Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unbehandelte Zeckenbisse können zu Behinderungen führen

01.12.2008
Hautmediziner des Münchner Universitätsklinikums der LMU gehen von einem bislang unbekannten Zusammenhang von Borrellien und Morphea aus

Die Morphea ist eine inflammatorische Autoimmunerkrankung, die sich als lokale Form der Sklerodermie auf Haut und Bindegewebe beschränkt. Sie beginnt mit lilafarbenen entzündlichen Erythemen, die im Zentrum gelbliche oder elfenbeinfarbene, harte, sklerosierende Plaques entwickeln.

Typischerweise umgibt dann ein rosa- bis purpurfarbener Ring eine weißliche oder gelbliche Mitte. Frauen trifft es doppelt so häufig wie Männer; auch bei Kindern tritt die Erkrankung regelmäßig auf. Breiten sich bei den Mädchen und Jungen die immer wiederkehrenden Entzündungsschübe auf Fett- und Muskelgewebe aus, können Wachstumsstörungen und Behinderungen resultieren.

Doch gerade bei Kindern und Jugendlichen sind die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt. Denn anders als bei Erwachsenen sind Phototherapien wie PUVA- respektive UVA1-Behandlung in dieser Altersgruppe wegen eines später erhöhten Hautkrebs-Risikos nur eingeschränkt einsetzbar.

Von Zecken übertragene Borrelien stehen zwar seit langem in Verdacht, das Krankheitsgeschehen zu befördern. Doch war die Daten-lage bislang unklar. Nun haben Jörg Prinz von der Klinik für Dermatologie der Ludwig-Maximilians-Universität München (Campus Innenstadt) und Kollegen aus Ungarn einen Zusammenhang zwischen Borrelien-Infektion und Morphea im Kindesalter nachgewiesen.

Das Team analysierte die Daten von 74 Frauen und 16 Männern aller Altersstufen, die an einer Morphea erkrankt waren und serologisch untersucht wurden. Mit statistischen Verfahren korrelierten die Wissenschaftler das Alter des Krankheitsbeginns mit dem Vorkommen von Borrelien spezifischen sowie antinukleären Antikörpern. "Statistisch hoch signifikant assoziiert", erklärt Jörg Prinz, "waren im Blut der Kinder und Jugendlichen beide Typen der Antikörper nachzuweisen."

Die entsprechende "Borrelien-assoziierte Morphea" im Kindes- und Jugendalter verläuft oft besonders schwer und bedarf, so die Forderung der Wissenschaftler, einer intensiven antientzündlichen und antibiotischen Behandlung. "Wir sollten diese jungen Patienten künftig konsequent mit Antibiotika therapieren, wenn eine Borrelien-Infektion als Auslöser vorliegt", betont Prinz. Die Ergebnisse der im "Journal of the American Academy of Dermatology" veröffentlichen Untersuchungen unterstreichen das große gesundheitliche Risiko, das von durch Zeckenstich übertragenen Borrelien-Infektionen ausgeht.

Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2007 an den Standorten Großhadern und Innenstadt etwa 500.000 Patienten ambulant, poliklinisch, teilstationär und stationär behandelt worden. Die 44 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über mehr als 2.300 Betten. Von insgesamt 9.700 Beschäftigten sind rund 1.700 Mediziner. Forschung und Lehre ermöglichen eine Patientenversorgung auf höchstem medizinischem Niveau. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2007 etwa 57 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben und ist seit Juni 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Philipp Kressirer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kostformen im Vergleich: Für Menschen mit Diabetes ist die Mittelmeer-Diät besonders gut geeignet
19.01.2018 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Vielversprechender Malaria-Wirkstoff erprobt
19.01.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Warum genau diese 20? – Quantenchemie löst Aminosäure-Rätsel

22.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Simulation: Neuartiger zweidimensionaler Schaltkreis funktioniert mit magnetischen Quantenteilchen

22.01.2018 | Physik Astronomie

Vogelmonitoring leicht gemacht: Erfassung der Brutvögel wird digitalisiert

22.01.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz