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Ultraschall statt Röntgenbild: Knochenbrüche bei Kindern ohne Strahlen feststellen

30.05.2016

In Deutschland erleiden jährlich schätzungsweise 253 000 Kinder im Wachstumsalter einen Knochenbruch. Bei der Diagnose gilt das Röntgenbild als Mittel der Wahl, weswegen Ärzte diese Technik großzügig einsetzen. Doch gerade bei Handgelenks- und anderen Armbrüchen bietet in vielen Fällen die Ultraschall-diagnostik eine Alternative. Da Kinder etwa zehnmal empfindlicher auf Röntgenstrahlen reagieren als Erwachsene, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM), die kleinen Patienten – wann immer es möglich und sinnvoll ist – mittels Ultraschall zu untersuchen.

Auf einer Pressekonferenz der DEGUM am 8. Juni 2016 in Berlin erörtert Privatdozent Dr. med. Ole Ackermann aus Mettmann unter anderem, wie dadurch pro Jahr 350 000 Röntgenuntersuchungen verzichtbar werden könnten.


Abbildung: Gebrochener Oberarmknochen bei einem 8-jährigen Kind: Die Fraktur ist sowohl im Ultraschall- als auch im Röntgenbild gut zu erkennen.

Auch wenn die Röntgentechnik heute sicherer und strahlungsärmer ist als in der Vergangenheit, bleibt bei jeder Röntgenaufnahme ein Rest an Strahlenbelastung. Weil der kindliche Körper außerdem empfindlicher auf Röntgenstrahlen reagiert als der Körper eines Erwachsenen, ist Strahlenschutz im Wachstumsalter besonders wichtig.

„Der wirksamste Schutz ist die Vermeidung von Röntgenaufnahmen, wobei sichergestellt sein muss, dass die Qualität von Diagnose und Behandlung nicht leidet“, sagt Privatdozent Dr. med. Ole Ackermann, Oberarzt der Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie am Evangelischen Krankenhaus Mettmann.

In vielen Fällen biete die Ultraschalldiagnostik eine Alternative zum Röntgenbild. So könnten sehr häufig vorkommende Handgelenksbrüche in neun vor zehn Fällen rein sonografisch diagnostiziert und kontrolliert werden. Bei Ellenbogenbrüchen ließen sich 70 Prozent und an der Schulter sogar drei Viertel der Röntgenbilder einsparen, so Ackermann. „Die Sonografie basiert auf ungefährlichen Schallwellen und hat auch bei intensiver Anwendung keine gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen“, ergänzt der Experte.

In den letzten 15 Jahren haben wissenschaftliche Arbeitsgruppen weltweit mehrere tausend Patienten untersucht und die Sonografie mit der Röntgendiagnostik verglichen. „Dadurch wurden sichere Anwendungsbereiche definiert und standardisierte Vorgehensweisen entwickelt“, erklärt Ackermann und betont: „Wir befürworten ausdrücklich, dass Ärzte im Sinne der Patienten – gerade der Kinder – den Ultraschall als schonendes Verfahren hier viel häufiger einsetzen.“ Dies gelte umso mehr, als die erforderlichen Geräte bereits flächendeckend in Kliniken und Arztpraxen vorhanden sind. Die notwendige Qualifikation können Ärzte bei der DEGUM in Intensivkursen erwerben.

Ärzten, die weniger röntgen und mehr schallen möchten, stellt sich jedoch ein Problem: „Leider werden die Ultraschalluntersuchungen von den Krankenkassen noch nicht kostendeckend vergütet“, kritisiert Ackermann. Auf der Pressekonferenz der DEGUM am 8. Juni 2016 fordern Experten, die Ultraschalluntersuchung zur Diagnostik von kindlichen Knochenbrüchen vermehrt anzuwenden und die entsprechenden Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Über die DEGUM
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint rund 10 000 Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten, Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin. Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen I bis III. DEGUM zertifizierte Ärzte finden Patienten im Internet unter: http://www.degum.de


Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
Von Säuglingshüfte bis Arthrose: Ultraschall macht Krankheiten der Knochen und Gelenke schonend sichtbar

Termin: Mittwoch, 8. Juni 2016, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Raum 2
Anschrift: Schiffbauerdamm 40, 10117 Berlin

Vorläufige Themen und Referenten:

20 Jahre Vorsorgeultraschall der Säuglingshüfte:
Gefährdet der Trend zum „Pucken“ die guten Ergebnisse des Screenings?
Dr. med. Tamara Seidl, Oberärztin der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Wirbelsäulenchirurgie, Franziskus Hospital, Bielefeld, DEGUM Stufe III

Knochenbrüche bei Kindern: Diagnose häufig auch ohne Strahlen möglich
PD Dr. med. Ole Ackermann, Oberarzt, Unfallchirurgie und Orthopädie, Evangelisches Krankenhaus Mettmann, DEGUM Stufe II

Eingeengter Nerv: Karpaltunnelsyndrom immer auch mit Ultraschall untersuchen
Dr. med. Josef Böhm, ab Juli: Neurologische Privatpraxis, Berlin, DEGUM Stufe II

Schulterschäden mit Ultraschall abklären! Warum die strahlenfreie Diagnostik das „Mittel der Wahl“ ist
Dr. med. Rainer Berthold, Orthopädische Praxis, Wetzlar, Leiter des DEGUM Arbeitskreises Bewegungsorgane, DEGUM Stufe III

Wenn die Gelenke schmerzen: Rolle der Sonografie in der Frühdiagnostik, Prognoseeinschätzung und Therapieüberwachung der Rheumatoiden Arthritis
Prof. Dr. med. Marina Backhaus, Chefärztin der Abteilung Innere Medizin – Rheumatologie und Klinische Immunologie an der Park-Klinik Weißensee in Berlin, DEGUM Stufe III


Kontakt für Journalisten:
Irina Lorenz-Meyer/ Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20 | 70451 Stuttgart
Telefon:+49 (0)711 8931-642
Fax:+49 (0)711 8931-167
lorenz-meyer@medizinkommunikation.org

Weitere Informationen:

http://www.degum.de

Anna Julia Voormann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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