Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Urologen erwarten neue Ansätze zur Behandlung männlicher Unfruchtbarkeit

21.07.2011
DFG fördert Fortpflanzungs-Forschung „Germ Cell Potential“ weitere drei Jahre

Künstliche Befruchtung – von der Keimzelle bis hin zur Geburt – steht im Mittelpunkt der Arbeit der deutschen Forschergruppe „Germ Cell Potential“. Seit drei Jahren untersuchen die beteiligten Naturwissenschaftler und Mediziner mit Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) den Komplex zwischen Fortpflanzung, Unfruchtbarkeit und assistierten Reproduktionstechniken. Jetzt hat die DFG der Forschergruppe für weitere drei Jahre insgesamt 4,8 Millionen Euro bewilligt, um ihre Arbeit, die Reproduktionsmedizin und Stammzellforschung kombiniert, fortzusetzen und auszuweiten.

„Die Forschergruppe FOR 1041, wie sie bei der DFG genannt wird, ist ein Netzwerk, in dem führende Andrologen, Reproduktionsbiologen und Reproduktionsmediziner, Stammzellforscher, Humangenetiker sowie Gynäkologen in sechs Städten zusammenarbeiten. Die Universität Münster bildet den Schwerpunkt, denn die Hälfte der insgesamt zwölf Teilprojekte ist hier lokalisiert - am Institut für Humangenetik, am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin und am CeRA, dem Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums“, sagt Prof. Dr. Sabine Kliesch, Chefärztin des CeRA.

Als Andrologin und Urologin sowie in ihrer Funktion als Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) unterstreicht sie besonders die Erwartungen, die bezüglich der männlichen Infertilität auf der Arbeit der Forschergruppe „Germ Cell Potential“ ruhen – neue Ansätze für die Behandlung. Bisher konnten die Forscher herausfinden, dass männliche Unfruchtbarkeit stark mit epigenetischen Veränderungen korreliert – also mit Zelleigenschaften, die nicht über die DNA vererbt wurden, sondern aus einer Modifikation der DNA resultieren.

Schon heute werden zwei bis drei Prozent der Kinder in Deutschland durch künstliche Befruchtung gezeugt. Tendenz steigend. Aber ebenso wie die Ursachen der Unfruchtbarkeit noch nicht umfassend geklärt sind, sind auch die Methoden der künstlichen Befruchtung, die seit 30 Jahren verwendet werden, wissenschaftlich kaum untersucht, sagt der Sprecher der Forschergruppe „FOR 1041“, Prof. Dr. Jörg Gromoll vom CeRA. Und: „Die möglichen Risiken der derzeit angewendeten Techniken oder Behandlungen für die geborenen Kinder und für die behandelten Paare sind derzeit nicht genau bekannt.“ Die meisten Erkenntnisse beruhten nur auf beschreibenden Studien. Nach Prof. Gromolls Ansicht liegt die Hauptursache für die Zunahme künstlicher Befruchtungen darin, dass hierzulande der Kinderwunsch zeitlich immer weiter in der Lebensplanung nach hinten rückt, und gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, dass es auf natürlichem Wege zur Schwangerschaft kommt, mit steigendem Alter deutlich sinkt.

Die Teilprojekte der Forschergruppe „Germ Cell Potential“ decken ein breites Feld ab: "Wir suchen nach den genetischen Ursachen der Infertilität, wollen die Qualitätsmerkmale von Eizellen näher bestimmen und – wie der Titel der Gruppe sagt – auch das Potenzial von Stammzellen erforschen. Dabei geht es etwa um die Frage, ob solche Stammzellen aus dem Hoden des Mannes als Reserve für die Spermienbildung nutzbar sind. Aber auch die Entstehung von Eizellen aus embryonalen Stammzellen ist ein wesentlicher Forschungsgegenstand. Zudem läuft eine Studie, in der mögliche Folgen der verschiedenen Methoden einer künstlichen Befruchtung klinisch untersucht werden", erklärt Prof. Kliesch.

Der multidisziplinäre Ansatz der Forschung mit Schwerpunkt in Münster sowie die praktizierte Verzahnung von Forschung und Praxis werden nach Einschätzung von Prof. Kliesch Grundlagen für neue Ansätze zur Behandlung von Infertilität liefern.

Weitere Informationen:
DGU-Pressesprecherin
Prof. Dr. med. Sabine Kliesch
Chefärztin Klinische Andrologie
Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie
Head Clinical Andrology
Centre for Reproductive Medicine and Andrology
WHO Collaborating Center
EAA Training Center
University Clinic Münster
Albert-Schweitzer-Campus 1
Gebäude Domagkstraße 11
48149 Münster
Phone +49-251-8356097
oder
DGU-Pressestelle
Bettina-Cathrin Wahlers
Sabine Martina Glimm
Stremelkamp 17 

21149 Hamburg
Tel: 040 - 79 14 05 60
Mobil: 0170 - 48 27 28 7
E-Mail: redaktion@bettina-wahlers.de

Bettina-Cathrin Wahlers | idw
Weitere Informationen:
http://www.germ-cell-potential.de
http://www.urologenportal.de

Weitere Berichte zu: Befruchtung CeRA DFG DNA Eizelle Reproduktionsmedizin Stammzelle Unfruchtbarkeit Urologe cell death

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics