Wirkstärke nur schwer vorhersehbar“, erläutert Professor Dr. med. Hans-Christoph Diener, DGN-Pressesprecher und Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen. „Deshalb muss bei Patienten, die Marcumar einnehmen, die Blutgerinnung engmaschig kontrolliert werden.“

Bei drei neuen Antikoagulanzien, die Gerinnungsfaktoren direkt hemmen, entfallen diese Kontrollen. Die Wirkstoffe Rivaroxaban (Handelsname: Xarelto®), Dabigatran (Handelsname: Pradaxa®) und Apixaban (Handelsname: Eliquis®) sind inzwischen zugelassen und dürfen bereits zur Vermeidung von Schlaganfällen bei Patienten mit Vorhofflimmern eingesetzt werden. In den Zulassungsstudien nahmen Patienten teil, von denen bereits 15 bis 50 Prozent einen Schlaganfall oder dessen Vorstufe TIA, eine transitorische ischämische, reversible Attacke, erlitten hatten. Sie standen somit unter einem besonders hohen Risiko eines erneuten Schlaganfalls. Daher wurden mit Spannung weitere Daten erwartet, die den Gebrauch der neuen Antikoagulanzien speziell bei diesen Patienten prüften und mit den bisherigen Gerinnungshemmern verglichen.

Eine solche zusammenfassenden Analyse (eine sogenannte Meta-Analyse) mit drei großen Studien und mehr als 14 500 Patienten ist nun gelungen. Professor Diener, Mitautor der Analyse: „Die Ergebnisse zeigen, dass die neuen Wirkstoffe einen besseren Schutz bieten als Warfarin oder Phenprocoumon.“ Gleichzeitig zeigte sich ein geringeres Blutungsrisiko. „Wir können deshalb Patienten mit Vorhofflimmern, die nach einem Schlaganfall einen Schutz benötigen, die Therapie mit einem der neuen Medikamente empfehlen.“

Die Medikamente sind jedoch nicht für alle Patienten geeignet. Da die regelmäßigen Laboruntersuchungen entfallen, gibt es keine Kontrolle über die Blutgerinnung mehr. Von besonderer Bedeutung ist darum die regelmäßige Einnahme der neuen Gerinnungshemmer. „Die Patienten übernehmen eine Mitverantwortung für die Therapie“, sagt Professor Diener. Bei älteren Patienten mit eingeschränkten kognitiven Leistungen könnte es besser sein, die Therapie mit Warfarin durchzuführen.

Literatur:
Ntaios G., Papavasileiou V., Diener H. C., Makaritsis K., Michel P.: Nonvitamin-k-antagonist oral anticoagulants in patients with atrial fibrillation and previous stroke or transient ischemic attack: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Stroke 2012; 43: 3298–304

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen:

Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener
Pressesprecher der DGN
Direktor der Klinik für Neurologie
Universitätsklinikum Essen
Hufelandstraße 55, 45122 Essen
Tel.: 0201 723-2460, Fax: 0201 723-5901
E-Mail: hans.diener@uk-essen.de
Prof. Dr. med. Joachim Röther
2. Vorsitzender und Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Chefarzt der Neurologischen Abteilung
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich Straße 1, 22763 Hamburg
Tel.: 040 1818 81-1401, Fax: 040 181881-4906
E-Mail: j.roether@asklepios.com
Pressestelle der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft
Tel.: 0711 8931-380
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: arnold@medizinkommunikation.org
Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie e. V.
Tel.: 089 461486-22
Fax: 089 461486-25
E-Mail: presse@dgn.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.medizinkommunikation.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neues Hydrogel verbessert die Wundheilung
25.04.2017 | Universität Leipzig

nachricht Konfetti im Gehirn: Steuerung wichtiger Immunzellen bei Hirnkrankheiten geklärt
24.04.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen