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Ultraschalltest für Risikopatienten bei Schlaganfall

10.10.2014

Verengung der Halsschlagader muss nicht immer operiert werden / Durchblutungsreserve im Gehirn kann Schlaganfallrisiko vorhersagen

Jeder sechste Schlaganfall in Deutschland wird durch eine Verengung der Halsschlagader (Carotis-Stenose) verursacht. Allerdings kommt die Carotis-Stenose in der Bevölkerung noch viel häufiger vor, ohne dass sie zu Schlaganfällen führt. Eine vorbeugende Operation bei allen Patienten ist daher umstritten.


Farbduplex-Sonographie der Halsschlagader: Die Pfeile zeigen eine hochgradige Verengung der inneren Halsschlagader (Carotis-Stenose).

M. Reinhard, Klinik für Neurologie und Neurophysiologie, Universitätsklinikum Freiburg

Unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Reinhard, Oberarzt und Leiter der Stroke Unit der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Freiburg, wurde eine internationale Studie zu einem Ultraschallrisikotest durchgeführt.

Der Test ermöglicht es, Patienten zu identifizieren, die bei bekannter hochgradiger Einengung der Halsschlagader besonders gefährdet sind, tatsächlich einen Schlaganfall zu erleiden. Speziell diese Patienten könnten dann von einer vorbeugenden Operation profitieren. Die Ergebnisse der Studie haben die Forscher nun in der renommierten Fachzeitschrift Neurology veröffentlicht.

In dem multinationalen Projekt wurden mehr als 750 Patienten mit hochgradiger Verengung oder Verschluss der Halsschlagader aus mehreren bisherigen Studien gemeinsam neu analysiert. Bei all diesen Patienten wurde mittels Ultraschall die Durchblutungsreserve im Gehirn bestimmt. Hierbei zeigte sich, dass Patienten mit schlechter Durchblutungsreserve ohne bisherige Schlaganfallsymptome wie Seh- oder Sprachstörungen oder Lähmungserscheinungen, ein vierfach erhöhtes Risiko haben, aufgrund der Carotis-Stenose einen Schlaganfall zu erleiden.

Eine vergleichbare Risiko-Erhöhung für Schlaganfälle fand sich auch bei Patienten mit schlechter Durchblutungsreserve, die bereits Symptome einer Durchblutungsstörung hatten. „Dieser einfache Test ist ein äußerst wichtiger Baustein für die Risikoanalyse und Beratung von Patienten mit hochgradiger Carotis-Stenose ohne bisherige Symptome“, so Prof. Dr. Matthias Reinhard. Seiner Ansicht nach sollte diese Untersuchung bei allen Patienten mit hochgradiger Verengung der Halsschlagader durchgeführt werden. „Erst wenn die Risikopatienten identifiziert sind, macht die prophylaktische Operation wirklich Sinn.“

Ein ganz wesentlicher Grund dafür, dass so viele Menschen selbst bei Verschluss der Halsschlagader gar keine Beschwerden haben, ist laut Prof. Reinhard, dass im Gehirn über Umgehungswege die Blutversorgung trotz der Verengung normal aufrechterhalten wird. Wie gut diese Umgehungswege der Blutversorgung beim einzelnen Menschen funktionieren, kann durch den Ultraschalltest erfasst werden.

Dabei wird gemessen, ob trotz der Gefäßverengung im Kopf noch eine ausreichende Durchblutungsreserve besteht. Diese Reserve wird beispielsweise durch das Anhalten des Atems für 30 Sekunden bei gleichzeitiger Ultraschallmessung der Hirngefäße bestimmt. Durch das Anhalten des Atems steigt der Kohlenstoffdioxid-Gehalt im Blut an. Bei einer vorhandenen Reserve führt das zu einer Erweiterung der Hirngefäße und Zunahme der Durchblutung im Gehirn – ein sicheres Zeichen dafür, dass der Gefäßverschluss im Gehirn gut ausgeglichen wird.

Andere Methoden zur Risikobestimmung bei Carotis-Stenose befassen sich mit dem Aufbau der Arterienverengung (Plaque genannt) im Ultraschall oder der Kernspintomographie. Hier fehlen aber noch groß angelegte Untersuchungen. Ferner können mittels Ultraschall kleine Gerinnsel, die sich von der Plaque ablösen, erfasst werden (sogenannte Mikroemboli-Detektion).

Eine hochgradige Carotis-Stenose betrifft vor allem Männer. Sie tritt bei fünf Prozent aller über 60-Jährigen in Deutschland auf. Bei der Mehrzahl dieser Personen wird dadurch im Laufe ihres Lebens aber gar kein Schlaganfall ausgelöst, selbst wenn sich die Halsschlagader durch die hochgradige Verengung im Verlauf ganz verschließen sollte.

Da die Behandlung mit Medikamenten immer besser wird, ist somit der Nutzen der vorbeugenden Operation mit Beseitigung der Verengung bei jedem Patienten mit hochgradiger Carotis-Stenose und ohne dass Schlaganfallsymptome wie Seh- und Sprachstörungen oder Halbseitenlähmungen aufgetreten sind, umstritten, so Prof. Reinhard.

Originaltitel der Arbeit: Cerebrovascular reactivity predicts stroke in high-grade carotid artery disease
URL des Online-Artikels: www.neurology.org/content/early/2014/09/12/WNL.0000000000000888.full.html
DOI: 10.1212/WNL.0000000000000888

Kontakt:
Prof. Dr. Matthias Reinhard
Oberarzt
Klinik für Neurologie und Neurophysiologie
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-53070
matthias.reinhard@uniklinik-freiburg.de

Inga Schneider | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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