Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den Ursachen von Darmentzündungen auf der Spur

12.12.2013
Entzündliche Darmerkrankungen breiten sich immer weiter aus. Prof. Gerhard Rogler vom UniversitätsSpital Zürich und seinen Kolleginnen und Kollegen in der ganzen Schweiz stehen in den nächsten zwei Jahren zusätzliche 3,8 Millionen Franken des Schweizerischen Nationalfonds zur Verfügung, um die komplexen Ursachen der Zivilisationskrankheit weiter aufzuschlüsseln.

Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit, Darmblutungen und Kraftlosigkeit – die rund 15‘000 Patienten in der Schweiz, welche an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen leiden, wissen aus eigener Erfahrung, wie sich diese Symptome anfühlen. Die Krankheit, abgekürzt auch CED oder in Englisch «Inflammatory Bowel Disease» (IBD) genannt, betrifft vorwiegend junge Menschen und breitet sich immer weiter aus. Weltweit leiden heute 2,5 Millionen Menschen an den beiden häufigsten Formen von CED – der chronischen Entzündungen des ganzen Darmes (Morbus Crohn) und des Dickdarmes (Colitis ulcerosa).

100 Gastroenterologen und 3‘000 Patienten beteiligt

Die Ausbreitung von CED dürfte mit den erhöhten Hygienestandards der westlichen Welt zu tun haben. Viele Zusammenhänge bei der Entstehung der Krankheit bleiben jedoch bis heute ein Rätsel. Die «Swiss IBD Cohort Study» (SIBDC) möchte Licht ins Dunkeln bringen und erforscht deshalb die komplexen Ursachen von CED.

Rund 100 Gastroenterologen und mehr als 3‘000 betroffene Patienten haben sich bisher an der Langzeitstudie beteiligt – Letztere nicht zuletzt dank der Unterstützung der Schweizerischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa-Vereinigung (SMCCV). Nachdem der Schweizerische Nationalfonds die Kohortenstudie seit 2005 mit über 8,8 Millionen Franken unterstützte, stehen nun in den nächsten zwei Jahren zusätzliche 3,8 Millionen Franken zur Erforschung der Zivilisationskrankheit zur Verfügung.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen werden durch Umweltfaktoren ausgelöst, aber jeder Mensch besitzt gleichzeitig auch ein bestimmtes genetisches Risiko, daran zu erkranken. Im besseren Verständnis der Wechselwirkungen von Umweltfaktoren mit bestimmten Genen des Immunsystems liegt der Schlüssel, um erfolgreiche Therapien zu entwickeln. «Je mehr Zusammenhänge bekannt sind, desto besser können Patienten zum Beispiel Entzündungsschübe verhindern – etwa, indem sie die Risiken, die zu einer Verschlechterung des Krankheitsverlaufs führen, vermeiden», sagt Prof. Gerhard Rogler, Studienleiter und Leitender Arzt an der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie am UniversitätsSpital Zürich.

Darmflora in der Hauptrolle
Bereits haben die Forscher diverse psychosoziale und klinische Daten ausgewertet und die Patienten hinsichtlich ihrer genetischen Risikofaktoren charakterisiert. Dabei konnten sie wichtige Erkenntnisse gewinnen: So führen etwa Stress und psychische Belastungen zu einem schlechteren Krankheitsverlauf. Darüber hinaus konnte das Projektteam der SIBDC zeigen, dass Flugreisen und Höhenaufenthalte über 2‘000 m zu Entzündungsschüben führen können.

Im nächsten Schritt geht es nun darum, detailliert zu untersuchen, welche weiteren Umweltfaktoren die Erkrankung beeinflussen. Insbesondere soll genauer erforscht werden, wie die Umwelt die Zusammensetzung der Darmflora der Patienten verändert und hierüber zur Entzündung beiträgt. Die Darmflora scheint als Vermittler zwischen Umwelt und Immunsystem zu fungieren, weshalb ihr bei der Therapierung aber auch bei der Auslösung von Darmentzündungen eine zentrale Rolle zukommt.

Ansprechpartner für Medien:
Prof. Gerhard Rogler
Leitender Arzt, Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie, UniversitätsSpital Zürich
Tel.: +41 44 255 94 77
E-Mail: gerhard.rogler@usz.ch

Martina Pletscher | idw
Weitere Informationen:
http://www.usz.ch
http://www.ibdcohort.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ultra-sensitiv dank quantenmechanischer Verschränkung

28.06.2017 | Physik Astronomie

Chemisches Profil von Ameisen passt sich bei Selektionsdruck rasch an

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Umfangreiche Fördermaßnahmen für Forschung an Chromatin, Nebenniere und Krebstherapie

28.06.2017 | Förderungen Preise