Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Viagra wandelt Fettzellen um

11.01.2013
Forscher der Universität Bonn behandelten Mäuse mit Viagra und machten eine erstaunliche Entdeckung:

Das Potenzmittel wandelt unerwünschte weiße Fettzellen um und könnte dadurch möglicherweise das lästige „Hüftgold“ einfach abschmelzen lassen. Vermutlich verringert der Wirkstoff zudem das Risiko für Folgeerkrankungen der Fettleibigkeit. Die Ergebnisse werden nun in „The Journal of the Federation of American Societies for Experimental Biology“ (FASEB) vorgestellt.

Mit dem Potenzmittel Sildenafil - besser als „Viagra“ bekannt - werden Erektionsstörungen behandelt. Der Wirkstoff greift in eine Signalkette des Botenstoffs cyclisches Guanosinmonophosphat (cGMP) ein, der das Einströmen von Blut und damit die Erektion ermöglicht. Forscher wurden schon vor einiger Zeit auf eine weitere Wirkung aufmerksam: Fettleibige Mäuse verlieren an Gewicht, wenn sie über einen längeren Zeitraum Sildenafil bekommen. Allerdings war die Ursache bislang unklar. Licht ins Dunkel brachten nun Wissenschaftler der Universität Bonn. „Wir erforschen seit Längerem die Wirkung des cGMP auf Fettzellen“, berichtet Prof. Dr. Alexander Pfeifer, Direktor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Bonn. „Deshalb war das Sildenafil für uns ein potenziell interessanter Kandidat.“

Viagra wandelt unerwünschte weiße in beige Fettzellen um

Das Team um Prof. Pfeifer testete zusammen mit dem Pharmazentrum der Universität Bonn, dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und dem Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung die Wirkung des Sildenafil auf Fettzellen an Mäusen. Die Forscher verabreichten den Nagern über sieben Tage hinweg das Potenzmittel. „Die Effekte waren ganz erstaunlich“, sagt Prof. Pfeifers Mitarbeiterin Dr. Ana Kilic. Sildenafil verwandelte in den Tieren verstärkt die weißen Fettzellen, die auch in den „Problemzonen“ des Menschen stecken, in beige Fettzellen. „Beige Fettzellen verbrennen die Nahrungsenergie und setzen sie in Wärme um“, sagt Prof. Pfeifer. Weil die beigen Zellen Fett einfach abschmelzen und damit Adipositas bekämpfen können, sind sie die Hoffnungsträger der Forscher.

Günstiger Einfluss auf Entzündungsreaktionen

Die Wissenschaftler machten darüber hinaus noch eine interessante Beobachtung. Werden weiße Fettzellen weiter „gemästet“, nehmen sie in ihrer Größe deutlich zu und können dann auch Botenstoffe ausschütten, die Entzündungen verursachen und für die Gesundheit problematisch sind. Aus solchen Entzündungsreaktionen können sich zum Beispiel Herzkreislauferkrankungen mit Herzinfarkt und Schlaganfall als Folgen, Krebs und Diabetes entwickeln. „Das Sildenafil sorgte in den Mäusen offenbar dafür, dass die Fettzellen nicht so leicht auf diese schiefe Bahn geraten können“, berichtet Prof. Pfeifer. Die Entwicklung der weißen Zellen schien insgesamt gesünder zu verlaufen.

Mehr als eine halbe Milliarde Übergewichtige weltweit

Weltweit leiden mehr als eine halbe Milliarde Menschen unter Übergewicht. Vor diesem Hintergrund ergeben sich aus der Studie interessante Ansatzpunkte für die Wirkstoffforschung: „Sildenafil kann nicht nur Erektionsprobleme mindern, sondern auch die Risiken von Übergewicht positiv beeinflussen“, sagt Prof. Pfeifer. Die Wissenschaftler haben vielleicht einen Hebel gefunden, mit dem sich die unerwünschten weißen in erwünschte beige (braun-artige) Fettzellen umwandeln lassen, die überflüssige Pfunde purzeln lassen. Außerdem ließe sich unter Umständen das Risiko für Folgeerkrankungen der Fettleibigkeit verringern. „Das muss sich jedoch erst noch in weiteren Untersuchungen erweisen“, ergänzt Dr. Kilic.

Warnung vor vorschneller Anwendung

Die Wissenschaftler warnen dringend vor einem Trugschluss: Wer sich über Weihnachten mehr Pfunde angefuttert hat, als ihm lieb sind, sollte keinesfalls in der Hoffnung zu Sildenafil greifen, um damit überflüssiges Fett schnell wieder los zu werden. „Wir befinden uns im Stadium der Grundlagenforschung – die Untersuchungen erfolgten bislang ausschließlich an Mäusen“, betont Prof. Pfeifer. Bis möglicherweise geeignete Medikamente zur Verringerung der weißen Fettzellen für den Menschen gefunden werden, ist es noch ein sehr weiter Weg.

Publikation: Increased cGMP promotes healthy expansion and browning of white adipose tissue, „The Journal of the Federation of American Societies for Experimental Biology“ (FASEB)

Kontakt:

Prof. Dr. Alexander Pfeifer
Institut für Pharmakologie und Toxikologie
Tel. 0228/28751300
E-Mail: alexander.pfeifer@uni-bonn.de

Johannes Seiler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de
http://www.fasebj.org/content/early/2013/01/08/fj.12-221580.full.pdf+html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie