Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

US-Projekt bringt interaktive 3D-Karte des Gehirns

09.01.2014
Tests mit 1.200 Freiwilligen sollen Struktur und Funktionen aufzeigen

Die Rechenpower moderner Computer birgt aus Sicht der medizinischen Forschung eine Vielzahl spannender Anwendungsmöglichkeiten. Wohin die Reise gehen könnte, zeigt ein Beispiel aus den USA.


3D-Modell: das lebende menschliche Gehirn
(Foto: humanconnectomeproject.org)

Dort haben Wissenschaftler der Washington University http://wustl.edu in St. Louis den ehrgeizigen Plan entwickelt, das weltweit erste interaktive Diagramm des lebenden und arbeitenden menschlichen Gehirns zu erstellen. Hierfür sollen insgesamt 1.200 Freiwillige spezielle kognitivpsychologische Tests durchlaufen, während ihre Gehirne von einem Magnetresonanztomografen (MRT) gescannt werden.

Die riesigen Datenmengen werden anschließend in ein dreidimensionales Modell umgewandelt, das Hirnstruktur und -funktionen detailgetreu aufzeigen soll.

"Wir wollen durch das Gehirn steuern, wie es bislang nicht für möglich gehalten worden ist, die wichtigsten Leitungsbahnen überfliegen, zentrale Schaltkreise miteinander vergleichen, in eine spezifische Region hineinzoomen, um ihre genaue Funktion zu ergründen und schädliche Zellen zu finden", erklärt Deanna Barch, Projektleiterin an der Washington University, gegenüber der New York Times die vielseitigen praktischen Möglichkeiten ihres ambitionierten Forschungsvorhabens.

Die generelle Zielsetzung sei klar: "Uns geht es um die Sammlung einer noch nie dagewesenen Menge neuraler Daten und die Entwicklung eines Interfaces zur grafischen Navigation dieser Daten. Dadurch werden völlig neue Einblicke in das lebende menschliche Gehirn möglich."

Zehn Stunden Tests in zwei Tagen

Bis es soweit ist, wird wohl noch einige Zeit vergehen. "Wir befinden uns gerade erst in der Phase der Datensammlung und haben gegenwärtig etwas mehr als ein Drittel der Probanden getestet", verrät Barch. Die restlichen zwei Drittel der insgesamt 1.200 zu testenden Personen im Alter zwischen 22 und 35 Jahren sollen in den kommenden Monaten folgen. Die Freiwilligen müssen dabei jeder für sich über zwei Tage verteilt knapp zehn Stunden an Tests und MRT-Scans über sich ergehen lassen. Als Entschädigung wird ihnen eine Pauschale in Höhe von 400 Dollar (rund 294 Euro) ausgezahlt.

Auch was die Qualität des angestrebten bildlichen Modells angeht, haben die Forscherin und ihr Team offensichtlich noch einiges an Entwicklungsarbeit vor sich. Bei einer ersten Pressevorführung wurde kurzerhand ein Journalist als "Versuchskaninchen" in ein MRT-Gerät gesteckt, um einen Teil der vorgesehenen Testroutine zu durchlaufen. Dabei konnten die Anwesenden auf einem Monitor im Labor lediglich ein rein statisches Schwarz-Weiß-Bild des Gehirns des Probanden begutachten.

Groß angelegte Initiativen in den USA und Europa

Ein besseres Verständnis der genauen Struktur und Funktion des menschlichen Gehirns sowie des sogenannten Konnektoms, der Gesamtheit der Verbindungen zwischen den Nervenzellen, ist schon seit einiger Zeit Ziel intensiver Forschungsbemühungen. Das Projektteam um Deanna Barch ist nur ein Teil des wesentlich größer angelegten Human Connectome Projects http://humanconnectomeproject.org , das in den USA seit 2010 mehrere verschiedene Forschungen in diesem Bereich zentral koordiniert und teilweise auch finanziert. Auch in Europa findet sich mit dem Human Brain Project http://humanbrainproject.eu eine ähnlich angelegte Initiative.

Markus Steiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.wustl.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie