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Umweltgift schwächt das menschliche Immunsystem

10.12.2008
Ein internationales Forschungsteam der Universität Basel und der Universität von Kalifornien, San Diego, belegt in einer Studie die Toxizität der Chemikalie Dibutylzinn auf unser Immunsystem.

Das Umweltgift stört die Regulation von Genen des Immunsystems, indem es die Aktivierung eines für den Entzündungsprozess wichtigen Rezeptors hemmt. Dibutylzinn kann durch Trinkwasser von PVC-Leitungen, wie sie in Ländern ausserhalb Europas teilweise verwendet wurden, und durch den Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten in den menschlichen Körper gelangen.

Tributylzinn (TBT) und Dibutylzinn (DBT) sind weitverbreitete, hochtoxische Chemikalien, die zum Beispiel in der Fischerei, im Segel- und Motorbootsport und in der Schifffahrtindustrie als Antifaulmittel in den Anstrichfarben für den Aussenschutz der Boote eingesetzt werden. DBT wird in geringem Umfang in der Verarbeitung von Polyvinylchlorid (PVC) verwendet. In Europa enthalten aufgrund der bestehenden Lebensmittelgesetzgebung PVC-Produkte für die Trinkwasserversorgung kein DBT. DBT ist mit TBT verwandt, einer bekannten Umweltchemikalie, die kürzlich von der "International Maritime Organisation" der Vereinigten Nationen wegen schwerwiegenden toxischen Wirkungen verboten wurde. Für DBT, das ebenfalls sehr toxisch ist, besteht bisher kein Verbot.

DBT ist toxischer als TBT
Gemäss den Leitern der in der Wissenschaftszeitschrift "PLoS ONE" veröffentlichten Studie, Prof. Alex Odermatt von der Universität Basel und Prof. Michael Baker von der Universität von Kalifornien (San Diego School of Medicine), wird TBT im Körper zu DBT umgewandelt. Der Mensch nimmt TBT und DBT hauptsächlich durch den Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten zu sich. Da DBT langsam abgebaut wird, bleibt es lange in der Umwelt aktiv. Es scheint, dass seine toxischen Wirkungen schneller und ausgeprägter sind als diejenigen von TBT.
DBT schwächt das Immunsystem
Die Symptome einer Organozinnbelastung sind Reizungen der Haut, Schwindelgefühle und grippeähnliche Symptome. Obwohl Langzeiteffekte beim Menschen ungewiss sind, konnte gezeigt werden, dass hohe Dosen von Organozinnverbindungen zu Schädigungen des Gehirns, der Leber sowie des Immunsystems führen. Durch eine Kombination von Zellversuchen und computerbasierten Analysen konnte das Forschungsteam zudem die molekulare Wechselwirkung zwischen DBT und wichtigen körpereigenen Hormonen, den Glucocorticoiden, aufdecken. Dabei konnte gezeigt werden, dass DBT den Glucocorticoidrezeptor blockiert und die Regulation von Genen des Immunsystems stört. Die Wissenschaftler schliessen aus der Studie, dass DBT durch die Blockierung des Glucocorticoidrezeptors die Immunantwort bei Entzündungsprozessen und Infektionen stört, was einen Teil der Toxizität von Organozinnverbindungen erklären kann.
Originalbeitrag
Alex Odermatt et al.
Dibutyltin Disrupts Glucocorticoid Receptor Function and Impairs Glucocorticoid-Induced Suppression of Cytokine Production, PloS ONE (2008)
Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Alex Odermatt, Institutsvorsteher Institut für Molekulare und Systemische Toxikologie, Universität Basel, Klingelbergstrasse 50, CH-4056 Basel, Tel. +41 61 267 15 30, Fax: +41 61 267 15 15, E-Mail: Alex.Odermatt@unibas.ch

Hans Syfrig, Öffentlichkeitsarbeit, Universität Basel, Petersplatz 1, CH-4003 Basel, Tel. +41 61 267 30 16, E-Mail: Hans.Syfrig@unibas.ch

Hans Syfrig | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch

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