Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Trichterbrust: Minimal-invasive Operationsmethode am UKM jetzt auch für junge Erwachsene

04.11.2010
Thoraxchirurg Dr. Karsten Wiebe:
„Keine große Narbe auf dem Brustkorb mehr nötig“

Am Universitätsklinikum Münster (UKM) wurde nun erstmals bei jungen Erwachsenen am UKM eine minimal-invasive Operationsmethode zur Korrektur der Trichterbrust erfolgreich durchgeführt. Dabei wird ein ca. ein Zentimeter breiter Metallbügel mit Hilfe zwei kleiner seitlicher Schnitte am Oberkörper eingeführt. Ein großer Schnitt direkt in der Mitte des Brustkorbes ist nicht mehr nötig. Durchgeführt wurden die Operationen von Thoraxchirurg Privat-Dozent Dr. Karsten Wiebe.

„Der Erfolg ist direkt sichtbar und die Erholungsdauer sind im Vergleich zum offenen Eingriff deutlich kürzer“, so der Thoraxexperte des UKM. Während das Verfahren bei Kindern und Jugendlichen schon seit über sechs Jahren in der Kinder- und Neugeborenenchirurgie des UKM (Chefärztin Dr. Kerstin Lohse) erfolgreich durchgeführt wird, ist nun in Kooperation mit der Kinderchirurgie auch ein entsprechendes Angebot für junge Erwachsene am UKM möglich.

Dr. Wiebe „Das Verfahren wurde 1998 vorgestellt und ist inzwischen etabliert. In der Kinderchirurgie hatte sich das Verfahren schnell durchgesetzt: Bei Kindern sind die Knochen und Knorpel noch elastischer. Bei Erwachsenen muss man jeweils im Einzelfall entscheiden, ob diese Methode angewendet werden kann. Ein entscheidender Vorteil ist natürlich, dass die Narben deutlich kleiner und an den Seiten sind, nicht direkt auf dem Brustkorb.“

Bei dem Verfahren, der so genannten „Nuss-Technik“ (benannt nach dem Begründer Dr. Donald Nuss), wird der Metallbügel zunächst an der einen Seite eingeführt und komplett unter dem Brustbein und den Rippen platziert, gedreht und exakt fixiert. Das Brustbein und die Rippen werden dadurch direkt nach außen gewölbt. „Stark vereinfacht gesagt: Der Brustkorb wird ausgebeult“, umschreibt der UKM-Mediziner das Verfahren. Die Metallbügel bleiben im Anschluss ca. zwei Jahre im Oberkörper der Patienten, nach einer Schonphase sind Ausdauer-Sportarten wie Jogging möglich. Eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen ist im Vorfeld individuell abzustimmen.

Bei der Trichterbrust, im Fachbegriff „Pectus Excavatum“ ist der Brustkorb teilweise sehr stark deformiert: Er ist trichterförmig nach innen gewölbt. „Dabei kann im Einzelfall Druck auf die lebenswichtigen Organe im Brustkorb entstehen. Dies kann das Herz beeinträchtigen und z.B. zur Kurzatmigkeit führen. Die meisten Patienten, gerade die jungen Menschen, leiden erheblich unter starken seelischen Belastungen durch die Fehlbildung des Brustkorbes, so Dr. Wiebe.

Die nun im UKM operierten Patienten sind 19 und 18 Jahre alt. Beiden geht es gut: „Eine offene Operation mit einer großen Narbe auf dem Brustkorb wollte ich nicht. Daher bin ich froh, dass die neue Methode deutlich kleinere Narben hinterlässt“, so die 19-jährige Schülerin. Auch der 18-jährige Patient, der von Dr. Wiebe im Oktober operiert wurde, sieht das so. Der junge Mann aus dem Emsland bringt es auf den Punkt: „Lieber den Bügel im Brustkorb als die Beule.“

Stefan Dreising | Universitätsklinikum Münster (UK
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de

Weitere Berichte zu: Brustbein Brustkorb Kinderchirurgie Metallbügel Narbe Oberkörper Trichterbrust UKM

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise