Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Trink- und Mineralwasser - Arzneimittelrückstände vermeiden

02.05.2014

Trink- und Mineralwasser werden in Deutschland regelmäßig streng untersucht. Nach Aussage von Experten des Umweltbundesamtes und des Bundesamtes für Risikobewertung sind beide generell von sehr guter Qualität. Trotzdem führen Meldungen, etwa über hormonell wirksame Stoffe in Mineralwasser, verständlicherweise zu Verunsicherung.

Quellen für Stoffe mit hormonähnlichen Eigenschaften (endokrine Disruptoren) finden sich einerseits in Arzneimitteln wie der Antibabypille und andererseits in der Industrie, etwa der Kunststoffindustrie. Sie stehen unter anderem in Verdacht, das Risiko für bestimmte Krebs- und Stoffwechselerkrankungen zu erhöhen und die Fruchtbarkeit zu beeinflussen.

Untersuchungen sprechen zwar für eine geringe Rückstandskonzentration im Wasser, aber mit widersprüchlichen Aussagen zu den Ergebnissen. Nach Ansicht des Umweltbundesamtes (UBA) weiß man zum Beispiel noch zu wenig zu den Transportmechanismen, Nebenprodukten und den Wirkungen, wenn geringe Mengen dieser Stoffe ein Leben lang aufgenommen werden oder wenn mehrere Stoffe nebeneinander vorliegen. Zurzeit wird intensiv daran gearbeitet, zusätzliche Kriterien und Testmethoden zu entwickeln.   

Auf privater Ebene lässt sich allerdings etwas tun. Stichwort Arzneimittel: In Deutschland werden pro Jahr etwa 8.100 Tonnen potenziell umweltrelevanter Arzneimittel-Wirkstoffe verbraucht - mit rund 1.500 verschiedenen Wirkstoffen.

Zu den häufigsten Arzneimitteln zählten Schmerzmittel, Antibiotika, Blutdrucksenker, Psychopharmaka und Hormone, bilanzierte der Ernährungswissenschaftler Dr. Martin Keller vom Institut für alternative und nachhaltige Ernährung auf einer Fachveranstaltung des Vereins für Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB).

Viele Stoffe scheide der menschliche Körper teilweise über den Urin unverändert wieder aus. Dazu kämen beträchtliche Mengen ungenutzter Arzneimittel, die immer noch über die Toilette entsorgt werden. So gelangten alljährlich viele Tonnen mit dem belasteten Abwasser in die Kläranlagen, könnten dort nicht alle zurückgehalten werden und würden sich so in der Umwelt wiederfinden.

Keller verwies hier auf Untersuchungen, nach denen man in Oberflächenwasser Spuren von über 100 verschiedenen Stoffen gefunden hat. In Grund- und Trinkwasser habe man nur einen Bruchteil und diese in noch geringeren Konzentrationen entdeckt.

Bei der Bewertung schließt sich der Wissenschaftler den offiziellen Stellen an: Die Rückstände stellen demnach zwar kein Risiko für die menschliche Gesundheit dar, dennoch sollte der Eintrag von Arzneimitteln in die Umwelt aus Sicht eines vorsorgenden Umwelt- und Gesundheitsschutzes so gering wie möglich sein.

Bislang gibt es weder für Oberflächengewässer noch für Grund- oder Trinkwasser verbindliche Regeln bezüglich der Rückstandsmengen. Unterlagen zur Umweltrisikobewertung sind nur für neu zuzulassende Arzneimittel vorzulegen.

Ein erster wichtiger Schritt sei insofern getan, dass drei pharmazeutische Stoffe (das Schmerzmittel Diclofenac und die Verhütungsmittel Ethinylestradiol und Estradiol) jetzt von der EU-Kommission auf eine neue "Beobachtungsliste" aufgenommen werden sollten und damit von den Mitgliedsstaaten überwacht werden müssten, meint Keller. Außerdem sollen Strategien entwickelt werden, um Risiken von Pharmazeutika in Gewässern besser begegnen zu können; Grenzwerte sollen ab 2016 festgesetzt werden.   

Es gilt aber nach wie vor: Arzneimittelreste gehören am besten zurück in die Apotheke und auf keinen Fall in die Toilette.

Bettina Pabel, www.aid.de

Bettina Pabel | www.aid.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik