Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Uni-Klinikum setzt auf EDV-gestützte Ersteinschätzung von Notfallpatienten

29.01.2010
Die Versorgung von Notfallpatienten darf nicht in der Reihenfolge ihres Eintreffens erfolgen, sondern nach Art und Schwere ihrer Erkrankung.

Die Ersteinschätzung erfolgt durch speziell geschulte Pflegekräfte, die dabei vom Computer unterstützt werden. Das Universitätsklinikum Bonn hat als erste Klinik in Deutschland diese Ersteinschätzung von Notfallpatienten in ihr zentrales Krankenhausinformationssystem integriert. Ein Video-Podcast erklärt jetzt, wie dieses EDV-gestützte System funktioniert und wie sich damit die Wartezeiten reduzieren lassen. Der Podcast ist auf dem Videoportal http://www.uni-bonn.tv abrufbar.

Ein kurzer Blick auf einen der beiden großen Übersichtsmonitore genügt: Dr. Ingo Gräff, Ärztlicher Leiter des Interdisziplinären Notfallzentrums auf dem Venusberg, hat anhand der laufend aktualisierten Tagesliste sofort einen genauen Überblick. Er weiß, welche Notfallpatienten gerade in Behandlung sind und wer mit welcher Dringlichkeit auf den entsprechenden Facharzt wartet. Ziel der EDV-basierten Ersteinschätzung ist es, auch bei einem hohen Andrang im Bonner Notfallzentrum Schwerkranke schnell zu erkennen und für einen zügigen Ablauf zu sorgen.

Von den Rettungsdiensten eingelieferte Patienten kommen direkt in einen Schockraum und werden von Ärzten sofort behandelt. Alle anderen Notfallpatienten werden gleich nach ihrem Eintreffen von einer speziell dafür ausgebildeten Pflegekraft untersucht. "Dabei entscheidet sie nach genau festgelegten und objektiven Kriterien", betont Gräff. Je nach den Symptomen werden sofort Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstoffgehalt im Blut, Atemfrequenz, Blutzuckerwert und Temperatur bestimmt. Parallel zur Aufnahme ordnen die Pflegekräfte mit Hilfe von standardisierten Handlungsvorschriften am Computer jeden Notfallpatienten innerhalb von maximal anderthalb Minuten nach einem international anerkannten Verfahren in fünf Dringlichkeitskategorien ein - rot bedeutet dabei beispielsweise "sofort". Kriterien wie Schmerzen, Ansprechbarkeit oder Fieber sind dabei wesentliche Richtschnüre. Der zuständige Facharzt wird direkt informiert. Patienten mit weniger dringlichen Erkrankungen nehmen nach Erstversorgung durch die Pflegekraft im Wartebereich Platz.

Wartezeit im Mittel halbiert

"Bei der Ersteinschätzung legen wir genau fest, bis wann ein Arzt bei dem Patient gewesen sein muss", sagt Gräff. Der Computer, der alle Daten gespeichert hat und immer auf dem neuesten Stand ist, koordiniert dabei den Patientenfluss und sorgt für einen möglichst reibungslosen Ablauf. Kommt ein Patient früher dran als ein anderer, so hat er entweder eine schnellere Hilfe nötig, oder er braucht die Hilfe einer anderen der 14 im Bonner Notfallzentrum angesiedelten Fachrichtungen. "Das erklärt die manchmal für den Wartenden nicht schlüssige Reihenfolge. Doch mit Hilfe der neuen EDV-gestützten Ersteinschätzung konnten wir die Wartezeiten für unsere Patienten bereits deutlich reduzieren", sagt Gräff. "Wir wollen allen unseren etwa 25.000 Patienten pro Jahr eine zügige Behandlung gewährleisten."

Neben einer sicheren Ersteinschätzung und reduzierten Wartezeiten bringt das EDV-gestützte System noch weitere Vorteile mit sich, weiß Alfred Dahmen vom Prozessmanagement des Universitätsklinikums Bonn: "Die Ersteinschätzung geht nahtlos in die symptomspezifischen Behandlungskataloge, die so genannten klinischen Pfade, über. Zudem stehen die bereits gespeicherten Daten des Patienten dem behandelnden Arzt auch später auf der Station direkt zur Verfügung." Zusammen mit Gräff hat er über drei Monate an diesem EDV-basierten System getüftelt. Das Team dieses Projektes gewann dafür den 2.Platz beim RFH-Hospital-Innovations-Preis 2009. Das System hält auch noch zukünftige Optionen offen. So sollen demnächst an den beiden Übersichtmonitoren direkt Röntgenbilder abrufbar sein. Auch soll ein Licht blinken, wenn beispielsweise wichtige Laborbefunde oder das benötigte Bett auf der Intensivstation für den Notfallpatienten zur Verfügung stehen.

Kontakt für die Medien:
Dr. Ingo Gräff
Ärztlicher Koordinator des Notfallzentrums Bonn
Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-12000
E-Mail: ingo.graeff@ukb.uni-bonn.de

Dr. Inka Väth | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz im Kampf gegen Prostatakrebs entdeckt
24.05.2018 | Universität Bern

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Was einen guten Katalysator ausmacht

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Superkondensatoren aus Holzbestandteilen

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Schaltschrank-Plattform für die Energiewelt

24.05.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics