Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

UKE-Forscher entdecken unbekannten Mechanismus bei Gefäßerkrankungen

07.05.2014

Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hat im Wissenschaftsmagazin Nature einen bislang unbekannten Mechanismus beschrieben, der maßgeblich an der Entstehung von Arterienverengungen beteiligt ist. Arterienverengungen sind Ursache von Volkskrankheiten wie der koronaren Herzerkrankung, die zum Herzinfarkt führen kann, oder der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, die Durchblutungsstörungen der Beine und Arme zur Folge hat.

Die Forscher identifizierten ein Protein (Eiweiß), das bei der Heilung geschädigter Gefäßwände eine wichtige Rolle spielt. „Nach Gefäßverletzungen kommt es zu einem Entzündungsreiz, der dazu führt, dass die in der Arterienwand ansässigen glatten Muskelzellen vorübergehend in einen Zustand wechseln, der von rascher Zellteilung und vermindertem Zelltod – Apoptose – geprägt ist“, erklärt Studienleiterin Prof. Dr. Sonja Schrepfer, Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des UKE, Universitäres Herzzentrum Hamburg (UHZ).

Diese Phase des übermäßigen Wachstums der Gefäßzellen sei zwar zeitlich begrenzt, jedoch dafür verantwortlich, dass es zu einer Gefäßverengung kommt, so Prof. Schrepfer. Wird die Aktivität des von den Forschern beschriebenen Proteins unterdrückt, könne die Entwicklung einer Arterienverengung verhindert werden. Dies haben verschiedene Untersuchungen auf Zell- und Modellebene bestätigt. Weitere wichtige Erkenntnis der Forscher: Die Hemmung des Eiweißes verhindert nicht die Heilung der Gefäßwände.

„Damit hat die Grundlagenforschung die Basis gelegt, die zur Entwicklung neuer Wirkstoffe gegen Gefäßerkrankungen führen könnte“, sagt Prof. Dr. Tobias Deuse aus der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie. Erste klinische Studien mit Patienten seien am UKE nun in Planung, so Prof. Deuse.

Häufigste Todesursache

Gefäßverengungen sind lebensbedrohliche Erkrankungen. Verengte Herzkranzgefäße (Koronararterien) können beispielsweise einen Herzinfarkt auslösen. Insgesamt stellen Erkrankungen in Deutschland mit vier von zehn Todesfällen die häufigste Todesursache dar.

An dem Forschungsvorhaben waren Wissenschaftler und Ärzte aus sechs verschiedenen Forschungsgruppen des UKE (TSI-Labor, Herzchirurgie, Pharmakologie, Kardiologie, Biochemie, Anästhesiologie) beteiligt. Hinzu kamen Forscher aus Stanford (USA), Stockholm (Schweden), Salamanca (Spanien) und Lübeck. Gefördert wurde das Vorhaben unter anderem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Förderverein Universitäres Herzzentrum Hamburg e.V.

Literatur:
Tobias Deuse et al. (2014). Dichloroacetate prevents restenosis in preclinical animal models of vessel injury. Nature (2014) http://www.nature.com/nature/journal/vaop/ncurrent/full/nature13232.html

Kontakt:
Prof. Dr. Sonja Schrepfer
Klinik und Poliklinik für Herz- und Gefäßchirurgie
Universitäres Herzzentrum Hamburg GmbH (UHZ)
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg
Telefon: (040) 7410- 56953
E-Mail: s.schrepfer@uke.de

Christine Trowitzsch | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften