Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Unterdruck und Einträuflung von Medikamenten gefährliche Infektionen bekämpfen

21.11.2008
Bei einem Symposium in der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg berichten Wissenschaftler über Erfahrungen mit einem innovativen Konzept

Wie können gefährlichen Infektionen von inneren Wunden und Implantaten erfolgreich behandelt werden? Erstmals treffen sich rund 180 Experten am Freitag, 21. November 2008, zu einem internationalen Symposium in der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg, um das innovative Konzept der so genannten Instillationstherapie zu diskutieren.

Mit Instillation wird die Sanierung infizierter Wunden in Körperhöhlen und von infizierten Implantaten bezeichnet. Dabei werden Arzneimittel, z.B. antiseptische Lösungen oder Antibiotika, in infizierte Weichteil- oder Körperhöhlen intermittierend mit Unterdruck eingeleitet. "Insbesondere aus der Orthopädie und Unfallchirurgie ist die Instillationstechnik nicht mehr wegzudenken", betonte der wissenschaftliche Leiter des Symposiums, Dr. Burkhard Lehner, Leiter der Sektion Orthopädische Onkologie und Septische Chirurgie an der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg.

Heilungsprozess wird beschleunigt

Vor zwei Jahren wurde in Deutschland das VAC Instill System eingeführt, das einen kontrolliert, örtlichen begrenzten negativen Druck erzeugt und dadurch den Heilungsprozess in akuten und chronischen Wunden beschleunigt und gleichzeitig die Zuführung von Medikamenten erlaubt. Mittlerweile kann die Instillationstherapie als etabliertes Konzept gelten.

Die breite Anwendung und Akzeptanz wird durch den namhaften Referentenkreis beim Heidelberger Symposium belegt, der aus verschiedenen Fachdisziplinen wie Gefäßchirurgie, Plastische Chirurgie, Dermatologie, Chirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie stammt und die Erfahrungen mit dem Konzept vorträgt. Erfolgreich angewendet wird diese moderne Technik vor allem zur Behandlung von bakteriellen Infekten bei einliegendem Fremdmaterial wie Gelenkprothesen oder Metallplatten bei Frakturen.

Austausch von künstlichen Gelenken kann vermieden werden

So wird bei einem Infekt, der schon früh nach Implantation eines Knie- oder Hüftgelenks entstanden ist, nach chirurgischer Wundreinigung ein großflächiger Polyvinylschaum in die Wunde bzw. den Gelenkraum eingebracht und eine antiseptische Lösung über den Polyvinylschaum intermittierend in die Wunde gegeben. Diese wird kontinuierlich gespült, so dass bei einer Infektion die Keime abgetötet oder zumindest reduziert werden. Durch den Sog an dem in der Wunde einliegenden Schwamm wird ein Unterdruck erzeugt. Dadurch bildet sich Granulationsgewebe und die Wunde verkleinert sich. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit der Wundheilung. Für die Patienten bedeutet das eine große Entlastung, da die Implantate nicht ausgewechselt werden müssen, wie vor Einführung der Installationstherapie üblich, was mit erhöhtem Verlust an Knochensubstanz und aufwändigen Operationen verbunden ist.

Die Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg hat sich auf die Behandlung infizierter Gelenkprothesen spezialisiert und setzt das Instill-Verfahren zur Behandlung früher Infekte von infizierten Gelenkprothesen in ihrer septischen Abteilung umfangreich und erfolgreich ein.

Neue Einsatzmöglichkeiten für Instill-Verfahren?

Auf dem Symposium werden nun auch andere Fachbereiche ihre Erfahrungen und Einsatzmöglichkeiten des neuen Behandlungsverfahren schildern. Besonderes Augenmerk legt Dr. Lehner auf einen intensiven Gedankenaustausch. Es geht um die Auslotung, welche Chancen die Instillationstechnik möglicherweise auch bei anderen Indikationen bieten könnte.

Programm und Flyer im Internet (als PDF):
www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/pressestelle/pdf/vac_symposium_211108.pdf
Webseite der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg:
www.orthopaedie.uni-hd.de
Kontakt:
Dr. Burkhard Lehner
Oberarzt
Sektionsleiter Orthopädische Onkologie und
Septische Orthopädische Chirurgie
Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg
Schlierbacher Landstr. 200a, 69118 Heidelberg
Tel.: 06221 / 966308, Fax: 06221 / 966386
E-Mail: burkhard.lehner@ok.uni-heidelberg.de
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neurorehabilitation nach Schlaganfall: Innovative Therapieansätze nutzen Plastizität des Gehirns
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

nachricht Die Parkinson-Krankheit verstehen – und stoppen: aktuelle Fortschritte
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste lichtgetriebene Stromquelle der Welt

Die Stromregelung ist eine der wichtigsten Komponenten moderner Elektronik, denn über schnell angesteuerte Elektronenströme werden Daten und Signale übertragen. Die Ansprüche an die Schnelligkeit der Datenübertragung wachsen dabei beständig. In eine ganz neue Dimension der schnellen Stromregelung sind nun Wissenschaftler der Lehrstühle für Laserphysik und Angewandte Physik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) vorgedrungen. Ihnen ist es gelungen, im „Wundermaterial“ Graphen Elektronenströme innerhalb von einer Femtosekunde in die gewünschte Richtung zu lenken – eine Femtosekunde entspricht dabei dem millionsten Teil einer milliardstel Sekunde.

Der Trick: die Elektronen werden von einer einzigen Schwingung eines Lichtpulses angetrieben. Damit können sie den Vorgang um mehr als das Tausendfache im...

Im Focus: The fastest light-driven current source

Controlling electronic current is essential to modern electronics, as data and signals are transferred by streams of electrons which are controlled at high speed. Demands on transmission speeds are also increasing as technology develops. Scientists from the Chair of Laser Physics and the Chair of Applied Physics at Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) have succeeded in switching on a current with a desired direction in graphene using a single laser pulse within a femtosecond ¬¬ – a femtosecond corresponds to the millionth part of a billionth of a second. This is more than a thousand times faster compared to the most efficient transistors today.

Graphene is up to the job

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Im Spannungsfeld von Biologie und Modellierung

26.09.2017 | Veranstaltungen

Archaeopteryx, Klimawandel und Zugvögel: Deutsche Ornithologen-Gesellschaft tagt an der Uni Halle

26.09.2017 | Veranstaltungen

Unsere Arbeitswelt von morgen – Polarisierendes Thema beim 7. Unternehmertag der HNEE

26.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Europas erste Testumgebung für selbstfahrende Züge entsteht im Burgenland

26.09.2017 | Verkehr Logistik

Nerven steuern die Bakterienbesiedlung des Körpers

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit künstlicher Intelligenz zum chemischen Fingerabdruck

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie