Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Volkskrankheit „Herzinsuffizienz“: Neuer SFB sucht auf Zell-Ebene nach neuen Erkenntnissen

23.05.2012
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert neuen Sonderforschungsbereich (SFB) unter der Leitung der Universitätsmedizin Göttingen mit über 10 Millionen Euro für zunächst vier Jahre.

Details und Zusammenhänge bei der Volkskrankheit Herzschwäche („Herzinsuffizienz“) noch besser verstehen, das will der neue Sonderforschungsbereich SFB 1002 „Modulatorische Einheiten bei Herzinsuffizienz“.

Das Ziel der SFB-Forscher sind neue Verfahren für eine wirksamere Behandlung der Herzschwäche. Dazu untersuchen sie ausgesuchte Signalwege, die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Zellen im Herzen sowie kleinste Funktionseinheiten in Herzzellen, sogenannte „funktionelle Mikrodomänen“, die bei der Entstehung der Herzschwäche eine Rolle spielen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Erforschung der Herzinsuffizienz mit 10 Millionen Euro für zunächst vier Jahre. Sprecher des neuen Sonderforschungsbereichs ist Professor Dr. Gerd Hasenfuß, Direktor der Abteilung Kardiologie und Pneumologie und Vorsitzender des Herzzentrums der Universitätsmedizin Göttingen sowie Vorsitzender des Herzfor-schungszentrums Göttingen (HRCG) und Mitglied im dreiköpfigen Vorstand des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislaufforschung e.V. (DZHK). Der neue Sonderforschungsbereich SFB 1002 startet am 1. Juli 2012.

Wissenschaftler aus den verschiedenen Bereichen der Herz-Kreislaufforschung, Mediziner, Experten aus der Pharmakologie, Biochemie, Biophysik, Informatik und aus der Physik arbeiten am Forschungsstandort Göttingen in 20 Einzelprojekten zusammen. Beteiligt sind Forscher aus sieben Abteilungen der Universitätsmedizin Göttingen, aus der Abteilung Hydrodynamik, Strukturbildung und Nano-Biokomplexität am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation und aus der Abteilung NanoBiophotonik am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie.

Prof. Dr. Gerd Hasenfuß sagt: „Mit der Einrichtung des neuen SFB haben wir für die Herzforschung in Göttingen ein bedeutsames Etappenziel erreicht. Wir alle im HRCG freuen uns sehr über diese Entscheidung. Unsere Möglichkeiten im Rahmen der Förderabschnitte im DZHK und jetzt im SFB werden dadurch erheblich größer. Außer Göttingen gibt es nur noch zwei weitere Standorte in Deutschland, die sowohl Mitglied im DZHK sind als auch einen Herz-Kreislauf-SFB haben, nämlich Frankfurt und Berlin.“

Die niedersächsische Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka würdigt die Entscheidung der DFG: „Herzschwäche ist eine der Erkrankungen, die meist zu deutlichen Einschnitten bei der Lebensqualität und Lebenserwartung führen. Die Forschung von Professor Hasenfuß und seinem Team ist daher von unschätzbarem Wert für die betroffenen Menschen. Die Arbeit der UMG und ihrer außeruniversitären Partner auf dem Gebiet der Herz-Kreislauferkrankungen ist weit über die Grenzen von Niedersachsen hinaus anerkannt und geachtet“, so die niedersächsische Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka.

Prof. Dr. Michael Schön, kommissarischer Vorstand Forschung und Lehre an der UMG und Dekan der Medizinischen Fakultät, sagt: „Die Entscheidung der DFG belegt die exzellente Kompetenz der Herzforschung an der Universitätsmedizin Göttingen und der wissenschaftlichen Institute in Göttingen. Alle Partner haben mit der Einrichtung des Herzforschungszentrums und dem Zuschlag als Partnerstandort für das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislaufforschung ihre ausgezeichnete Ex-pertise unter Beweis gestellt. Dass die UMG innerhalb kurzer Zeit den zweiten SFB bekommen hat, freut uns besonders. Das belegt die weiterhin wachsende Qualität unserer Forscherinnen und Forscher und die Attraktivität des Standorts“, so Prof. Schön.

FORSCHUNGSTHEMA „HERZINSUFFIZIENZ“
Die Herzschwäche oder „Herzinsuffizienz“ gilt als eine der häufigsten Erkrankungen in Europa. Rund zwei Prozent der europäischen Bevölkerung ist daran erkrankt. Trotz der Entwicklung moderner, effektiver Behandlungsverfahren ist die Lebensqualität der betroffenen Patienten eingeschränkt und derzeit überlebt nur etwa die Hälfte aller Erkrankten weitere fünf Jahre.

Im Mittelpunkt der Forschungen im SFB 1002 steht ein Geschehen im Erkrankungsprozess, das als wesentliche Komponente für die Entwicklung der Herzschwäche gilt: Es handelt sich dabei um das medizinische Phänomen der „gesteigerten mechanischen (hämodynamischen) Last“. Diese gesteigerte Last, die der Herzmuskel bewerkstelligen muss, entsteht durch einen Herzinfakt, infolge von Klappenerkrankungen, durch eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) oder Erkrankungen des Herzmuskels, sogenannten „Kardiomyopathien“ wie das „gebrochenes Herz Syndrom“. Sie bewirkt Umbauvorgänge (kardiales Remodeling) im Herzen. Diese führen dann zur Pumpschwäche und zum Auftreten von Rhythmusstörungen, den beiden häufigsten klinischen Problemen bei Patienten mit Herzinsuffizienz.

„Der fehlende Fortschritt im Bereich der Pharmakotherapie in den vergangenen 20 Jahren könnte darauf zurückzuführen sein, dass spezifische lokale Therapiewege bisher nicht identifiziert wurden“, sagt Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Sprecher des neuen SFBs. „Aus einem besseren Verständnis der Pathophysiologie der Herzinsuffizienz wollen wir neue Therapieverfahren entwickeln. Das sind zum Beispiel neue Medikamente, die gezielt auf kleinste Funktionseinheiten der Herzmuskelzellen oder auf Botenstoffe der Zellkommunikation wirken. Darüber hinaus sollen aber auch neue Schrittmacherverfahren zur Behandlung von lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen erarbeitet und in den klinischen Alltag überführt werden."

WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Prof. Dr. Gerd Hasenfuß
Vorstandsmitglied Deutsches Zentrum für Herz-Kreislaufforschung (DZHK),
Vorsitzender Herzforschungszentrum (HRCG),
Vorstandsvorsitzender Herzzentrum der UMG,
Direktor der Abt. Kardiologie und Pneumologie
Telefon 0551 / 39-6350, hasenfus@med.uni-goettingen.de
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Stefan Weller,
Leiter Unternehmenskommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon 0551 / 39-9959, presse.medizin@med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | Uni Göttingen
Weitere Informationen:
http://www.universitatsmedizin-goettingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise