Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Urologen aktiv gegen Krankenhausinfektionen und multiresistente Bakterien

25.06.2013
Horrormeldungen über Patienten, die in der Klinik aufgrund von Krankenhausinfektionen noch kränker werden, immer mehr Krankheitserreger, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken: Wie ernst ist die Situation?

Immerhin wird aktuell für einen der häufigsten Erreger in deutschen Krankenhäusern, den Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA), vom Robert-Koch-Institut ein leichter Rückgang verzeichnet. Sind urologische Patienten besonders gefährdet? Was tun Urologen in Klinik und Praxis gegen Krankenhauskeime und multiresistente Erreger? Auf dem 65. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) vom 25. bis 28. September 2013 in Dresden gibt es Antworten.

„Krankenhausinfektionen und multiresistente Keime sind ernste Probleme. An den Bemühungen sie einzugrenzen, wirken wir Urologen in Studien und mithilfe neuer Leitlinien schon lange mit. Als Fach, in dem offen operiert wird, in dem Interventionen per Katheter an der Tagesordnung sind und in dem Krebs auch klassisch, das heißt mit allen Konsequenzen für das Immunsystem des Patienten, therapiert wird, existieren grundsätzlich Infektionsrisiken. In unseren Kliniken wird inzwischen sehr viel getan, um diese Risiken nicht zusätzlich durch den dortigen Aufenthalt zu erhöhen. Wichtigster Faktor ist dabei die Hygiene. Hygienepläne, Schulung des Personals und die Einhaltung der Hygieneverordnungen sind bei uns Standard. Zur nachhaltigen Problemlösung aber sind interdisziplinäre Maßnahmenbündel notwendig“, so DGU- und Kongresspräsident Prof. Dr. Michael Stöckle.

Die im Krankenhaus erworbenen Infektionen, auch Nosokomialinfektionen genannt, werden überwiegend durch Bakterien, seltener durch Viren ausgelöst und sorgen häufig für Komplikationen. Erschwert wird die Behandlung dadurch, dass zunehmend mehr Bakterien Resistenzen gegen eine oder mehrere Antibiotika-Gruppen entwickelt haben. „Multiresistente Erreger (MRE) machen zwar nicht kränker als in der Variante ohne Multiresistenz, sie reduzieren jedoch die Behandlungsmöglichkeiten erheblich“, sagt Prof. Dr. Mathias Herrmann. Der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums des Saarlandes in Homburg sieht in der unkritischen Verabreichung von Antibiotika – auch in der fleischproduzierenden Tierzucht - eine wesentliche Ursache für die Bildung von Resistenzen.

„Bei jährlich etwa 20 Millionen stationären Aufnahmen in Deutschland gehen wir von rund einer halben Million Krankenhausinfektionen aus, die in bis zu 15.000 Fällen mit dem Tod des Patienten enden. Diese Zahlen sind jedoch zu relativieren, da viele Patienten die Erreger bereits mitbringen beziehungsweise sie zum inhärenten Risiko der Grunderkrankung des Patienten gehören“, so Prof. Dr. Herrmann. Wie viele dieser Infektionen sich verhindern ließen, sei zurzeit unklar: manche Experten schätzten bis zu ein Drittel.

Der Großteil der sogenannten Krankenhausinfektionen ist nach Ansicht des Mikrobiologen jedoch nicht vermeidbar. „Jede Harnröhre zum Beispiel ist mit allen möglichen Erregern besiedelt, und wenn ein Katheter in die Harnröhre eingeführt wird, können sie daran entlang in die Blase oder gar bis in die Nieren aufsteigen und für Infektionen sorgen“, erläutert Prof. Dr. Herrmann. Besonders gefährdet für Krankenhausinfektionen seien neben Menschen mit geschwächtem Immunsystem insbesondere Patienten, die frisch operiert worden sind, künstlich beatmet werden müssen oder bei denen Katheter in den Harnwegen oder einem Blutgefäß zum Einsatz kommen. Das Infektionsrisiko sei aber nicht auf Krankenhäuser beschränkt, sondern bestehe generell auch dort, wo ambulant operiert werde, sowie in Pflege- und Dialyseeinrichtungen und auch in Arztpraxen. Allerdings ist die Dichte von Krankenhauserregern dort nach Einschätzung des Experten wahrscheinlich niedriger als in Kliniken. Exakte Daten lägen dazu noch nicht vor.

Wie alle Fächer hat auch die Urologie laut Prof. Dr. Herrmann ihre charakteristischen Problemkeime: „Das ist durch die natürliche Besiedlung der Schleimhaut im Bereich der Harnröhrenmündung und ihre anatomische Nähe zum After begründet.“ So seien etwa Blasenentzündungen fast immer durch Bakterien aus der Darmflora verursacht. Ein außergewöhnliches Risiko für Krankenhausinfektionen gebe es in der Urologie aber nicht.

Während der Anteil nosokomialer Infektionen mit multiresistenten Erregern, insbesondere MRSA, in Deutschland mehr als 20 Prozent beträgt, liegt er in den Niederlanden unter fünf Prozent. Dafür haben in Holland vor allem ein generelles MRSA-Screening vor jeder stationären Aufnahme sowie die strenge Isolierung aller Verdachtsfälle gesorgt. Ein flächendeckendes Screening auf diesen auch außerhalb von Gesundheitseinrichtungen weit verbreiteten Erreger, der für gesunde Menschen keine Gefahr darstellt, bei Immungeschwächten indes zahlreiche Erkrankungen von Hautentzündungen bis zu lebensbedrohlichen Lungenentzündungen und Blutvergiftungen auslösen kann, gibt es in Deutschland nicht. Prof. Dr. Herrmann wird auf dem Dresdener Kongress-Forum „Bakterielle Multiresistenz: Die Herausforderung der Zukunft?“ dazu von den Ergebnissen eines landesweiten Testlaufs im Saarland berichten.

Patienten, die sich über die Hygienequalität einzelner Kliniken informieren wollen, empfiehlt der Infektionsarzt direkt nachzufragen: nach Hygieneplänen, entsprechendem Fachpersonal und der Hygiene-Infrastruktur. Angaben über Infektions- oder MRSA-Raten seien dagegen wenig hilfreich, da schon die Erfassung der Daten nicht einheitlich definiert sei.

Medienvertreter erwartet in der Messe Dresden ein voll ausgestattetes Presszentrum. Die Eröffnungs-Pressekonferenz findet am Donnerstag, dem 26. September 2013, 15:00 bis 16:30 Uhr statt. Ein Pressegespräch mit DGU- und Kongresspräsident Prof. Dr. Michael Stöckle ist für den 27. September, 12:00 bis 13:00 Uhr geplant. Akkreditierungen sind bereits jetzt unter www.dgu-kongress.de/index.php?id=317 möglich.

Weitere Informationen:

http://www.dgu-kongress.de/index.php?id=317
(Kongress-Akkreditierung für Medienvertreter)
http://www.urologenportal.de
http://www.dgu-kongress.de

Bettina-Cathrin Wahlers | idw
Weitere Informationen:
http://www.urologenportal.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen