Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vielen Rheuma-Patienten helfen nur Medikamente ohne Zulassung

14.08.2013
Regressforderungen der Kassen erschweren Therapie

Gegen viele Rheuma-Erkrankungen gibt es keine zugelassenen Medikamente. Einzige Behandlungsmöglichkeit ist dann die Off-label-Therapie, die Verwendung von Medikamenten außerhalb ihres Zulassungsbereichs. Vor allem bei teuren Off-label-Therapien droht Ärzten jedoch ein existenz-bedrohender Regress. Rheumatologen stehen daher häufig vor wirtschaftlichen, ethischen sowie rechtlichen Problemen.

Wie dieses Spannungsfeld entschärft werden kann und welche Off-label-Therapien Patienten vor schweren Folgeschäden bis hin zur Erblindung bewahren, erklären Experten auf einer Pressekonferenz am 11. September 2013 in Berlin im Vorfeld des 41. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). Dieser findet vom 18. bis 21. September 2013 in Mannheim statt.

Viele der mehr als 200 rheumatisch entzündlichen Erkrankungen sind so selten, dass dafür keine Medikamente zugelassen sind. „Bei diesen seltenen Erkrankungen müssen wir mehr als die Hälfte der Patienten im Off-label-Bereich therapieren. Vor allem neue Medikamente wollen wir diesen Patienten nicht vorenthalten, wenn keine alternative Therapie zur Verfügung steht“, sagt Professor Dr. med. Hanns-Martin Lorenz, Tagungspräsident der DGRh, vom Universitätsklinikum Heidelberg.

Auch für viele Kinder sei die Off-Label-Therapie die einzige Möglichkeit, so Dr. med. Jürgen Grulich-Henn, Tagungspräsident der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), vom Universitätsklinikum Heidelberg. „Besonders brisant ist die Situation bei jungen Rheuma-Patienten mit einer Entzündung der Augen.“ Die sogenannte Uveitis kann bis zur Erblindung führen. Zwar erzielt die Behandlung, etwa mit Basistherapeutika wie Methotrexat oder TNF-alpha-Blockern, die für andere rheumatische Erkrankungen zugelassen sind, sehr gute Ergebnisse. Im Kindesalter sei jedoch kein einziges dieser Medikamente zugelassen. „Dieses Beispiel macht deutlich, dass ein striktes Verschreiben von Medikamenten rein im Zulassungsgebiet gerade in der Rheumatologie fatale Folgen für die Patienten haben kann und daher völlig unrealistisch ist“, sagt Lorenz.

Aufgrund des für neue Medikamente nötigen Zulassungsprozesses mit umfassenden Tests, der viele Millionen Euro verschlingt, versuchen Pharmafirmen zunächst, eine Zulassung für häufige Erkrankungen zu erhalten. Verschreiben Rheumatologen neue Medikamente bei Krankheiten ohne Zulassung, wird dies nach Angaben von Lorenz von den Krankenkassen zwar toleriert, aber oft nur, solange die neuen Medikamente günstig sind. Bei den häufig sehr teuren Rheuma-Medikamenten müsse der Arzt oder die Klinik mit einer Regressforderung rechnen. „Bei Therapiekosten von bis zu 25 000 Euro pro Jahr und Patient kann das sehr schnell existenzielle Folgen haben“, warnt Lorenz. Er beklagt außerdem, dass die Rechtslage zum Thema Off-label-Verschreibung trotz einiger Urteile nach wie vor unklar sei.

Wie diese Situation entschärft und damit die Behandlung für hunderttausende Patienten verbessert werden kann, diskutieren Experten auf einer Podiumsdiskussion während des DGRh-Kongresses in Mannheim sowie auf einer Vorab-Pressekonferenz am 11. September von 11 bis 12 Uhr im Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin.

Terminhinweise:
Vorab-Pressekonferenz
anlässlich des 41. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)
Termin: Mittwoch, 11. September 2013, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Berlin
Eines der Themen:
Off-label-Therapie als Ausweg bei Rheuma: Wenn nicht zugelassene Medikamente Patienten unnötige Schmerzen ersparen und Organzerstörung verhindern

Professor Dr. med. Hanns-Martin Lorenz

Podiumsdiskussion
im Rahmen des 41. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)
Off-label-Therapie in der Rheumatologie im Spannungsfeld von Kostenexplosion, Wirtschaftlichkeit und Therapienotwendigkeit
Termin: Freitag, 20. September 2013, 15.00 bis 16.30 Uhr
Ort: Congress Center Rosengarten, Mannheim
Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie
Kongress-Pressestelle
Kathrin Gießelmann/Christina Seddig
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-981/-442
Fax: 0711 8931-167
giesselmann@medizinkommunikation.org
seddig@medizinkommunikation.org

Kathrin Gießelmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizinkommunikation.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie