Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verödung von Nervenfasern senkt Bluthochdruck

05.03.2013
Beim 4. Heidelberger Angiologietag am 9. März 2013 informieren Gefäßspezialisten über aktuelle Behandlungsmöglichkeiten bei Gefäßerkrankungen / Live-Übertragung aus dem Katheterlabor / Ärzte, Patienten und Angehörige sind herzlich eingeladen

Patienten, deren Bluthochdruck selbst durch die Kombination mehrerer Medikamente nicht ausreichend gesenkt werden kann, profitieren am Universitätsklinikum Heidelberg von einem schonenden Katheterverfahren, der „Renalen Denervation“.


Bei der Renalen Denervation veröden Mediziner über einen Katheter Nervenfasern in den Nierenarterien; diese Nervenfasern sind überaktiv und tragen wesentlich zu einem dauerhaft erhöhten Blutdruck bei. Das schonenden Verfahren wird beim 4. Heidelberger Angiologietag am Samstag, den 9. März 2013, vorgestellt. Bildquelle: Medtronic

Das zeigen erste Ergebnisse einer Studie des Universitätsklinikums: Vor allem der systolische, obere Blutdruckwert fällt deutlich ab und bessert sich noch weiter im Verlauf des ersten Jahres nach der Behandlung. Damit decken sich die Behandlungserfolge der Heidelberger Angiologen mit den Ergebnissen großer internationaler Studien der letzten drei Jahre und sprechen für eine hervorragende Behandlungsqualität.

Die Renale Denervation sowie weitere moderne Behandlungsverfahren bei Gefäßerkrankungen werden am Samstag, den 9. März 2013, beim 4. Heidelberger Angiologietag der Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Pneumonologie vorgestellt. Beginn ist um 9 Uhr im Großen Hörsaal der Medizinischen Universitätsklinik, Im Neuenheimer Feld 410. Der Angiologietag ist eine Fortbildungsveranstaltung für Ärzte, richtet sich aber auch an Patienten, Angehörige und die interessierte Bevölkerung. Der Eintritt ist frei.

Höhepunkte der Veranstaltung sind vier Live-Übertragungen komplexer Eingriffe aus dem Katheterlabor direkt auf die große Leinwand im Hörsaal: Die Besucher können auf dem Röntgenbild u.a. verfolgen, wie eine Renale Denervation vorgenommen oder verengte Arterien im Bein mit einer Gefäßstütze (Stent) geweitet und stabilisiert werden. Experten kommentieren.

Aktuelle Studienergebnisse: Nach einem Jahr Blutdruck weiter gesunken

Die Renale Denervation kommt am Universitätsklinikum seit September 2010 zum Einsatz. Dabei veröden Mediziner über einen Katheter Nervenfasern in den Nierenarterien; diese Nervenfasern sind überaktiv und tragen wesentlich zu einem dauerhaft erhöhten Blutdruck bei.
In Frage kommt die Behandlung für Patienten mit einem systolischen Blutdruckwert ab 160, bei Diabetikern ab 150 Millimeter Quecksilbersäule (mm Hg), der auch mit drei oder mehr Blutdruckmitteln nicht ausreichend gesenkt werden kann. Sie tragen ein besonders hohes Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt oder Herzschwäche. Bisher wurde in Heidelberg der Kathetereingriff bei über 100 Patienten mit therapieresistentem Bluthochdruck durchgeführt, bei 64 von ihnen im Rahmen einer Studie. „Heidelberg ist weltweit eines der führenden Zentren für dieses Verfahren“, sagt Professor Dr. Erwin Blessing, Angiologe an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg.

Die Studienteilnehmer werden zwei Jahre lang in regelmäßigen Intervallen nachuntersucht, die ersten Untersuchungen nach sechs Monaten sind inzwischen abgeschlossen. Im Durchschnitt sank der obere/systolische Wert in dieser Zeit um 19 mm Hg. Bei ungefähr der Hälfte der Patienten liegen bereits die Ein-Jahres-Ergebnisse vor: „Der Blutdruck ist dann durchschnittlich um 28 mm Hg gefallen“, erklärt Blessing. „Der Effekt setzt zwar erst nach einigen Wochen ein, hält dann aber an.“ Aus epidemiologischen Studien ist bekannt, dass bereits geringe Senkungen des Blutdrucks um 2 mm Hg das Risiko, an Herzinfarkt oder Schlaganfall zu sterben, um sieben bzw. zehn Prozent verringert.

„Diese Zahlen lassen sich nicht eins zu eins auf Patienten mit so hohem Blutdruck übertragen, wir gehen allerdings davon aus, dass sich ihr Risiko für Herz- und Gefäßschäden ebenfalls deutlich reduziert“, sagt der Angiologe. Ihre Medikamente müssen die Patienten weiterhin einnehmen, einige konnten allerdings die Dosis oder Anzahl der Arzneimittel reduzieren. Bei keinem Patient traten Nebenwirkung oder Schäden an den Nieren auf.

An den verschiedenen Zentren, die Renale Denervationen anbieten, werden derzeit mögliche weitere positive Effekte untersucht: Eine aktuelle Studie des Universitätsklinikums Homburg zeigte, dass sich bei Patienten mit Typ II-Diabetes neben dem Bluthochdruck auch die Regulation des Blutzuckerspiegels verbesserte. Zudem gibt es Hinweise, dass sich Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche günstig beeinflussen lassen. Über den aktuellen Stand informiert beim Angiologietag Professor Dr. Paul A. Sobotka vom Hennepin County Medical Center in Minneapolis, USA, der die Renale Denervation führend mit entwickelte.
„In Heidelberg untersuchen wir aktuell gemeinsam mit dem Nierenzentrum des Universitätsklinikums in einer neuen Studie, in wie weit nierenkranke Hochdruck-Patienten von diesem schonenden Verfahren profitieren, ob z.B. die Entlastung der Nieren durch den niedrigeren Blutdruck für diese Patienten weitere Vorteile mit sich bringt“, so Blessing.

Heidelberger Gefäßzentrum ist Vorreiter bei innovativen Therapien
Ein weiterer Themenschwerpunkt ist die Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, auch Schaufensterkrankheit genannt. Vorgestellt werden u.a. mit Medikamenten beschichtete Ballons und neue sich auflösende Stents, die im Rahmen eines Kathetereingriffs eingesetzt werden. Die Medikamentenbeschichtung trägt dazu bei, die Verschlüsse in den Beinarterien dauerhaft offen zu halten. „Der Trend geht verstärkt zu schonenden Methoden, um die Engstellen zu entfernen und mit resorbierbaren Stents die Heilung zu fördern. Es soll anschließend nichts im Körper zurückbleiben“, sagt Blessing. 2013 startet eine multizentrische Studie mit resorbierbaren Stents, an der Heidelberg teilnehmen wird.

Die Angiologie innerhalb der Medizinischen Klinik III (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Hugo A. Katus) ist Teil des zertifizierten, interdisziplinären Gefäßzentrums am Universitätsklinikum Heidelberg. Hier erarbeiten Gefäßchirurgen, Radiologen und Angiologen gemeinsam mit Neurologen, Nephrologen, Diabetologen und Ernährungsmedizinern für jeden gefäßkranken Patienten ein individuell angepasstes Behandlungskonzept, das zusätzliche Erkrankungen berücksichtigt.

Programm im Internet:
http://www.angiologietag.de
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Angiologie.120875.0.html

Literatur:
Diabetes-Studie UKL Homburg: Mahfoud, Felix, Markus Schlaich, Ingrid Kindermann et al.: Effect of Renal Sympathetic Denervation on Glucose Metabolism in Patients With Resistant Hypertension: A Pilot Study. In: Circulation 123 (2011), S. 1940-1946.
Symplicity HTN-1 Investigators: Catheter-Based Renal Sympathetic Denervation for Resistant Hypertension. In: Hypertension 57 (2011), S. 911-917.
Symplicity HTN-2 Investigators: Renal sympathetic denervation in patients with treatment-resistant hypertension (The Symplicity HTN-2 Trial): a randomised controlled trial. In: The Lancet Vol. 376 (2010), S. 1903-1909.

Wissenschaftliche Leitung:
Prof. Dr. Erwin Blessing
Oberarzt, Leiter Angiologie
Medizinische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 86 11
E-Mail: erwin_blessing@med.uni-heidelberg.de
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 2.200 Betten werden jährlich rund 118.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und rund 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Leiterin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-4536
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: annette.tuffs@med.uni-heidelberg.de

Julia Bird
Referentin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-7071
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: julia.bird@med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Besuchen Sie das Universitätsklinikum Heidelberg auch bei:
Facebook: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/facebook
Twitter: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/twitter
Youtube: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/youtube

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie