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Überleben trotz Metastasen – Kinder mit Krebs nur in Spezialzentren behandeln

23.09.2013
Die Heilungschancen für krebskranke Kinder sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: Bei sogenannten soliden, also festen Tumoren, erhöhte sich die Überlebensrate innerhalb von 30 Jahren von 20 auf 75 Prozent.

Weit weniger erfreulich sind die Zahlen jedoch, wenn sich bereits Tochtergeschwülste gebildet haben. In diesem Fall überleben nur etwa 30 bis 40 Prozent der betroffenen Kinder die Erkrankung. Wie durch eine Behandlung in kinderonkologischen Zentren die Überlebenschancen verbessert werden können und welche Rolle die Kinderchirurgie dabei spielt, darüber informieren Experten auf einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie am 14. Oktober 2013.

Jährlich erkranken in Deutschland 2000 Kinder und Jugendliche neu an Krebs. Bei bestimmten Krebsarten ist das Risiko, dass die bösartigen Geschwülste auf andere Organe streuen, groß: Das Nephroblastom beispielsweise, der häufigste Nierentumor bei Kindern, verursacht anfangs wenig Symptome und bildet zugleich rasch Tochtergeschwülste. Zum Zeitpunkt der Diagnose werden bei etwa zehn Prozent der kleinen Patienten bereits solche Metastasen festgestellt. „Hat der Tumor gestreut, steht vielen betroffenen Kindern eine intensive Chemotherapie, eine Bestrahlung, ein radikaler chirurgischer Eingriff oder sogar eine Knochenmarktransplantation bevor“, sagt DGKCH-Präsident Professor Dr. med. Jörg Fuchs.

„Hier ist die enge Zusammenarbeit von Kinderärzten mehrerer Fachrichtungen im wahrsten Sinne des Wortes lebenswichtig“, sagt der Experte. Das zeigen die Auswertungen internationaler Behandlungsprotokolle, die Kinderärzteteams bei der Therapie von Krebs erstellen. Werden erkrankte Kinder in Deutschland in speziellen Zentren behandelt, so richtet sich ihre Versorgung streng nach diesen Studienergebnissen. „Die optimale kinderchirurgische Versorgung betroffener Kinder ist einerseits nur ein Teil in dieser Gesamtbehandlung“, erklärt Professor Fuchs, der Ärztlicher Direktor der Kinderchirurgischen Klinik der Universität Tübingen ist. „Sie ist andererseits jedoch einer der wichtigsten Einflussfaktoren für das Überleben der Patienten.“

Der Experte verweist darauf, dass eine radikale operative Entfernung der Metastasen die Überlebenschance Betroffener oft deutlich erhöht. Zur Verfügung stünden dafür inzwischen auch schonende minimal-invasive Methoden, so bei der Entfernung von Lungenmetastasen. „Ein solcher Eingriff ist nicht immer möglich. Aber wenn dies der Fall ist, erspart er dem kleinen Patienten eine schwere Operation“, erklärt Professor Fuchs. „Außerdem kann sich dann früher eine Chemotherapie anschließen.“

Damit Kinder von den verbesserten Therapiemöglichkeiten profitieren können, sollten sie mit ihren Eltern zur Behandlung in ein kinderonkologisches Zentrum gehen, das auf die fachübergreifende Behandlung spezialisiert ist, sagt Professor Fuchs. Dies empfiehlt auch der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vom Mai diesen Jahres, der sich mit der Sicherung der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität der Versorgung von jungen Patientinnen und Patienten mit Krebserkrankungen befasst.

Mit welchen Operationsverfahren Kinderchirurgen heute die Überlebensrate krebskranker Kinder verbessern können, diskutieren Experten auf der DGKCH-Pressekonferenz am 14. Oktober 2013 von 13.00 bis 14.00 Uhr.

Zum Weiterlesen:
Surgical treatment of lung metastases in patients with embryonal pediatric solid tumors: an update. Joerg Fuchs, MDa, Guido Seitz, MDa, Rupert Handgretinger, MDb, Juergen Schäfer, MDc, Steven W. Warmann, MDa in: Seminars in Pediatric Surgery, Childhood Solid Tumors, Volume 21, Issue 1, February 2012, Pages 79–87
Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie:
Gegründet im Jahr 1963 schafft die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) bis heute Grundlagen für eine bestmögliche kinderchirurgische Versorgung in Deutschland. Dazu gehören Neugeborenenchirurgie, allgemeine Kinderchirurgie und Kindertraumatologie ebenso wie Kinderurologie. Die DGKCH vertritt das Fach in allen wissenschaftlichen, fachlichen und beruflichen Belangen. Derzeit praktizieren hierzulande Fachärzte für Kinderchirurgie in mehr als 80 kinderchirurgischen Kliniken und Abteilungen sowie als Niedergelassene. Kinderchirurgie gehört in die Hände von Kinderchirurgen. Denn ihre Patienten sind keine kleinen Erwachsenen.
Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH)
anlässlich des 4. Weltkongresses der Kinderchirurgen/4th World Congress of the World Federation of Associations of Pediatric Surgeons (WOFAPS)
Termin: Montag, 14. Oktober 2013 von 13.00 bis 14.00 Uhr
Ort: bcc Berliner Congress Center, Alexanderstraße 11, 10178 Berlin, Raum C 04
Vorläufiges Programm:
Immer mehr Kinder sind zu dick: Bariatrische Chirurgie, Magen- und Darmoperationen auch bei Heranwachsenden?

Professor Philipp Szavay, Luzern, und Professor Inge, Cincinnati, USA

Fehlbildungen beim Neugeborenen: Auf die erste Operation kommt es an
Professor Udo Rolle, Frankfurt
Schlüsselloch-Chirurgie bei Säuglingen und Kindern im Unterschied zur Erwachsenen-Chirurgie: Möglichkeiten, Grenzen und Herausforderungen

Professor Philipp Szavay, Luzern

Kinder mit Krebs: Metastasen – Was tun wenn der Krebs gestreut hat?
Professor Jörg Fuchs, Tübingen
Kontakt für Journalisten:
Pressestelle Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH)
Dr. Adelheid Liebendörfer und Corinna Spirgat, M.A.
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-573
Fax: 0711 8931-167
spirgat@medizinkommunikation.org
liebendoerfer@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.dgkch.de
http://www.wofaps2013.com

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