Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Trainiere Deine DNA!

21.08.2008
EXTREMER LEISTUNGSSPORT - FITNESSTEST FÜR DNA

Ungewöhnlich starke körperliche Belastung provoziert zwar oxidativen Stress, der in der Folge aber keine nachhaltigen DNA-Schäden verursacht. Dies ist eines der zahlreichen Ergebnisse eines ungewöhnlichen Forschungsprojektes des Wissenschaftsfonds FWF, die jetzt veröffentlicht werden.

Im Rahmen dieser Studie nahmen 42 Männer nicht nur an einem Triathlon, sondern gleichzeitig auch an einer umfassenden medizinischen Studie teil. In dieser wurden zahlreiche physiologische Werte in einem Zeitraum von zwei Tagen vor bis 19 Tage nach dem Triathlon untersucht.

Von "Sport macht fit" bis "Sport ist Mord" reicht das Spektrum persönlicher Einschätzungen der Konsequenzen körperlicher Betätigung. Wissenschaftlich unbestritten ist der physiologische Nutzen eines regelmäßigen Sporttrainings
- nicht so eindeutig belegt ist der für extreme Ausdauerbelastung.
Tatsächlich gibt es Indizien, dass z. B. Ultra-LangläuferInnen ein erhöhtes Gesundheitsrisiko durch starken oxidativen Stress erleiden. Dabei entstehen reaktive Formen von Sauerstoff und Stoffwechselprodukte, die Zellen- und Zellbestandteile schädigen können. Ob diese Belastung der LäuferInnen auch die oftmals als Konsequenz beobachteten DNA-Schädigungen verursacht, klärte nun ein Projekt des Wissenschaftsfonds FWF.
EISENHARTE WISSENSCHAFT
Im Rahmen des Projektes wurden 42 männliche Teilnehmer des Ironman Austria untersucht. Von diesen wurden in der Folge 24 Teilnehmer für eine erweiterte Untersuchung auf DNA-Schäden herangezogen. Zu den Ergebnissen Studienleiter Prof. Karl-Heinz Wagner vom Dept. für Ernährungswissenschaften der Universität Wien: "Oxidativer Stress wird durch aggressive Sauerstoff-Radikale im Körper gebildet, die auch DNA schädigen können. Den kurzfristigen Anstieg einiger Indikatoren für oxidativen Stress während des Wettbewerbs konnten wir sehr gut belegen und haben diese Ergebnisse auch bereits publiziert. Jetzt konnten wir jedoch zusätzlich noch zeigen, dass es trotz dieses Anstiegs zu keinen nennenswerten und dauernden Schäden der DNA der Sportler kam. Ein Ergebnis, das überrascht und zunächst im Widerspruch zu Daten aus ähnlichen Studien zu liegen scheint."
So zeigten andere Studien vor Kurzem während des Rennens einen Anstieg von DNA-Schäden bei LäuferInnen eines Ultra-Marathons. Gleiches galt für MarathonläuferInnen unmittelbar nach dem Rennen. Doch untersuchten diese Studien weder Wettbewerbe, bei denen die körperliche Anstrengung länger als

8 Stunden dauerte, noch wurden die Daten über einen so langen Zeitraum wie bei dem Projekt von Prof. Wagner erhoben. So sammelte das österreichische Forschungs-Team Blutproben der Triathleten zu insgesamt fünf Zeitpunkten: 2 Tage vor dem Rennen sowie 20 Minuten und 1, 5 bzw. 19 Tage nach dem Rennen.

Zu den scheinbaren Widersprüchen meint Mag. Stefanie Reichhold, die gemeinsam mit Mag. Oliver Neubauer das Projekt operativ betreute: "In den vergleichbaren Studien wurden andere, v. a. kurzlebige DNA-Schäden analysiert. In unserer Studie konzentrierten wir uns vor allem auf Schädigungen der DNA, die sich nach der Zellteilung auch in Tochterzellen wiederfinden und somit zu einer nachhaltigen Beeinträchtigung des Körpers führen können. Doch hier ist Entwarnung zu geben - unsere Studie zeigt klar, dass es in diesem Fall zu keiner Erhöhung der untersuchten DNA-Schäden durch extremen Leistungssport kam."

FIT DANK STRESS
Für das Team um Prof. Wagner ist dieses Ergebnis ein Hinweis darauf, dass ein austrainierter Körper auf erhöhten oxidativen Stress - und die damit einhergehende Gefahr von DNA-Schäden - mit verstärkter Aktivierung von Gegenmechanismen reagiert. Dies können zum einen DNA-Reparaturmechanismen sein, aber auch Maßnahmen zur Bekämpfung der ursächlichen freien Sauerstoffradikale. Diese Interpretation steht im Einklang mit anderen bereits publizierten Ergebnissen aus dieser Studie, die eine sehr rasche und heftige entzündliche Reaktion des Körpers während der Belastung zeigen ­ und ein ebenso rasches Abklingen dieser physiologischen Vorgänge.

Zusammenfassend deuten die Ergebnisse des FWF-Projektes an, dass die Auswirkung von Extremsport stark vom Trainingszustand abhängt ­ und nicht vor der molekularen Ebene haltmacht.

Originalpublikation: No acute and persistant DNA Damage after an Ironman Triathlon. S. Reichhold, O. Neubauer, V. Ehrlich, S. Knasmüller & K.-H.
Wagner, Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 2008, 17(8).

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Karl-Heinz Wagner
Universität Wien
Dept. Ernährungswissenschaften
T +43 / 1 / 4277 ­ 54930
E karl-heinz.wagner@univie.ac.at
Der Wissenschaftsfonds FWF:
Mag. Stefan Bernhardt
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 - 8111
E stefan.bernhardt@fwf.ac.at

Prof. Karl-Heinz Wagner | Universität Wien
Weitere Informationen:
http://www.fwf.ac.at/de/public_relations/press/pv200808-2de.html
http://www.prd.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise