Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Volkskrankheit Reflux - Sodbrennen und saures Aufstoßen wirksam behandeln

20.05.2014

In Deutschland leidet etwa jeder Fünfte häufig unter einem Rückfluss vom Magensaft in die Speiseröhre. Menschen, die sich durch Sodbrennen und saures Aufstoßen in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt fühlen, sollten ärztliche Hilfe suchen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Mit Hilfe von Medikamenten, welche die Säureproduktion im Magen hemmen, sei die Erkrankung meist wirksam zu behandeln, so die Fachgesellschaft. Hierdurch ließen sich auch Folgen wie etwa Entzündungen der Speiseröhre vorbeugen.

Wie ein internationales Wissenschaftlerteam aktuell in einer Online-Vorabpublikation des Fachmagazins „Gut“ feststellt, hat sich die „Refluxkrankheit“ in den letzten 40 Jahren von einem eher seltenen Phänomen zu einem der häufigsten Probleme der Gastroenterologie entwickelt. Ein wesentlicher Grund für die Zunahme der Erkrankung und ihrer Komplikationen sei, dass immer mehr Menschen zu dick sind.

„Reflux, also der Rückfluss von Magensaft hin zur Speiseröhre, ist bis zu einem gewissen Grad normal, insbesondere nach dem Essen“, erklärt DGVS-Experte Professor Dr. med. Joachim Labenz, Chefarzt der Fachabteilung für Innere Medizin des Jung-Stilling-Krankenhauses in Siegen. Erhöht sich jedoch – etwa in Folge von Übergewicht – der Druck in der Bauchgegend, kann dies die Ventilfunktion des Schließmuskels zwischen Speiseröhre und Mageneingang stören.

„Normalerweise öffnet sich der Pförtner zum Magen nur, damit Mahlzeiten und Getränke dort hinein gelangen können“, so Labenz. Bei Refluxpatienten jedoch geschieht dies häufiger: Magensäure fließt auch dann in die Speiseöhre, wenn keine Speisebrocken unterwegs zum Magen sind. Das typische Brennen im Brustbereich ist die Folge.

Um die Beschwerden zu lindern, raten Ärzte übergewichtigen Patienten häufig dazu abzunehmen. „Wenn es den Patienten gelingt, ihr Gewicht zu reduzieren, geht es ihnen oftmals besser“, so Labenz, der derzeit an der Neuauflage der DGVS-Leitlinien zur „Gastroösophagealen Refluxkrankheit“ mitwirkt. Darin empfehlen die Mediziner zudem Medikamente, sogenannte Protonenpumpen-Hemmer. Die Wirkstoffe reichern sich in der Magenschleimhaut an und hemmen dort die Säureproduktion.

„Richtig dosiert und eingenommen wirken diese Mittel meist gut“, so Labenz. Nur in Ausnahmefällen sollten Ärzte und Patienten eine Operation in Betracht ziehen. „Wie alle Operationen ist die Fundoplicatio nicht frei von Risiken“, erklärt Labenz. Der Eingriff, bei dem Chirurgen einen Teil des Magens als Manschette um den unteren Teil der Speiseröhre legen, sollte daher nur durch erfahrene Operateure erfolgen.

Menschen mit starken Refluxbeschwerden sollten sich in jedem Fall an einen Facharzt wenden, empfiehlt die DGVS. „Durch eine Spiegelung der Speiseröhre kann der Gastroenterologe Schäden entdecken, die der stark saure Magensaft möglicherweise bereits verursacht hat“, sagt Professor Dr. med. Christian Trautwein, Sprecher der DGVS aus Aachen. Bei etwa 30 Prozent der Patienten ist die Speiseröhre entzündet. Blutungen, Geschwüre und Veränderungen der Schleimhaut können die Folge sein.

Im schlimmsten Fall entwickelt sich ein „Refluxkarzinom“, eine Krebserkrankung der Speiseröhre. „Glücklicherweise sind solch schwere Komplikationen selten“, sagt Trautwein. Gerade Patienten, die häufig und auch nachts unter Beschwerden leiden, sollten jedoch durch eine Behandlung vorbeugen. Auch einfache Mittel helfen: „Im Bett den Oberkörper etwas höher zu lagern, verhindert nachts im Liegen das Aufsteigen der Magensäure“ empfiehlt der Experte.

Literatur:
Symptomatic reflux disease: the present the past and the future
Boeckxstaens, G, El-Serag HB, Smout AJPM, Kahrilas PJ
Gut Online-Vorabpublikation vom 7. März 2014

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als 5000 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle des Patienten.

Pressekontakt für Rückfragen:
DGVS Pressestelle
Anna Julia Voormann
Irina Lorenz-Meyer
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Berliner Büro im Langenbeck Virchow-Haus:
Luisenstraße 59
10117 Berlin
Tel.: 0711 8931-552/-642
Fax: 0711 8931-167
lorenz-meyer@medizinkommunikation.org

Weitere Informationen:

http://www.dgvs.de

Medizin - Kommunikation | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein Quantenlineal für Biomoleküle

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Prostatakrebs: Bluttest sagt Tumorresistenz vorher

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

IVAM-Marketingpreis würdigt zum zehnten Mal überzeugendes Technologiemarketing

22.08.2017 | Förderungen Preise