Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

UKE-Forscher deckt möglichen Grund für Häufung von Demenzen im Alter auf

05.03.2013
Einen zentralen Entstehungsmechanismus von Demenzerkrankungen hat jetzt der UKE-Mediziner Prof. Dr. Markus Glatzel, Direktor des Instituts für Neuropathologie, gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Dr. Thorsten Hoppe (Institut für Genetik, Universität Köln) aufgedeckt.
Die Forscher konnten zeigen, wie der Körper versucht, fehlerhafte Eiweiße (Proteine) im Gehirn zu besiegen, bevor er letztlich kapitulieren muss. Das Ergebnis beschreiben sie in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift GENETICS.

Demenzerkrankungen wie Alzheimer, bei denen die Nervenzellen im Gehirn durch krankhafte Ablagerungen (Plaques) aus schadhaften Proteinen zugrunde gehen, stellen Wissenschaftler immer noch vor Rätsel. Prinzipiell können alle Zellen solche fehlgefalteten Proteine abbauen. Dieser Abbauprozess erfolgt mit sogenannten molekularen Mülleimern, den Proteasen. „Doch deren Leistungsfähigkeit nimmt mit zunehmenden Alter ab, es bleiben mehr fehlgefaltete Proteine erhalten, die Proteinlast steigt und die Funktionsfähigkeit der Nervenzellen sinkt zugleich“, erläutert Glatzel.

Doch wie verläuft dieser Prozess bei einer Demenz? Zum ersten Mal gelang es Glatzel und seinen Mitstreitern nun, die Dynamik zu entschlüsseln. Denn die Entwicklung der Krankheit verläuft nicht etwa gradlinig. „Es gibt zunächst einen Anstieg der Proteinlast, dann bleibt diese längere Zeit stabil und plötzlich steigt sie rasant an. Der Körper kapituliert offenbar“, erläutert Glatzel.

Erforscht hat der Mediziner diesen Mechanismus an einer seltenen Demenzerkrankung namens Familial Encephalopathy with Neuroserpin Inclusion Bodies (FENIB), an der weltweit nur wenige Familien leiden. „Die FENIB kann als Modell für Demenzerkrankung dienen. Im Gegensatz zum Morbus Alzheimer ist der Krankheitsmechanismus, an dem nur ein spezielles Eiweiß beteiligt ist, bei FENIB leichter zu erforschen als beim Morbus Alzheimer, wo sich eine Vielzahl von Proteinen ablagern.“

Zudem untersuchten die Mediziner die Krankheit nicht im Menschen, sondern im Tier. „Der Fadenwurm C. elegans hat ein krankmachendes Protein, das dem Protein entspricht, das die Krankheit beim Menschen auslöst. Unsere Ergebnisse lassen sich also auf das Krankheitsgeschehen im Menschen übertragen.“ Der Fadenwurm könnte daher zum neuen Lieblingstier der Demenzforscher mutieren. Denn mit ihm haben sie im Rahmen dieser Arbeit, die sich über vier Jahre erstreckte, einen Modellorganismus entdeckt, mit dem auch die Wirkstoffforschung für neue Medikamente vorangetrieben werden kann.

Bislang gibt es keine Therapie, die spezifisch den Abbau von fehlerhaften Proteinen stimuliert.
Für alle Demenzformen, in denen eine hohe Proteinlast ursächlich für die Erkrankung ist, könne man jetzt die Wege erforschen, auf denen solche Eiweiße normalerweise abgebaut werden, so Prof. Glatzel. „Wir hoffen, dass sich im Laufe der Forschungen hieraus spezifischere Therapien ableiten lassen.“

Kontakt:

Prof. Dr. Markus Glatzel
Institut für Neuropathologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg
Tel.: (040) 7410-52218
Fax: (040) 7410-54929
E-Mail: m.glatzel@uke.de

Quelle: Angela Schipanski et al., A novel interaction between aging and ER overload in a protein conformational dementia, GENETICS, Vol. 193, MARCH 2013, pp. 865–876

Christine Jähn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uke.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik