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Ungebremster Blutfluss ins Gehirn

16.04.2009
Wirkstoff gegen Lungenhochdruck verlangsamt erneuten Verschluss der Halsschlagader nach Operation / Heidelberger Herzchirurg mit dem Rudolf-Stich-Preis ausgezeichnet

Werden aus einer verengten Halsschlagader die Ablagerungen entfernt, um den Blutfluss zum Gehirn zu sichern, kann sich Narbengewebe an der Gefäßwand bilden - das Gefäß verengt sich erneut, das Risiko für einen Schlaganfall steigt. Dr. Kristóf Hirschberg vom Universitätsklinikum Heidelberg ist es nun gelungen, diesen Mechanismus im Tierversuch mit einem bekannten Wirkstoff gegen Lungenhochdruck zu verlangsamen und so den Erfolg der Operation langfristig zu sichern.

Für seine Arbeit, die im Februar 2009 online im "Journal of Thoracic and Cardiovascular Surgery" veröffentlicht wurde, wurde der Herzchirurg mit dem Rudolf-Stich-Preis der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie ausgezeichnet. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Jährlich erleiden etwa 20.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall, der durch Ablagerungen in den Halsschlagadern (Arteriosklerose) verursacht wird. Das Risiko dieser Patienten einen weiteren Schlaganfall zu bekommen, ist hoch, kann aber durch eine Operation an der Halsschlagader (Endarteriektomie) deutlich verringert werden: Dabei schälen Gefäßchirurgen durch einen Zugang am Hals die Fett- und Kalkablagerungen heraus.

Bei jedem zehnten Patienten verschließt sich das Gefäß erneut

Bei jedem zehnten Patient bildet sich innerhalb von ein bis zwei Jahren eine sogenannte Restenose aus: Die bei der Operation verletzte innere Gefäßwand wächst an, das Gefäß muss in einem weiteren Eingriff mit einem Drahtgeflecht (Stent) gespreizt oder erneut ausgeschält werden.

Auf molekularer Ebene begleiten unter anderem Veränderungen im sogenannten NO-cGMP-Signalweg das verstärkte Wachstum der inneren Gefäßwand. Sinkt die Konzentration des Botenstoffes cGMP (zyklisches Guanosin-Monophosphat), vermehren sich die Muskelzellen der Gefäßwand, wandern nach innen und wachsen. "Vardenafil, ein Medikament gegen Lungenhochdruck, greift genau an diesem Signalweg an. Wir haben erstmals getestet, wie sich die Gabe von Vardenafil auf die Bildung von Restenosen auswirkt", erklärt Dr. Kristóf Hirschberg, Chirurg in der Abteilung Experimentelle Herzchirurgie an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg und Erstautor des ausgezeichneten Artikels. Vardenafil hemmt den Abbau des Botenstoffes cGMP und erhöht so dessen Konzentration im Gewebe.

Im Rahmen der ausgezeichneten Arbeit führte das Team um Dr. Hirschberg bei 18 Ratten eine Endarteriektomie durch und entfernte dabei die innerste Gefäßschicht der Halsschlagader. Ein solcher Eingriff hat bei Ratten in jedem Fall zur Folge, dass sich innerhalb weniger Wochen eine dickere neue Gefäß-Innenschicht bildet, die die Schlagader verengt. Die Hälfte der Ratten erhielt mit dem Trinkwasser Vardenafil. Nach drei Wochen zeigte sich: Bei den Tieren, die den Wirkstoff erhalten hatten, war die neu gebildete Gewebsschicht nur halb so stark ausgeprägt wie bei den Ratten, die kein Vardenafil erhalten hatten.

Der Vorteil des Medikaments: Vardenafil kann in Tablettenform eingenommen werden und ist bereits klinisch geprüft. Bisher ist ein mit Medikamenten beschichteter Stent die einzige Möglichkeit, das übermäßige Wachstum der Gefäß-Innenschicht zu unterdrücken. "Die Behandlung mit Vardenafil könnte eine neue und effektive Möglichkeit darstellen, um bei Patienten nach der Operation der Halsschlagader Restenosen vorzubeugen", erklärt Dr. Hirschberg.

Literatur:
Hirschberg K, Radovits T, Loganathan S, Entz L, Beller JC, Gross ML, Sandner P, Karck M, Szabó G (2009): Selective phosphodiesterase-5 inhibition reduces neointimal hyperplasia in rat carotid arteries after surgical endarterectomy. J Thorac Cardiov Sur. Feb 2009.

DOI:10.1016/j.jtcvs.2008.10.016.

Ansprechpartner:
Dr. Kristóf Hirschberg
Experimentelle Herzchirurgie
Tel.: 06221 / 56 60 95
E-Mail: hirschbergkristof(at)gmail.com
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
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Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)
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