Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

VascuBone – Ein Baukasten für maßgeschneiderte vaskularisierte Knochenimplantate

02.06.2015

Erfolgreicher Abschluss des vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB koordinierten EU-Projekts VascuBone. Im Würzburger Congress Centrum trafen sich Ende März die Beteiligten des internationalen Forschungskonsortiums, um die Ergebnisse aus fünf Jahren Projektarbeit zu besprechen. Im Mittelpunkt stand dabei die neu entwickelte VascuBone-»Toolbox«, die neuartige, individualisierte Knochenimplantate ermöglicht.

Am 30. und 31. März 2015 fand das Abschlusstreffen des EU-Projekts VascuBone im Congress Centrum Würzburg statt. Ziel des Forschungsprojekts war es, Knochenimplante so zu verbessern, dass sie das Risiko der Abstoßung verringern, die körpereigenen Regenerationskräfte unterstützen und neues Knochenwachstum anregen. Zum Ende der über fünfjährigen Förderphase trafen sich nun das internationale Konsortium sowie geladene Gäste, um gemeinsam die anfänglichen Ziele den Ergebnissen gegenüberzustellen.


Zellen auf Calciumphoshat: Zellskelett (rot), Zellverbindungen (grün), Zellkerne (blau).

Fraunhofer IGB

Als Ergebnis der mehrjährigen Forschungsarbeit wurde dabei die VascuBone-»Toolbox« präsentiert – eine Art Baukasten für die Knochenregeneration. Diese liefert die verschiedenen Komponenten für ein maßgeschneidertes Knochenimplantat, das die körpereigenen Selbstheilungskräfte unterstützt, wenn diese bei schwerwiegenden Verletzungen nicht zur Regeneration ausreichen.

Bisher setzen Chirurgen den Patienten entweder Metallimplantate oder körpereigenes Gewebe aus dem Beckenknochen ein. »Beides hat Nachteile: Das Metall bleibt ein Fremdkörper, an dessen Oberfläche sich kein neuer Knochen bildet. Das Material aus dem Beckenknochen wäre eigentlich ideal, doch man kann hier nur eine sehr begrenzte Menge entnehmen«, erklärt die VascuBone-Projektkoordinatorin Heike Walles.

Die Biologin ist Professorin für Tissue Engineering und Regenerative Medizin in der Würzburger Universitätsklinik und Leiterin des Translationszentrums »Regenerative Therapien für Krebs und Muskuloskelettale Erkrankungen« des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB am Standort Würzburg.

Um eine alternative Lösung zu finden und bessere Knochenimplantate zu ermöglichen, arbeiteten im Rahmen des VascuBone-Projekts 19 Partner aus vier Ländern zusammen. Die neu entwickelte Toolbox ermöglicht es nun, passgenaue vaskularisierte Knochenimplantate herzustellen, mit denen sich sowohl kleinere Defekte als auch schwere Verletzungen angemessen behandeln lassen. Sie basiert auf drei unterschiedlichen Bestandteilen.

Die Grundlage des Baukastens ist ein neuartiges Material, ein diamantbeschichtetes, großporiges Keramikgranulat. Da dieses vom menschlichen Organismus gut aufgenommen wird, kann es problemlos in das Knochengewebe eingesetzt werden. Darüber hinaus ist es bioverträglich und steigert das Wachstum der Knochenzellen.

Die zweite Komponente besteht aus Proteinen, die aus dem Blut des Patienten gewonnenen werden und das Knochenwachstum fördern. Den finalen Bestandteil bilden Zellen aus dem Blut oder Rückenmark des Patienten, die bewirken, dass das Implantat nicht abgestoßen wird.

Bereits in vorklinischen Studien bewiesen die Forscher des Projekts, dass die Knochenimplantate das Wachstum von Tumoren nicht beschleunigen. Verschiedene Tests zeigen außerdem, dass sie sich auch dazu eignen, altersschwache Knochen wiederherzustellen. Jetzt müssen nur noch die klinischen Studien absolviert werden, damit die Anwendung der Implantate an Patienten in einigen Jahren erfolgen kann.

Beim Abschlusstreffen fassten die Projektbeteiligten die wissenschaftlichen Erkenntnisse in Bezug auf die Implantat-Konstruktion sowie die individuelle Funktionalisierung mit körpereigenen Zellen und Proteinen zusammen. Im Anschluss wurden die umgesetzten Maßnahmen zur Qualitätskontrolle sowie die begleitenden Studien und Tests vorgestellt.

Der erste Tag schloss daraufhin mit einer Zusammenfassung der Projektergebnisse und deren Bewertung. Am zweiten Tag ging es um die Zukunftsperspektiven in der Forschung. Die Relevanz des Tissue Engineering wurde dabei sowohl aus industrieller Sicht als auch aus dem Blickwinkel der wissenschaftlichen Arbeit beleuchtet.

Die Forschungsarbeiten wurden gemäß der Finanzhilfevereinbarung Nr. 242175 im Zuge des Siebten Rahmenprogramms der Europäischen Union gefördert.

Weitere Informationen:

http://www.igb.fraunhofer.de/de/presse-medien/presseinformationen/2015/vascubone...

Dr. Claudia Vorbeck | Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

nachricht Neue Risikofaktoren für Angsterkrankungen
22.02.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt

22.02.2017 | Medizin Gesundheit

Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie

22.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Meeresforschung in Echtzeit verfolgen

22.02.2017 | Geowissenschaften