Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Volkskrankheit Nr. 1 auf der Spur

28.01.2010
RWTH-Wissenschaftlerin gelingt wichtiger Schritt im Kampf gegen die Atherosklerose

Weltweit forschen Wissenschaftler an Ursachen, Diagnoseverfahren und Therapiemöglichkeiten der Todesursache Nr. 1 in der westlichen Welt. Ein großer Schritt im Kampf gegen Herz- und Gefäßerkrankungen ist nun einer jungen Wissenschaftlerin der RWTH Aachen gelungen.

Professor Dr. Esther Lutgens forscht seit etwa einem Jahr am Institut für Molekulare Herz-Kreislaufforschung (IMCAR) unter Leitung des renommierten Kardiologen Univ.-Prof. Dr. Christian Weber. Im November 2008 verlieh ihr die Alexander von Humboldt-Stiftung den Sofja-Kovalevskaja-Preis, weil die Niederländerin mit ihren Forschungsarbeiten dazu beitrage, dass sich die Hoffnungen auf eine wirksame Therapie der Atherosklerose künftig erfüllen könnten. Bei der sprichwörtlichen Volkskrankheit, die durch Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck, Rauchen oder Diabetes begünstigt wird, lagern sich Gewebeschichten - so genannte Plaques - an der Innenwand von Blutgefäßen ab und sammeln sich dort. Diese Ablagerungen sind allerdings schon bei Säuglingen zu beobachten. "Besonders gefährlich werden die Plaquestücke, wenn sie plötzlich aufbrechen - das heißt symptomatisch werden - und die Arterie durch Thrombosebildung auf der bestehenden Plaque verschließen", erklärt Professor Weber, der mit seinen Forschungsteams intensiv an Diagnose- und Therapiemöglichkeiten von Herz- und Gefäßerkrankungen - auch im Forschungsverbund mit der Universität Maastricht - arbeitet. Verschließt das Plaquegerinsel Arterien, die unmittelbar zum Herz oder Gehirn führen, drohen Infarkt bzw. Schlaganfall. Dies geschieht besonders häufig bei älteren Patienten.

Esther Lutgens, die an der Maastrichter Universität Medizin studierte, hat im Laufe ihrer Forschungsarbeit ein Molekül des menschlichen Immunsystems gefunden, das möglicherweise Schlüssel für eine erfolgreiche Therapie ist. Hemmt man das Molekül, das den Namen CD40L trägt, so wird nicht nur das Wachstum der Plaque unterdrückt, sondern auch die Entzündung, die dazu führt, dass Plaquestücke herausbrechen und Arterien verschließen. Doch die Hemmung des Moleküls birgt ein großes Problem: Es ist nämlich wichtig für die Immunabwehr des menschlichen Körpers. Formuliertes Ziel der niederländischen Wissenschaftlerin ist es, einen Weg zu finden, der zwar das Molekül davon abhält, das Wachstum der Plaque und eine Entzündungsbildung zu forcieren, es andererseits aber nicht davon abhält, die Immunabwehr zu unterstützen. Nur das Plaquegewebe soll folglich gegen CD40L unempfindlich gemacht werden, so dass das Molekül in anderen Zellen ungehemmt seine wichtige Funktion entfalten kann. Revolutionär sind daher die Ergebnisse, die die Professorin an der RWTH erzielen konnte und nun in der medizinischen Fachzeitschrift "Journal of Experimental Medicine" erstmals veröffentlicht. Bei der Untersuchung menschlichen Gefäßmaterials und vor allem unter Zuhilfenahme von genetisch veränderten Mäusen, konnte sie im direkten Vergleich von symptomatischen mit nicht-symptomatischen, stabilen - Plaques feststellen, dass es ein spezifisches Übermittlungssignal gibt, das erst dem Molekül CD40L den Weg bereitet, Wachstum und Aufbrechen der Plaque zu ermöglichen. Dieses Übermittlungssignal ist das Rezeptor-Adapterprotein mit dem Namen TRAF6.

Der Nachweis der Verbindung CD40-TRAF6 im Blutserum anhand eines Tests würde einen großen Schritt in der Diagnostik von Herz- und Gefäßerkrankungen darstellen, seine klinische Erprobung ist dank der Forschungsergebnisse von Esther Lutgens greifbar. Das nächste formulierte Ziel ist nun die Entwicklung eines Medikaments, das die Verbindung CD40-TRAF6 unterdrückt, gleichzeitig aber die wichtige Immunabwehrfunktion des Moleküls CD40 aufrecht erhält. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass durch unsere Forschungsergebnisse in einigen Jahren ein Medikament zur Behandlung von Atherosklerose auf den Markt gebracht werden kann", so Esther Lutgens.

Nähere Informationen sind erhältlich bei Prof. Dr. Esther Lutgens, E-Mail: elutgens@ukaachen.de, sowie bei Univ.-Prof. Dr. Christian Weber, E-Mail: c.weber@ukaachen.de

i. A. Gabriele Renner

Thomas von Salzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.imcar.rwth-aachen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise