Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vogelgrippe in China breitet sich aus

10.02.2014
Experten des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung geben eine Einschätzung der Lage

In China verbreitet sich zurzeit erneut das Vogelgrippevirus H7N9. Normalerweise zirkuliert es in Vögeln, im März 2013 ist es jedoch zum ersten Mal auch im Menschen aufgetreten. Nachdem im Sommer 2013 die Zahl der Infizierten zunächst wieder rückläufig war, beobachten Ärzte nun einen erneuten Anstieg.


Schematische Darstellung des Influenza-Virus, Erreger der Grippe.
HZI/Britta Mießen

Was bedeutet das für Deutschland?
Was sollten die Menschen hierzulande darüber wissen?
Prof. Gérard Krause, Leiter der Abteilung „Epidemiologie” und Prof. Klaus Schughart, Leiter der Abteilung „Infektionsgenetik“ am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) äußern sich aktuell zur Situation.

Seit Beginn dieses Jahres sind bereits über 20 Personen an der Vogelgrippe gestorben. Viele Patienten leiden an schweren Lungenentzündungen. Laut Angaben der Weltgesundheitsbehörde können bis zu 20 Prozent von ihnen der Infektion zum Opfer fallen. „Dass die Zahl der Infektionen im Winter zunimmt, ist nicht überraschend. Ein Zusammenhang mit der kalten Jahreszeit besteht auch bei der saisonalen Grippe und bestand ebenso bei der Infektion von Vögeln mit dem H5N1-Vogelgrippevirus. In der Summe sind jedoch nur wenige Menschen von der aktuellen Vogelgrippe H7N9 betroffen“, sagt Krause. „Das H7N9-Virus wird offenbar nicht sehr effektiv von Mensch zu Mensch übertragen. Sollte es zu einem globalen Problem werden, gibt es in Deutschland einen gut ausgearbeiteten Pandemieplan, der dann in Kraft treten würde“, so Schughart.

In den meisten Fällen ist die Infektion auf den Kontakt zu Tieren, wie er beim Besuch von Geflügelmärkten vorkommt, zurückzuführen. Laut Krause gibt es gegenwärtig keinerlei Hinweise dafür, dass Geflügel in Deutschland infiziert sein könnte. „Der Verzehr von Geflügel stellt in Deutschland derzeit keine Gefahr dar. Hierzu sollten aber die aktuellen Hinweise des Bundesinstituts für Risikobewertung beachtet werden. Allerdings sollten Menschen, die nach China reisen, den Kontakt mit rohem oder noch lebendem Geflügel meiden und sich bei dennoch erfolgtem oder auch nur möglichem Kontakt gut die Hände waschen“, sagt Krause. „Wer nach China reist, sollte zudem die Hinweise des auswärtigen Amtes und des Robert Koch-Instituts zu Rate ziehen“, so Schughart.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass sich H7N9 dahingehend ändert, dass es leichter zwischen Menschen übertragen wird, ist schwierig zu ermitteln. H5N1 ist ein weiteres Vogelgrippevirus, das seit 1997 immer wieder Krankheit und Tod beim Menschen verursacht hat. Auch für dieses Virus ist seit dem ersten Auftreten im Menschen keine relevante Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch entstanden“, sagt Krause. „Das H7N9-Virus zeigt aber bereits Anpassungen an Säuger und es mutiert weiter, daher könnte eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung in Zukunft durchaus möglich werden“, ergänzt Schughart. „Wir arbeiten am HZI mit verschiedenen Vogelgrippeerregern, unter anderem auch demnächst mit H7N9.“ Hierfür untersuchen die Wissenschaftler das Infektionsgeschehen in Mäusen. „Uns interessiert insbesondere, wie der Wirt auf eine Infektion reagiert und warum es in einigen Fällen zu schweren Verlaufsformen der Infektion kommen kann.“ Das HZI plant, in den kommenden Jahren seine Forschungsaktivitäten über Grippeinfektionen weiter auszubauen, unter anderem in Kooperation mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Diese wird in Kürze ein neues Zoonose-Forschungszentrum eröffnen, das sich gezielt mit der Übertragung von Infektionserregern vom Tier auf den Menschen befasst.

„Bislang gibt es keine Impfung gegen H7N9, da das Virus noch nicht pandemisch geworden ist. Es gibt jedoch anti-virale Medikamente, die wirken, wenn sie frühzeitig genommen werden“, sagt Schughart. „Solange die Vogelgrippe im Wesentlichen eine Tiererkrankung bleibt und sich nicht rasch von Mensch zu Mensch übertragen lässt, wird auch keine Impfung benötigt. Der normale saisonale Grippeimpfstoff wird vermutlich keine ausgeprägte Schutzwirkung gegen die aktuelle Vogelgrippe haben“, sagt Krause. „Trotzdem ist es wichtig, die üblichen Impfempfehlungen gegen die saisonale Grippe zu befolgen, da hier derzeit die Fallzahlen ansteigen.“

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI)
Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern.

Dr. Birgit Manno | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-hzi.de
http://www.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/news/ansicht/article/complete/vogelgrippe_in_china_breitet_sich_aus/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist
30.03.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE