Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verräterische Spuren im Blut

05.09.2011
Ein Bluttest, der frühzeitig und zuverlässig Auskunft darüber gibt, ob ein Mensch an einem Tumor erkrankt ist: Davon träumen viele Mediziner. Bei der Suche nach einem solchen Test sind Forscher jetzt einen Schritt voran gekommen. Daran beteiligt waren auch Mediziner der Würzburger Frauenklinik.

Eierstockkrebs ist, wie viele andere Tumorerkrankungen auch, mittlerweile gut heilbar. Einzige Voraussetzung: Er muss möglichst frühzeitig erkannt werden. Dann lässt er sich in über 90 Prozent der Fälle erfolgreich behandeln. Weil der Tumor in diesem frühen Stadium allerdings in der Regel keine Beschwerden verursacht, kommen die Patientinnen häufig erst spät zum Arzt, wenn die Chancen auf Heilung deutlich geringer sind. Ein zuverlässiges Verfahren zur Früherkennung existiert bisher nicht – so wie für viele andere Krankheiten auch.

Diese unbefriedigende Situation haben Dr. Sebastian Häusler, der Privatdozent Dr. Jörg Wischhusen und Professor Johannes Dietl von der Würzburger Universitäts-Frauenklinik zum Anlass genommen, um im Blut von Tumorpatientinnen nach diagnostisch verwertbaren Strukturen zu fahnden. Fündig wurden sie dabei unter den so genannten microRNAs.

Winzige Moleküle im Visier

Bei den 2001 erstmals beschriebenen microRNAs handelt es sich um kleine Moleküle, die eine wichtige Rolle in dem komplexen Geschehen der Genregulation in den Zellen spielen. Anders als ihre Verwandten, die „RNA“ genannten Ribonukleinsäuren, kodieren sie nicht bestimmte Proteine. Vielmehr lagern sie sich, soweit heute bekannt, an bestimmte Abschnitte der RNA-Stränge an und wirken so indirekt auf die Proteinproduktion ein. Damit sind sie auch an vielen Krankheits- und zellulären Anpassungsprozessen beteiligt.

Für ihre Untersuchungen verwendeten die Würzburger Wissenschaftler ein von dem Bioinformatiker Dr. Andreas Keller an der Universität des Saarlandes entwickeltes Biomarkerkonzept. Dieses ist in der Lage, den Informationsgehalt von über 100 microRNAs zu berücksichtigen und ermöglicht so eine beeindruckende Sensitivität, Spezifität und Genauigkeit. „Wir konnten dabei zeigen, dass im Blut von an Eierstockkrebs erkrankten Patientinnen spezifische microRNA Signaturen vorliegen, die eine Abgrenzung zu Gesunden erlauben“, sagt Jörg Wischhusen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung hat das angesehene British Journal of Cancer im vergangenen Jahr veröffentlicht.

Ein Test für 14 Krankheiten

In einer Nachfolgestudie haben nun Wissenschaftler aus ganz Deutschland das Testverfahren an insgesamt 14 teilweise schwer diagnostizierbaren Erkrankungen erprobt, darunter Tumorerkrankungen der Bauchspeicheldrüse, der Prostata oder des Magen-Darm-Traktes sowie Multiple Sklerose und chronisch-obstruktive Lungenkrankheiten. Koordiniert hat diese Studie das Heidelberger „Biomarker Discovery Center“, ebenfalls unter Federführung von Andreas Keller; die Würzburger Wissenschaftler haben dafür ihr Spezialgebiet – den Eierstockkrebs – untersucht.

Das Ergebnis gibt Anlass zur Hoffnung: „Die Trefferquote war in vielen Fällen sehr hoch“, sagt Jörg Wischhusen. So betrug sie bei einzelnen Krankheitsbildern über 99 Prozent. Beim Eierstockkrebs lag sie jenseits der 90 Prozent. „Gemessen an den Tests, die bisher existieren, ist das ein sehr gutes Abschneiden“, sagt der Wissenschaftler. Über die Ergebnisse dieser Studie berichtet das renommierte Fachmagazin Nature Methods aktuell auf seiner Homepage.

Weitere Untersuchungen sind notwendig

Insgesamt habe der Test „eine hohe Spezifität für die einzelnen Krankheitsbilder gezeigt, die diagnostisch gut voneinander und von gesunden Kontrollgruppen unterschieden werden konnten“. Die Wissenschaftler hoffen nun, mit einem einzigen Bluttest eine Vielzahl von Erkrankungen mit hoher Zuverlässigkeit diagnostizieren zu können. Bis es soweit ist, kann allerdings noch einige Zeit verstreichen: „Da ist noch viel Arbeit, viel Geld und einiges an Untersuchungen notwendig, bis tatsächlich ein marktreifes Produkt die Zulassung erhält“, glaubt Wischhusen. Immerhin: Die Heidelberger Firma febit arbeitet bereits daran.

„Towards discovering the blood-borne miRNome of human diseases“, Andreas Keller, Joerg Wischhusen, Sebastian F. M. Häusler, Johannes Dietl et al., Nature Methods Online

Kontakt
PD Dr. Jörg Wischhusen, T: (0931) 201-25291, E-Mail: Wischhusen_J@klinik.uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Geothermie: Den Sommer im Winter ernten

18.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Kompositmaterial für die Wasseraufbereitung

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Brain-Computer-Interface: Wenn der Computer uns intuitiv versteht

18.01.2017 | Informationstechnologie