Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verdacht auf Lese-Rechtschreib-Schwäche stets vom Augenarzt abklären lassen

27.09.2011
Nicht jede Lese-Rechtschreib-Schwäche ist eine echte Legasthenie. Manchmal liegt die Ursache in einer Sehstörung. Eine Brille kann dann häufig helfen.

Im Vorfeld ihres Kongresses rät die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) deshalb beim Verdacht auf eine Lese-Rechtschreib-Schwäche stets zu einer augenärztlichen Untersuchung. Gleichzeitig warnt die Fachgesellschaft vor wissenschaftlich nicht fundierten Therapien wie der Verordnung von Prismengläsern oder Brillen mit Farbfiltern.

Experten diskutieren dieses Thema auch im Rahmen der Kongress-Pressekonferenz am 29. September 2011 in Berlin.

„Eine scharfe Abbildung des Textes auf der Netzhaut ist eine wichtige Voraussetzung für das Erlernen von Lesen und Rechtschreiben“, erläutert Professor Dr. med. Susanne Trauzettel-Klosinski, die an der Universitäts-Augenklinik Tübingen eine Spezialambulanz für Sehbehinderte leitet. Eine Kurz- oder Weitsichtigkeit, ein gestörtes beidäugiges Sehen und eine verminderte Naheinstellungsfähigkeit der Augenlinsen können eine Leseschwäche auslösen oder verstärken. „Die Lösung ist dann häufig eine Brille“, so die Expertin. Doch nicht bei allen Kindern, die eine Brille benötigen, würden sich danach die Probleme beim Lesen und Schreiben bessern. Die Sehstörung ist in diesen Fällen nicht Ursache der Lese-Rechtschreib-Schwäche, sondern tritt parallel zu ihr auf.

Die Ursache der echten Legasthenie ist zwar noch nicht endgültig geklärt, eine Augenerkrankung ist sie nach Einschätzung von Trauzettel-Klosinski jedoch nicht. Eine wissenschaftlich weithin akzeptierte Ursache ist ein phonologisches Verarbeitungsdefizit, also ein Defizit in der Sprachklangverarbeitung, was sich beim Lesen in der Schwierigkeit ausdrückt, Buchstaben in Laute umzuwandeln. Ein zusätzliches visuelles Defizit beim Verarbeiten schnell aufeinanderfolgender Reize wurde beschrieben, betrifft aber wahrscheinlich nur eine Untergruppe der Legastheniker.

Die Expertin warnt ausdrücklich vor einigen Therapien, die auf nicht bewiesenen Hypothesen beruhen und dem Kind schaden können. Dazu gehört die Annahme, die Legasthenie sei Folge einer sogenannten Winkelfehlsichtigkeit, bei der die Bilder in beiden Augen auf leicht versetzte Orte der Netzhaut projiziert werden. Vertreter dieser wissenschaftlich nicht fundierten Theorie empfehlen die Verordnung von Prismengläsern. „Leider ist diese Behandlung nicht nur unwirksam im Hinblick auf die Lese-Rechtschreib-Schwäche“, erläutert Trauzettel-Klosinski. „Sie kann bei einigen Kindern auch zum Schielen führen und eine Operation notwendig machen.“

Eine weitere unbewiesene Theorie führt die Legasthenie auf eine Störung der willentlichen Blicksteuerung zurück. Vertreter dieses Erklärungsansatzes empfehlen ein Training schneller Augenbewegungen – und zwar entgegen der spontanen Blickrichtung. „Dieses Training verbessert zwar die Blickbewegungen, nicht jedoch die Lesefähigkeit“, so Trauzettel-Klosinski. Ohne wissenschaftliche Grundlage ist auch der Versuch, die Lese-Rechtschreib-Schwäche durch Brillen mit getönten Spezialgläsern zu behandeln: Eine positive Wirkung dieser sogenannten Irlen-Filter ist durch Studien nicht belegt.

Die Expertin vermutet die Ursache der Legasthenie vor allem in einer Störung der sprachlichen und möglicherweise gelegentlich zusätzlich der visuellen Informationsverarbeitung im Gehirn. Augenärztliche Therapien könnten sie deshalb nicht lindern. Eine Brille könne aber bei einer vorhandenen Fehlsichtigkeit die Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie schaffen.

Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 6000 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, untersuchen und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissen¬schaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

Terminhinweis:
Kongress-Pressekonferenz
Termin: Donnerstag, 29. September 2011, 12.15 bis 13.15 Uhr
Ort: Estrel Convention Center, Raum Paris, Sonnenallee 225, 12057 Berlin
Kontakt für Journalisten:
Pressestelle 109. DOG-Kongress
Silke Stark/Corinna Spirgat
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-572/-293
Telefax: 0711 8931-167
stark@medizinkommunikation.org

Silke Stark | idw
Weitere Informationen:
http://www.dog.org
http://www.dog-kongress.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neurorehabilitation nach Schlaganfall: Innovative Therapieansätze nutzen Plastizität des Gehirns
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

nachricht Die Parkinson-Krankheit verstehen – und stoppen: aktuelle Fortschritte
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste lichtgetriebene Stromquelle der Welt

Die Stromregelung ist eine der wichtigsten Komponenten moderner Elektronik, denn über schnell angesteuerte Elektronenströme werden Daten und Signale übertragen. Die Ansprüche an die Schnelligkeit der Datenübertragung wachsen dabei beständig. In eine ganz neue Dimension der schnellen Stromregelung sind nun Wissenschaftler der Lehrstühle für Laserphysik und Angewandte Physik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) vorgedrungen. Ihnen ist es gelungen, im „Wundermaterial“ Graphen Elektronenströme innerhalb von einer Femtosekunde in die gewünschte Richtung zu lenken – eine Femtosekunde entspricht dabei dem millionsten Teil einer milliardstel Sekunde.

Der Trick: die Elektronen werden von einer einzigen Schwingung eines Lichtpulses angetrieben. Damit können sie den Vorgang um mehr als das Tausendfache im...

Im Focus: The fastest light-driven current source

Controlling electronic current is essential to modern electronics, as data and signals are transferred by streams of electrons which are controlled at high speed. Demands on transmission speeds are also increasing as technology develops. Scientists from the Chair of Laser Physics and the Chair of Applied Physics at Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) have succeeded in switching on a current with a desired direction in graphene using a single laser pulse within a femtosecond ¬¬ – a femtosecond corresponds to the millionth part of a billionth of a second. This is more than a thousand times faster compared to the most efficient transistors today.

Graphene is up to the job

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Im Spannungsfeld von Biologie und Modellierung

26.09.2017 | Veranstaltungen

Archaeopteryx, Klimawandel und Zugvögel: Deutsche Ornithologen-Gesellschaft tagt an der Uni Halle

26.09.2017 | Veranstaltungen

Unsere Arbeitswelt von morgen – Polarisierendes Thema beim 7. Unternehmertag der HNEE

26.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Europas erste Testumgebung für selbstfahrende Züge entsteht im Burgenland

26.09.2017 | Verkehr Logistik

Nerven steuern die Bakterienbesiedlung des Körpers

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit künstlicher Intelligenz zum chemischen Fingerabdruck

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie