Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tumorlage bestimmt Meningeom-Behandlung

24.03.2010
Auf welche Art Meningeome therapiert werden sollten, hängt vor allem von ihrer Lage im Kopf ab. So lautet das Fazit der Autoren eines jetzt vom DIMDI veröffentlichten HTA-Berichts (Health Technology Assessment).

Der Bericht vergleicht verschiedene Bestrahlungstechniken und die Mikrochirurgie (chirurgische Tumorentfernung). Außer zu einzelnen Tumorlokalisationen lässt die verfügbare Literatur keine Empfehlungen für oder gegen eine Therapie zu, so die Autoren. Sie fordern weitere Studien, auch zur Kosteneffektivität.

Der Bericht gliedert Ergebnisse zur medizinischen Wirksamkeit nach der Lage der Tumoren in einzelne Unterkapitel. Primär chirurgisch zu behandeln sind lediglich klar umrissene Tumoren in Rückenmark und Großhirnrinde. Bei allen anderen Lokalisationen kommen verschiedene Therapien in Betracht. Letztlich ist die Behandlung je nach Einzelfall zu wählen, schließen die Autoren. Entscheiden sollten die strahlentherapeutischen Möglichkeiten, die Erfahrung des Neurochirurgen sowie die Beschwerden und der Wunsch des Patienten.

Hochpräzise Strahlentherapie
Eine Möglichkeit, Tumoren nicht-invasiv zu entfernen, ist die stereotaktische Radiochirurgie, bei der mehrere, geometrisch exakt festgelegte Einzelstrahlen verabreicht werden. Ihre medizinische Wirksamkeit vergleicht der Bericht mit der der Mikrochirurgie. Speziell bei den langsam wachsenden Meningeomen kann auch eine stereotaktische fraktionierte Strahlentherapie sinnvoll sein: Die erforderliche Gesamtdosis wird dabei, anders als bei der Radiochirurgie, nicht auf einmal verabreicht, sondern fraktioniert (aufgeteilt) auf mehrere Behandlungen geringerer Stärke. Die einzelnen Bestrahlungen addieren sich dann zur Gesamtdosis.

Als besonderen Vorteil der stereotaktischen Bestrahlung nennen die Autoren ihre hohe Präzision: Erreicht wird diese durch unterschiedlich angeordnete Strahlenquellen. Sie bewirken erst in ihrem räumlich exakt festgelegten Zusammenwirken im Tumorgewebe die erforderliche Strahlendosis. Am Tumorrand fällt die Dosis ab, umliegendes Gewebe wird so geschont.

Anders als das klassische chirurgische Vorgehen können stereotaktische Bestrahlungen ambulant erfolgen. Notwendig sind allerdings aufwändige und kostenintensive Geräte, die hohe Investitions- und Betriebskosten mit sich bringen.

Noch zu wenig Evidenz
Der vorhandenen Literatur fehlt die notwendige Evidenz, um eindeutige Empfehlungen für oder gegen eine Therapie abzugeben. Die Autoren betonen daher die Notwendigkeit randomisierter kontrollierter Studien. Diese sollten abhängig von der Lage der Tumoren im Schädelinneren die mikrochirurgische Therapie direkt mit der Radiotherapie vergleichen. Auch die Kosteneffektivität der beiden Verfahren ist nicht abschließend zu vergleichen. Hierzu reichen ebenfalls die Studien nicht aus, bemängeln die Autoren. Die Autoren stellen zudem die Frage, ob in Deutschland ein flächendeckendes Netz von Zentren zur ambulanten stereotaktischen Radiochirurgie notwendig ist.
Meningeome - Tumoren im Kopf
Etwa 20 Prozent aller Tumoren im Schädelinneren sind (meist gutartige) Meningeome. Die genaue Ursache für ihre Entstehung ist unbekannt. Sie wachsen langsam und können an verschiedenen Stellen vorliegen. In Deutschland erkranken jährlich etwa sechs von 100.000 Menschen an einem Meningeom, wobei der Häufigkeitsgipfel um das 45. Lebensjahr liegt.

(Stellenwert der Radiochirurgie von Meningeomen im Vergleich mit der fraktionierten stereotaktischen Bestrahlung, der konventionellen 3D-geplanten konformalen Bestrahlung und der mikrochirurgischen Operation; Kirsten Schmieder, Martin Engelhardt, Sebastian Wawrzyniak, Sandra Börger, Kurt Becker, Andreas Zimolong)

HTA-Berichte bei DAHTA
Die HTA-Berichte sind in der DAHTA-Datenbank beim DIMDI bzw. im HTA-Journal bei German Medical Science (GMS) kostenfrei als Volltext abrufbar.

Das DIMDI stellt über das Internet hochwertige Informationen für alle Bereiche des Gesundheitswesens zur Verfügung. Es entwickelt und betreibt datenbankgestützte Informationssysteme für Arzneimittel und Medizinprodukte und verantwortet ein Programm zur Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien (Health Technology Assessment, HTA). Das DIMDI ist Herausgeber amtlicher medizinischer Klassifikationen wie ICD-10-GM und OPS und pflegt medizinische Terminologien, Thesauri, Nomenklaturen und Kataloge (z. B. MeSH, UMDNS, Alpha-ID, LOINC, OID), die für die Gesundheitstelematik von Bedeutung sind.

Das DIMDI ermöglicht den Online-Zugriff auf seine Informationssysteme und über 60 Datenbanken aus der gesamten Medizin. Dafür entwickelt und pflegt es moderne Software-Anwendungen und betreibt ein eigenes Rechenzentrum.

Weitere Informationen:
http://portal.dimdi.de/de/hta/hta_berichte/hta229_bericht_de.pdf - HTA-Bericht: Volltext (PDF, 2,6 MB)
http://portal.dimdi.de/de/hta/hta_berichte/hta229_kurzfassung_de.pdf - HTA-Bericht: Kurzfassung (PDF, 56 kB)
http://www.dimdi.de/de/hta/db/index.htm - HTA-Berichte beim DIMDI suchen
http://www.dimdi.de/de/hta/dahta/index.htm - HTA beim DIMDI
http://www.egms.de/de/reports/dahta/index.htm - HTA-Berichte der DAHTA bei German Medical Science (GMS)

Susanne Breuer | idw
Weitere Informationen:
http://www.dimdi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Spezialisten-Zellen helfen Gedächtnis auf die Sprünge
17.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie