Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Uni Stuttgart an EU-Projekt zur Prävention von Diabetes Typ 2 beteiligt

10.01.2013
Wie viel Aktivität und welche Ernährung bremst den Zucker?

Diabetes vom Typ 2, einst als Alterszucker benannt, ist weltweit auf dem Vormarsch und betrifft heute schon Kinder und Jugendliche. Hauptursache für die dramatische Zunahme der folgenschweren Erkrankung ist Übergewicht. Fett- und zuckerreiche Ernährung sowie Bewegungsmangel tragen dazu entscheidend bei.

Gerade im Frühstadium des sich entwickelnden Diabetes wissen viele nichts von ihrem Erkrankungsrisiko, der Stoffwechselzustand wird oft zufällig im Rahmen von Routineuntersuchungen diagnostiziert. Dass Diabetes bei dieser Gruppe der Prädiabetiker erst gar nicht zum Ausbruch kommt, ist das Ziel des Europäischen Verbundforschungsprojekts „PREVIEW“, an dem auch der Lehrstuhl für Sport und Gesundheitswissenschaften der Universität Stuttgart beteiligt ist.

Die Stuttgarter Wissenschaftler um Prof. Wolfgang Schlicht untersuchen gemeinsam mit ihren Partnern, wie intensiv eine regelmäßige körperliche Aktivität sein muss und welche Ernährung hilft, ein Entgleisen des Stoffwechsels zu verhindern.

Alleine in Deutschland erwarten Experten in den kommenden Jahrzehnten einen Anstieg an Diabetikern von heute neun auf 12 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Die Folgen für die Patienten sind gravierend. Zu den massiven Beschwerden kommen ernsthafte Begleiterkrankungen des Herzens, der Nieren, der Augen, Venenverschlüsse in den Gliedmaßen bis hin zu Behinderungen oder vorzeitigem Tod. Auch die volkswirtschaftlichen Kosten sind beträchtlich; die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beziffert sie auf bis zu 15 Prozent der jährlichen nationalen Gesundheitsausgaben.

Besonders diabetes-gefährdet sind Menschen mit Übergewicht und Körperfett um den Bauchraum. In Deutschland betrifft dies fast die Hälfte der Erwachsenen. Etwa 15 bis 20 Prozent gelten sogar krankhaft übergewichtig oder fettleibig. Damit aus diesen Risikoträgern keine echten Diabetespatienten werden, zielt „Prevention of Diabetes through lifestyle Intervention and population studies in Europe and around the World (PREVIEW) darauf ab, jene Inhalte der Ernährung und der körperlichen Aktivität zu identifizieren, die bei prädiabetischen Personen den Ausbruch des Diabetes verhindern und die Betroffenen dauerhaft zu einer Änderung ihres Ernährungs- und Bewegungsverhaltens zu motivieren. Hinter dem Projekt steht ein Konsortium von 15 Partnern aus elf Nationen. Es wird von der Europäischen Union im Rahmen des 7. Forschungsrahmenprogramms mit insgesamt neun Millionen Euro gefördert; nach Stuttgart fließen rund 600.000 Euro.

„Es muss schon anstrengend sein“

An der Uni Stuttgart konzentriert sich Prof. Wolfgang Schlicht, der dem Steuerungskomitee von PREVIEW angehört, gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen Dr. Daniela Kahlert und Annelie Reicherz zum einen auf die inhaltliche Gestaltung der körperlichen Aktivität. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass intensives Training die Insulinsensitivität der Muskelzellen steigert. Eine „gesunde“ Muskelzelle reagiert bereits auf eine geringe Dosis Insulin und schont die Bauchspeicheldrüse, die so länger „arbeitsfähig“ bleibt. Bei Übergewicht nimmt die Sensitivität ab. Welche Aktivität die Betroffenen wählen, ist im Grunde gleichgültig - entscheidend sind die richtige Intensität und die Dauer. Für Prädiabetiker „muss es schon anstrengend sein“, vermuten die Stuttgarter. Wirksamer für die Verhinderung des Diabetes-Ausbruchs sei bei dieser Gruppe vermutlich, mindestens 75 Minuten Ballsport oder schnelles Joggen pro Woche zu betreiben, statt (mindestens) 150 Minuten pro Woche flott spazieren zu gehen.

Zum zweiten untersuchen die Stuttgarter Wissenschaftler die sozialstrukturellen und psychologischen Einflüsse auf das Verhalten und das Krankheitsgeschehen. Alter, Geschlecht, Berufsstatus, kulturelle Einflüsse oder auch chronischer Stress und Schlafverhalten scheinen die Entwicklung der Erkrankung und der Verhaltensänderung zu beeinflussen. Schließlich schulen die Stuttgarter an acht Zentren weltweit, wie es gelingen kann, Prädiabetiker zu einer Änderung ihres Ess- und Aktivitätsverhaltens zu motivieren. „Um eine abschließende Bewertung der Daten vornehmen zu können, besteht die eigentliche Herausforderung darin, dass die Betroffenen das geänderte Verhalten fünf Jahre lang, bis zum Ende der Studie, durchhalten“, so Schlicht.

Für das Projekt wählen die PREVIEW-Partner ein weltweit abgestimmtes Forschungsdesign: Es besteht zum einen aus einer experimentellen Studie an acht Standorten weltweit mit insgesamt 2.500 Prädiabetikern (Kinder, Jugendliche und Erwachsene) sowie zum anderen aus einer Kohortenstudie mit insgesamt 170.000 Personen aller Altersgruppen aus den Niederlanden, Finnland, Neuseeland und Kanada. Die Studien starten im Herbst 2013. Mit dem ersten Messzeitpunkt werden bereits Daten zeigen, ob sich bei Prä-Diabetikern Personen- und Sozialmerkmale finden lassen, die den Diabetes wahrscheinlicher machen.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Wolfgang Schlicht, Universität Stuttgart, Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft, Tel. +49.711.685.63291, E-Mail wolfgang.schlicht[at]inspo.uni-stuttgart.de

Andrea Mayer-Grenu | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-stuttgart.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Auf dem Weg zur Medikamententherapie durch die Haut?
22.05.2015 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Zöliakie bei Typ 1 Diabetes schädigt Blutgefäße schneller
21.05.2015 | Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kieler Forschende bauen die kleinsten Maschinen der Welt

Die DFG stellt Millionenförderung für die Entwicklung neuartiger Medikamente und Materialien an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) bereit.

Großer Jubel an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU): Wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) heute (Donnerstag, 21. Mai) bekannt gab,...

Im Focus: Basler Physiker entwickeln Methode zur effizienten Signalübertragung aus Nanobauteilen

Physiker haben eine innovative Methode entwickelt, die den effizienten Einsatz von Nanobauteilen in elektronische Schaltkreisen ermöglichen könnte. Sie entwickelten dazu eine Anordnung, bei der ein Nanobauteil mit zwei elektrischen Leitern verbunden ist. Diese bewirken eine hocheffiziente Auskopplung des elektrischen Signals. Die Wissenschaftler vom Departement Physik und dem Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel haben ihre Ergebnisse zusammen mit Kollegen der ETH Zürich in der Fachzeitschrift «Nature Communications» publiziert.

Elektronische Bauteile werden immer kleiner. In Forschungslabors werden bereits Bauelemente von wenigen Nanometern hergestellt, was ungefähr der Grösse von...

Im Focus: Basel Physicists Develop Efficient Method of Signal Transmission from Nanocomponents

Physicists have developed an innovative method that could enable the efficient use of nanocomponents in electronic circuits. To achieve this, they have developed a layout in which a nanocomponent is connected to two electrical conductors, which uncouple the electrical signal in a highly efficient manner. The scientists at the Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel have published their results in the scientific journal “Nature Communications” together with their colleagues from ETH Zurich.

Electronic components are becoming smaller and smaller. Components measuring just a few nanometers – the size of around ten atoms – are already being produced...

Im Focus: Phagen übertragen Antibiotikaresistenzen auf Bakterien – Nachweis auf Geflügelfleisch

Bakterien entwickeln immer häufiger Resistenzen gegenüber Antibiotika. Es gibt unterschiedliche Erklärungen dafür, wie diese Resistenzen in die Bakterien gelangen. Forschende der Vetmeduni Vienna fanden sogenannte Phagen auf Geflügelfleisch, die Antibiotikaresistenzen auf Bakterien übertragen können. Phagen sind Viren, die ausschließlich Bakterien infizieren können. Für Menschen sind sie unschädlich. Phagen könnten laut Studie jedoch zur Verbreitung von Antibiotikaresistenzen beitragen. Die Erkenntnisse sind nicht nur für die Lebensmittelproduktion sondern auch für die Medizin von Bedeutung. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Applied and Environmental Microbiology veröffentlicht.

Antibiotikaresistente Bakterien stellen weltweit ein bedeutendes Gesundheitsrisiko dar. Gängige Antibiotika sind bei der Behandlung von Infektionskrankheiten...

Im Focus: Die schreckliche Schönheit der Medusa

Astronomen haben mit dem Very Large Telescope der ESO in Chile das bisher detailgetreueste Bild vom Medusa-Nebel eingefangen, das je aufgenommen wurde. Als der Stern im Herzen dieses Nebels altersschwach wurde, hat er seine äußeren Schichten abgestoßen, aus denen sich diese farbenfrohe Wolke bildete. Das Bild lässt erahnen, welches endgültige Schicksal die Sonne einmal ereilen wird: Irgendwann wird aus ihr ebenfalls ein Objekt dieser Art werden.

Dieser wunderschöne Planetarische Nebel ist nach einer schrecklichen Kreatur aus der griechischen Mythologie benannt – der Gorgone Medusa. Er trägt auch die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

TU Darmstadt: Gipfel der Verschlüsselung - CROSSING-Konferenz am 1. und 2. Juni in Darmstadt

22.05.2015 | Veranstaltungen

Internationale neurowissenschaftliche Tagung

22.05.2015 | Veranstaltungen

Biokohle-Forscher tagen in Potsdam

21.05.2015 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nanogefäß mit einer Perle aus Gold

22.05.2015 | Biowissenschaften Chemie

Ferngesteuerte Mikroschwimmer: Jülicher Physiker simulieren Bewegungen von Bakterien an Oberflächen

22.05.2015 | Physik Astronomie

Was Chromosomen im Innersten zusammenhält

22.05.2015 | Biowissenschaften Chemie