Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unterzucker bei Diabetes – alte Menschen erkennen die Symptome oft nicht

18.10.2012
An Diabetes sind in Deutschland etwa sechs Millionen Menschen erkrankt. In der Altersgruppe der 75- bis 80-Jährigen ist jeder Dritte bis Vierte betroffen.
Alte Patienten sind besonders gefährdet, eine Unterzuckerung zu erleiden, weil sie die Symptome einer Hypoglykämie häufig falsch deuten. Mit ernsten Folgen: Sinkt der Blutzuckerspiegel bei ihnen stark ab, steigt die Sturzgefahr. Zudem drohen Schlaganfall und Herzinfarkt. Welche besonderen Aspekte bei der Behandlung alter Diabetespatienten berücksichtigt werden müssen, diskutieren Experten auf der Pressekonferenz der 6. Diabetes Herbsttagung vom 16. bis 17. November 2012 im ICC Berlin.

Besonders gefährlich ist für Senioren die Hypoglykämie, umgangssprachlich Unterzuckerung genannt. Nach Ergebnissen der Live-Geri-Studie, in der Daten aus 32 ambulanten und 40 stationären Pflegeeinrichtungen ausgewertet wurden, kommt diese recht häufig vor: 6,2 Prozent der Senioren hatten eine schwere Hypoglykämie. „Die Betroffenen fühlen sich dann hilflos, können leicht stürzen und sind akut gefährdet, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden“, erläutert Dr. med. Ann-Kathrin Meyer, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Geriatrie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und Chefärztin der Abteilung für Geriatrie an der Asklepios Klinik Wandsbek, Hamburg. „Typische Warnzeichen der Unterzuckerung wie Zittern oder Schwindel bringen sie oft nicht mit dem Diabetes in Verbindung, sondern schieben sie auf ihr Alter oder andere Erkrankungen.“ Über diese Symptome sollte der behandelnde Arzt unbedingt aufklären.
Bei alten Menschen ist es besonders wichtig, die Hypoglykämie zu verhindern. Was bei Jüngeren in der Diabetestherapie gut funktioniert, ist für ältere Menschen zum Teil nicht geeignet. Alten Menschen beispielsweise zur Behandlung des Diabetes mehr Bewegung zu empfehlen, ist in der Praxis häufig nicht zielführend. Manche Patienten sind durch eine Hüft- oder Knie-Arthrose stark eingeschränkt. Auch in Jahrzehnten gefestigte Ernährungsgewohnheiten können nur begrenzt beeinflusst werden. „Deshalb sollte die Therapie in erster Linie bei der Gabe der Medikamente ansetzen und auf die optimale Einstellung des Blutzuckers abzielen“, betont Meyer. Bei alten Menschen müssten verschiedene Aspekte berücksichtigt werden, ergänzt die Expertin. Haben sie mehrere Krankheiten und müssen eine Vielzahl von Medikamenten einnehmen, müssen mögliche Wechselwirkungen bedacht werden. Bei jedem Arztbesuch sollte der Patient daher eine komplette Liste seiner Medikament mitbringen und mit dem Arzt darüber sprechen.

Die medikamentöse Diabetestherapie muss individualisiert, möglichst einfach und praxistauglich sein. Nüchtern sollte der Blutzucker Werte zwischen 120 und 180 mg/dl aufweisen. Zum Vergleich: Das für Jüngere gültige Ziel für den Nüchtern-Blutzucker liegt bei 60 – 100 mg/dl, 140 mg/dl zwei Stunden nach einer Mahlzeit. Der Langzeitwert, auch HbA1c-Wert genannt, sollte bei Senioren um 7 bis maximal 8 Prozent betragen und ist damit ebenfalls deutlich höher als die pauschale Empfehlung eines Wertes von
Alte Menschen mit Diabetes zu behandeln, erfordert ein dauerhaft auslotendes Vorgehen. Dr. Meyers Therapie-Motto bei der Dosisfindung der Medikamente orientiert sich an dem geriatrischen Grundsatz: “Start low, but go and go for enough.“ Niedrig beginnen, langsam steigern bis zu dem Punkt, an dem die optimale Dosis gefunden wird. Mit diesem Therapieverfahren lassen sich, so die Expertin, die meisten Komplikationen vermeiden beziehungsweise rechtzeitig erkennen.

Terminhinweis:

Pressekonferenz der DDG im Rahmen der 6. Herbsttagung
Termin: Freitag, 16. November 2012, 12.30 bis 13.30 Uhr
Ort: Raum 43 im ICC Berlin

Vorläufiges Programm:

Neues DDG Zertifikat: Wie Kliniken sich auf die „Nebendiagnose Diabetes“ spezialisieren können
Professor Dr. med. Stephan Matthaei
Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), Chefarzt des Diabetes-Zentrums am Christlichen Krankenhaus Quakenbrück (CKQ)

Programm-Highlights der Diabetes Herbsttagung: Neues aus der Forschung für die Praxis
Professor Dr. med. habil. Peter Schwarz
Tagungspräsident, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Diabetes bei geriatrischen Patienten: Was ist anders, was ist schwierig?
Dr. med. Ann-Kathrin Meyer
Chefärztin der Abteilung Geriatrie Asklepios Klinik Wandsbek, Hamburg, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Geriatrie der DDG

Individualisierte Diabetesprävention und Therapie: Wie können neue Studienergebnisse helfen?
Professor Dr. med. Dr. h. c. Hans-Ulrich Häring, Mitglied des Vorstands des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München

Personalisierte Medizin: Wie bringt man Menschen mit Diabetes in Bewegung?
Univ.-Professorin Dr. Petra Wagner
Direktorin des Instituts für Gesundheitssport und Public Health, Leipzig

Zuckerkrank und Autofahren: Was tun, wenn der Blutzuckerspiegel absinkt?
Dr. med. Hermann Finck, Niedergelassener Diabetologe, Schenklengsfeld, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses Soziales der DDG
Kontakt für Journalisten:
Dagmar Arnold, Corinna Spirgat
Kongress-Pressestelle DDG 2012
Pf 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-380 oder - 293, Fax: 0711 8931-167
arnold@medizinkommunikation.org

Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.herbsttagung-ddg.de
http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie