Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Um Vergiftungen durch Verbraucherprodukte erfolgreich zu behandeln, müssen die Rezepturen bekannt sein

21.11.2008
BfR und seine Kommission "Bewertung von Vergiftungen" schlagen neue Kennzeichnung zur Identifizierung in Notfällen vor

Trinkt ein Kind versehentlich Reinigungsmittel, kann schnelle Hilfe lebensrettend sein. Bei Unfällen mit Haushaltschemikalien müssen Ärzte wissen, welche Stoffe das Produkt enthält. Nur dann können sie gezielt behandeln. Doch häufig haben sie nur unvollständige Informationen, weil die eindeutige Identifizierung von Produkten über den Handelsnamen mit zahlreichen Problemen verbunden ist.

"Wir brauchen dringend ein neues Produktkennzeichnungselement, damit die Inhaltsstoffe bei unerwünschten Wirkungen und vor allem in Notfällen schnell ermittelt werden können", sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Das Institut hat auf der Grundlage von Vorarbeiten der BfR-Kommission "Bewertung von Vergiftungen" jetzt ein einheitliches und für den Verbraucher gut sichtbares Identifizierungselement entworfen.

Vergiftungen ereignen sich täglich, meist sind es Unfälle mit Haushaltsprodukten, an denen Kinder beteiligt sind. Schätzungsweise eine Million Anrufe gehen in Europa pro Jahr in Giftinformationszentren ein. In 20 bis 40 Prozent der Fälle kann die exakte Rezeptur nur schwer ermittelt werden. Zwar melden Hersteller von chemischen Produkten wie Pflanzenschutzmitteln oder Wasch- und Reinigungsmitteln ihre Rezepturen an das BfR, damit sie für Notfälle zur Verfügung stehen, häufig jedoch ist es für den behandelnden Arzt schwierig, überhaupt zu ermitteln, mit welchem Produkt ein Verbraucher sich vergiftet hat.

Die Angaben auf der Verpackung helfen oft nicht weiter: Etiketten enthalten oftmals verwirrende Produktinformationen mit "Corporate Identity"-Elementen, Sicherheitshinweisen, Warnungen, Warenzeichen, Werbeelementen, Warenlogistikkennzeichnungen, Strich- oder Bar-Codes, Umwelt- und Entsorgungskennzeichen, Gebrauchsanweisungen - und das unter Umständen in mehreren Sprachen. Erschwerend kommt hinzu, dass Hersteller die Rezepturen ihrer Produkte ändern können, ohne dass das Produkt einen neuen Handelsnamen erhält.

Auf der Basis von Vorarbeiten der BfR-Kommission "Bewertung von Vergiftungen" und der vom BfR initiierten Europanorm EN 15178 "Elemente zur Produktidentifizierung bei Notfallanfragen" schlägt das Institut deswegen ein einheitlich strukturiertes Identifizierungselement auf den Etiketten vor: In unmittelbarer Nähe des Barcodes soll ein "i"-Punkt-Symbol für "Information" stehen, gefolgt von einem Firmen- und einem Rezepturcode sowie dem neuen codierten GHS-Gefahrensymbol. Das Kürzel GHS steht für "Globally Harmonized System of Classification and Labelling of Chemicals". Die vom BfR vorgeschlagene neuartige Produktkennzeichnung könnte auch international verwendet werden.

Hersteller chemischer Produkte, die für Verbraucher bestimmt sind, können das neue Kennzeichnungssystem ab sofort dafür nutzen, die gesetzlich vorgeschriebenen Mitteilungen zu chemischen Produkten beim BfR einzureichen und das neue Identifizierungselement auf den Verpackungen verwenden. Es ermöglicht nicht nur die punktgenaue Identifizierung der Rezeptur bei Notfallanfragen, sondern bringt auch für Hersteller Vorteile: Im Vergleich zum bloßen Handelsnamen kann es helfen, Fehler im Bestellwesen zu minimieren und Reklamationen eindeutig zuzuordnen.

Jürgen Thier-Kundke | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de/cm/231/identifizierungselement.jpg
http://www.bfr.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften