Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Typ 1 Diabetes bei Kleinkindern: Lösliche Ballaststoffe ohne vorbeugende Wirkung

21.07.2015

Die Suche nach einem Nahrungsbestandteil, der vor Typ 1 Diabetes schützt, geht weiter: Auswertungen der internationalen TEDDY-Studie (The Environmental Determinants of Diabetes in the Young) lassen keinen protektiven Einfluss auf das Immunsystem oder das Mikrobiom durch die Aufnahme löslicher Ballaststoffe vermuten.

Eine ballaststoffarme Ernährung gilt als ein möglicher Auslöser für Erkrankungen wie Dickdarmkrebs oder das Reizdarmsyndrom, die auf entzündliche Prozesse oder eine Autoimmunreaktion zurückgehen.

Ob im Umkehrschluss eine ballaststoffhaltige Diät – insbesondere mit einem hohen Anteil an löslichen Ballaststoffen – die Autoimmunerkrankung Typ 1 Diabetes verhindern könnte, untersuchten Wissenschaftler des Instituts für Diabetesforschung und der Forschergruppe Diabetes e. V., Helmholtz Zentrum München.

Sie analysierten mehr als 17.600 Ernährungsprotokolle von über 3300 Kindern aus Deutschland und den USA, die an der TEDDY Studie teilnahmen. Die Ernährungsprotokolle wurden in regelmäßigen Abständen geführt, als die Kinder zwischen neun und 48 Monate alt waren.

Der Inselautoantikörper-Status der Kinder wurde alle drei Monate überprüft. Wenn ein oder mehrere Inselautoantikörper im Blut nachweisbar sind, spricht man von einer „Inselautoimmunität“. Bei mehreren Inselautoantikörpern entwickeln nahezu 100 Prozent der Betroffenen innerhalb von 20 Jahren einen Typ 1 Diabetes.

Schützen lösliche Ballaststoffe vor Inselautoimmunität?

Bei der Verdauung löslicher Ballaststoffe entstehen als Gärprodukte kurzkettige Fettsäuren, denen antientzündliche Eigenschaften zugeschrieben werden. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Ballaststoffe die Zusammensetzung der Darmflora beeinflussen. Die im Darm beheimateten Mikroorganismen wiederum interagieren mit dem Immunsystem.

Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass sich das Mikrobiom von Personen mit Typ 1 Diabetes von dem gesunder Personen unterscheidet. Daher gingen die Münchner Diabetesforscher davon aus, dass die reichliche Zufuhr von löslichen Ballaststoffen in den ersten beiden Lebensjahren vor der Entstehung einer Inselautoimmunität schützen könnte. In diesem Lebensabschnitt treten die meisten Fälle von Inselautoimmunität auf.

Diese Vermutung bestätigte sich leider nicht. Es konnte zu keinem Zeitpunkt im frühen Kindesalter ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen der aufgenommenen Menge von ballaststoffhaltiger Kost und einer späteren Inselautoimmunität beziehungsweise einem bereits manifesten Typ 1 Diabetes festgestellt werden.

„Unsere Auswertungen legen den Schluss nahe, dass eine ungenügende Ballaststoffzufuhr keinen direkten Einfluss auf entzündliche Prozesse im Körper hat, die zu Typ 1 Diabetes führen“, fasst Dr. Andreas Beyerlein, Statistiker vom Institut für Diabetesforschung die Ergebnisse zusammen. „Von Diätempfehlungen zur Vorbeugung von Typ 1 Diabetes bei Risikopersonen sind wir derzeit noch weit entfernt“, ergänzt Beyerleins Kollegin, die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Sandra Hummel.

„Möglicherweise beeinflussen andere Ernährungsbestandteile das Mikrobiom und die Entwicklung von Autoimmunität.“ Wegen der noch relativ kurzen Nachverfolgungszeit bei Teilnehmern der TEDDY Studie (im Mittel fünf Jahre) können langfristige Effekte allerdings nicht ausgeschlossen werden.

Die TEDDY Studie wird gefördert von dem National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK), dem National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), dem National Institute of Child Health and Human Development (NICHD), dem National Institute of Environmental Health Sciences (NIEHS), dem Juvenile Diabetes Research Foundation (JDRF) und den Centers for Disease Control and Prevention (CDC).

Original-Publikation:
Andreas Beyerlein, Xiang Liu, Ulla M Uusitalo, Minna Harsunen, Jill M Norris, Kristina Foterek, Suvi M Virtanen, Marian J Rewers, Jin-Xiong She, Olli Simell, Åke Lernmark, William Hagopian, Beena Akolkar, Anette-G Ziegler, Jeffrey P Krischer, Sandra Hummel, and the TEDDY study group.Dietary intake of soluble fiber and risk of islet autoimmunity by 5 y of age: results from the TEDDY study Am J Clin Nutr ajcn108159; First published online July 8, 2015. doi:10.3945/ajcn.115.108159

Claudia Pecher | Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München
Weitere Informationen:
http://www.kompetenznetz-diabetes-mellitus.net

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Breitbandservices von DNS:NET erweitert

20.06.2018 | Unternehmensmeldung

Mit Parasiten infizierte Stichlinge beeinflussen Verhalten gesunder Artgenossen

20.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics