Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

UKL-Neonatologen forschen zu optimierten Beatmungsverfahren für Frühchen

23.06.2015

Leipziger Studie zu Frühchenversorgung in Lancet RM veröffentlicht

Extrem kleine Frühgeborene benötigen besondere Hilfe bei der Atmung, um überleben zu können. Dabei ist es wichtig, die unreifen Lungen vor bleibenden Schäden zu bewahren. Eine Multizenter-Studie unter der Leitung der Neonatologen am Universitätsklinikum Leipzig hat dazu den Effekt verschiedener Beatmungsstrategien verglichen. Das Ergebnis wurde jetzt in „The Lancet Respiratory Medicine“ veröffentlicht.

Bei der künstlichen Beatmung ist die Schonung der Lungen ein wichtiges Therapieziel, besonders bei unreifen Frühgeborenen, deren Lungen sich noch entwickeln müssen. Hier ist die lebenswichtige Atemunterstützung auch mit dem Risiko chronischer Lungenschäden verbunden.

Entsprechend wichtig ist eine ausreichende, aber auch schonende Form der Atemunterstützung. Neonatologen des Universitätsklinikums Leipzig haben jetzt in einer umfassenden Studie untersucht, welche Beatmungseinstellungen für kleinste Frühgeborene am schonendsten sind.

Bei der weniger intensiven Variante wird ein niedrigerer Beatmungsdruck eingesetzt, mit der Folge, dass der CO2-Anteil in Ausatemluft und Blut etwas höher liegt. „Ziel war es, zu prüfen, ob solche wenig intensiven Beatmungseinstellungen, die mit einem kurzzeitig höheren Kohlendioxidanteil in der Atemluft einhergehen, für die Lungenentwicklung langfristig besser sind“, erklärt Prof. Ulrich Thome, Leiter der Neonatologie am Universitätsklinikum Leipzig und Leiter der Studie.

Für die randomisierte Multizenter-Studie wurden innerhalb von vier Jahren in 16 Perinatalzentren in Deutschland insgesamt 362 Patienten untersucht. Alle Frühchen waren zwischen 400 und 1000 Gramm schwer und konnten noch nicht ohne Beatmungsgerät allein atmen.

Hintergrund der Untersuchung war die Überlegung, dass der Einsatz eines höheren Drucks bei der Beatmung für die Lungen der kleinen Patienten schädlicher sein könnte als ein niedrigerer Druck, der mit einem höheren Kohlendioxid-Anteil im Blut verbunden wäre.

„Überraschenderweise kamen wir zu dem Ergebnis, dass der Einsatz von weniger Druck nicht zu besseren Ergebnissen führt“, so Thome. Für die Lungenfunktion und das Überleben extremer Frühchen ist daher eine etwas intensivere Beatmung durchaus empfehlenswert.

“Unsere Studie zeigt, dass das Thema schonendere Beatmung bei Frühgeborenen sehr komplex ist und dass es keine einfachen Antworten gibt“, so Thome weiter. Die Frage nach den geeigneten Beatmungsverfahren in der Neonatologie muss jeweils mit Blick auf die individuellen Gegebenheiten immer wieder neu geprüft und entschieden werden.

Originalveröffentlichung:
Thome, Ulrich H, et al. Permissive hypercapnia in extremely low birthweight infants (PHELBI): a randomised controlled multicentre trial, The Lancet Respiratory Medicine, June 16, 2015

Weitere Informationen:

http://www.thelancet.com/journals/lanres/article/PIIS2213-2600%2815%2900204-0/ab...

Helena Reinhardt | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verbesserte Heilungschancen durch individualisierte Therapie bei Hodgkin Lymphom
23.10.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie