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Virushepatitis: Neue Möglichkeiten der Behandlung - Rechtzeitiges Erkennen hilft Leiden verhindern

17.11.2010
11. Deutscher Lebertag am 20. November 2010: „Wissenswerte Leberwerte“

Lebererkrankungen sind wenig bekannt, aber weit verbreitet – vermutlich leiden mindestens fünf Millionen Menschen in Deutschland an einer Lebererkrankung.

Viele davon, ohne es zu merken. Lebererkrankungen verursachen kaum Schmerzen und weisen auch keine eindeutigen Symptome auf. Daher werden sie oft erst spät erkannt, manchmal zu spät, um schwerwiegende Folgen wie Leberzirrhose und Leberzellkrebs zu vermeiden.

Häufig sind Infektionen mit den Hepatitisviren B und C Ursache für eine Hepatitis. Diese Infektionen können dauerhaft (chronisch) werden und dann zu Leberzirrhose und Leberzellkrebs führen“, sagt Prof. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung anlässlich des 11. Deutschen Lebertages am 20. November 2010.

Die chronische Hepatitis B und Hepatitis C können inzwischen gut behandelt werden. Gerade deshalb sei eine frühe Diagnose extrem wichtig. Der 11. Deutsche Lebertag steht in diesem Jahr unter dem Motto „Wissenswerte Leberwerte“. In ganz Deutschland finden in vielen Städten Veranstaltungen dazu statt. Eine Liste der Veranstaltungen finden Sie unter www.lebertag.org

Eine neue Ära in der Therapie der chronischen Hepatitis C steht bevor

Man unterscheidet bei dem Hepatitis C Virus verschiedene Genotypen. Die Heilungsraten und die Therapiedauer sind bei den verschiedenen Genotypen sehr unterschiedlich. Die Genotypen 1 und 4 werden meist 48 Wochen mit pegyliertem Interferon und Ribavirin behandelt, während bei den Genotypen 2 und 3 in der Regel eine 24-wöchige Therapie ausreichend ist und mit der Standardtherapie zu einer Heilungsrate von 70 bis 90 Prozent der Fälle führt. Beim Genotyp 1 sieht es schlechter aus. Hier werden mit der Standardtherapie lediglich etwa 40 bis 50 Prozent der Patienten geheilt.

Die Schwierigkeiten der Therapie von Patienten mit dem Genotyp 1 scheinen allerdings in naher Zukunft der Vergangenheit anzugehören. Auf dem AASLD-„Liver Meeting“, das vom 29. Oktober bis zum 2. November in Boston, USA stattfand, wurden aktuelle Erkenntnisse zu neuen Substanzen vorgestellt. Mit Boceprevir und Telaprevir stehen in den nächsten Jahren für HCV Genotyp 1_Patienten zwei direkt antivirale Substanzen zur Verfügung, die eine Heilungsrate von 70 bis 80 Prozent haben. Dies gilt für Patienten, die bisher keine antivirale Therapie erhalten haben. Die Substanzen werden voraussichtlich frühestens Ende 2011 beziehungsweise Anfang 2012 zugelassen werden. Von den neuen Substanzen werden auch Patienten profitieren, bei denen eine frühere antivirale Therapie mit pegyliertem Interferon und Ribavirin erfolglos war. Hier liegen die Heilungschancen bei etwa 40 bis 50 Prozent. Neben Boceprevir und Telaprevir stehen noch einige andere Substanzen in naher Zukunft für die Therapie zur Verfügung. Diese sind in der Entwicklung allerdings noch nicht soweit vorangeschritten, so dass die allgemeine Zulassung noch einige Zeit dauern wird. Die Therapie einer HCV-Infektion mit dem Genotyp 1 wird daher in der Zukunft deutlich effektiver werden. Bis es neue Medikamente für die Therapie des Genotyps 2 beziehungsweise 3 gibt, wird noch viel Zeit vergehen müssen.

Durch die Kombination verschiedener direkt antiviral wirkender Substanzen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen wird in einer nicht allzu fernen Zukunft eine Therapie ohne Interferon möglich sein. Verschiedene Studien haben die Machbarkeit einer derartigen Therapie bereits gezeigt. Es müssen nun mehr Daten gesammelt werden, bis eine Interferon-freie Therapie Einzug in den klinischen Alltag erhalten wird. Da die Behandlung der Hepatitis C mit Interferon viele Nebenwirkungen hat, ist dies von großer Bedeutung. „Mit diesen neuen Substanzen stehen wir praktisch am Anfang einer neuen Ära in der Therapie der chronischen Hepatitis C. Für die Patienten stehen dann deutlich effektivere Medikamente mit einer kürzeren Therapiedauer zur Verfügung,“ sagt Prof. Michael P. Manns.

Behandlung der chronischen Hepatitis B

Die Behandlung der chronischen Hepatitis B hat in der letzten Zeit bereits sehr große Fortschritte gemacht. Eingesetzt werden Interferone, die das Immunsystem beeinflussen und die Virusvermehrung hemmen. Hiermit kann man bei einigen Patienten eine teilweise „Immunkontrolle“ erreichen. Außerdem sind inzwischen Medikamente entwickelt worden, die die Virusvermehrung sehr effektiv eindämmen. Diese Medikamente, die einmal täglich als Tablette eingenommen werden müssen, haben relativ wenige Nebenwirkungen. Sie bewirken eine Hemmung der Virusvermehrung, so lange sie eingenommen werden. Eine Virusausheilung kann damit nicht erreicht werden. Daher müssen die Medikamente sehr lange eingenommen werden. Bisher ist noch nicht klar, wie lange eine Einnahme notwendig ist. Die Entwicklung von Medikamenten gegen das Hepatitis B-Virus ist ein großer Erfolg in der Bekämpfung von Lebererkrankungen. Während Ende der 1990-er Jahre die meisten Patienten mit fortgeschrittener Hepatitis B verstorben sind, können jetzt viele Patienten erfolgreich behandelt werden.

Langfristig wird damit die Zahl der Patienten, die aufgrund einer chronischen Virushepatitis eine Leberzirrhose entwickeln, sinken. Ebenso wird die Zahl der Lebertransplantationen zurück gehen „Deshalb ist es so wichtig, dass wir Lebererkrankungen früh erkennen. Inzwischen können wir mit der Behandlung dieser Erkrankungen viel Leiden verhindern – daher sind Leberwerte so wissenswert,“ betont Prof. Manns für die Deutsche Leberstiftung.

Rita Wilp | idw
Weitere Informationen:
http://www.lebertag.org

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