Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Im Tierexperiment gezeigt: Antidiabetikum steigert körpereigene Krebsabwehr

08.06.2009
Das bei Diabetes Typ 2 und auch beim PCO-Syndrom eingesetzte Medikament Metformin verringert das Risiko, an Krebs zu erkranken.

Eine aktuelle Studie von US-Forschern hat einen möglichen Mechanismus dafür nachgewiesen. "Dieser positive Nebeneffekt ist nicht nur eine gute Nachricht für an Diabetes und PCOS Erkrankte, die mit Metformin behandelt werden", erläutert Professor Dr. med. Helmut Schatz, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, der Fachvereinigung für Hormon- und Stoffwechselerkrankungen.

Die Studienergebnisse zeigen auch eine Möglichkeit auf, die körpereigene Krebsabwehr und die Wirkung von Krebs-Impfstoffen zu verbessern.

Metformin ist das am häufigsten eingesetzte Medikament in der Therapie des Diabetes Typ 2. "Das orale Antidiabetikum Metformin steht an der ersten Stelle in der Therapie bei Typ-2- Diabetes, und zwar weltweit in allen Leitlinien.

Über 50 Prozent der verschriebenen Diabetestabletten sind heute Metformin, mit steigender Tendenz", erläutert Professor Helmut Schatz, Bochum. Endokrinologen setzen es außerdem ein, um Frauen mit einem Polyzystischen Ovarial-Syndrom (PCOS) zu behandeln. Bereits in früheren Studien vermuteten Experten, dass Metformin außerdem das Krebsrisiko senkt. So hatten beispielsweise Frauen mit Diabetes Typ 2, die an Brustkrebs erkrankt waren und Metformin einnahmen, eine höhere Krebsheilungsrate.

Warum dies so ist, konnte bisher jedoch nicht nachgewiesen werden. Einen möglichen Mechanismus hat nun eine Forschergruppe von der Universität Philadelphia entdeckt: Sie verabreichten Metformin an Versuchtiere und beobachteten, dass dies positive Auswirkungen auf deren Immunsystem hatte. Weitere Untersuchungen zeigten, dass Tiere, die einen experimentellen Krebs-Impfstoff erhielten, seltener an Krebs erkrankten, wenn ihnen gleichzeitig Metformin verabreicht wurde.

Ursache für diese Wirkung ist, dass Metformin unter anderem auch die Verbrennung von Fettsäuren steigert. Dies wiederum wirkt sich positiv auf das Immunsystem aus, da eine vermehrte Fettsäureverbrennung die Bildung von sogenannten Gedächtniszellen anregt. Diese Zellen bildet das Immunsystem nach dem Kontakt mit Krankheitserregern, um bei erneutem Zusammentreffen schnell und effizient eine Abwehrreaktion auslösen zu können. Das immunologische Gedächtnis bewirkt damit, dass eine Impfung über Jahre schützend wirkt.

In der Diabetes-Therapie wird Metformin eingesetzt, um den Blutzucker zu senken. In der Therapie des PCO-Syndroms, bei dem - wie beim Diabetes Typ 2 - häufig gleichzeitig eine Insulinresistenz vorliegt, kann es beispielsweise Symptome wie Übergewicht, Unfruchtbarkeit, Akne oder Haarausfall verbessern. Ausschlusskriterien sind Unverträglichkeit und Nierenstörungen. Deshalb geht jeder Therapie mit Metformin eine individuelle Beratung durch den Arzt voraus. "Da in größeren Untersuchungsreihen bei Diabetespatienten häufiger Krebserkrankungen gefunden wurden, sind die aktuellen Erkenntnisse ein zusätzlicher, neuer Aspekt für die individuellen Therapieabwägungen", meint Professor Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

Quelle:
Erika L. Pearce et al.:
Enhancing CD8 T-cell memory by modulating fatty acid metabolism
Nature 2009; DOI: 10.1038/nature08097
Kontakt für Journalisten:
Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie
Beate Schweizer
Pf 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931 295, Fax: 0711 8931 167
Schweizer@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.endokrinologie.net
http://www.nature.com/nature/journal/vaop/ncurrent/abs/nature08097.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften