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Therapie der Raucherlunge fordert hohe Disziplin

10.05.2010
Online-Umfrage für Betroffene will bessere Aufklärung erreichen

Die Volkskrankheiten COPD und Lungenemphysem, oft kurz als "Raucherlunge" bezeichnet, erfordern in der Therapie viel Mitarbeit des Patienten. "Genau daran scheitert die Behandlung jedoch oft", berichtet Jens Lingemann, Leiter der Koordinationsstelle Lungenemphysem-COPD Deutschland gegenüber pressetext.

Zwei Lungen-Selbsthilfe-Organisationen starten nun eine Online-Umfrage für Patienten mit COPD/Lungenemphysem zum Thema "Therapietreue", die zur Aufklärung der über sechs Mio. Patienten im deutschsprachigen Raum beitragen soll.

Genieren mit der Nasenbrille

Therapietreue - medizinisch "Compliance" genannt - heißt bei Raucherlunge nicht nur, auf Zigaretten zu verzichten, betont Lingemann. "Vordergründig ist vor allem, die medikamentöse Therapie einzuhalten, des weiteren auch die Langzeit-Sauerstofftherapie, physikalisch-therapeutische Maßnahmen wie Lungensport, Atem- und Bewegungsübungen sowie auch das verlässliche Erscheinen zu Arztterminen." Die Behandlung von COPD und Lungenemphysem ist somit auf ein hohes Maß von Patientenmitarbeit angewiesen, die auch den Alltag betreffen (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/090908003/ ).

Nicht bestimmte Situationen, sondern individuelle Ursachen gefährden laut dem Experten diese Mitarbeit. "Viele Patienten genieren sich etwa, in der Öffentlichkeit eine Sauerstoff-Nasenbrille zu tragen. Ebenso gehen viele lax mit Medikamenten um oder brechen eine begonnene Antibiotika-Therapie eigenmächtig ab, sobald kleine Besserungen spürbar sind. Dadurch wird der Körper jedoch resistent gegenüber der Therapie, was die Situation noch verschlimmert", so Lingemann.

Riesige Wissenslücken

Der Knackpunkt für die Compliance dürfte in der Aufklärung liegen. Manche Lungenärzte machen das schlechte Gewissen dafür verantwortlich, dass sich Raucher zu wenig über die Krankheit informieren (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/100409003/ ). Lingemann sieht es eher als Folge eines Fatalismus. "Viele handeln nach dem Prinzip 'Was ich nicht weiß, kann mir nicht schaden'. Doch erst ein Patient, der ausreichend über COPD, ihre Folgen und Behandlungsmöglichkeiten informiert ist, versteht den Sinn der Behandlung und leistet seinen Beitrag für den Therapieerfolg."

Um dieses Patientenwissen steht es noch schlecht. "Der Aufklärungsgrad ist extrem niedrig, wie man beim Wissensstand der Neuzugänge in Selbsthilfegruppen erkennt. Das führt zwangsläufig zu Verhaltensfehlern", so Lingemann. Erhältlich sei die Information im Internet, bei Selbsthilfegruppen, in Kampagnen oder beim Arzt. "Ziel ist es, ein Gesundheitsbewusstsein zu entwickeln und die Krankheit zu akzeptieren, um mit ihr zu leben. Ein Leben gegen sie gibt es nicht, da die Lungenschädigung irreversibel ist. Das Leben endet nicht mit der Diagnose COPD/Lungenemphysem, sondern beginnt neu - bloß auf eine andere Weise als bisher", betont der Experte.

Umfrage unter Betroffenen

Die nun gestartete Umfrage sammelt individuelle Gründe, warum die Therapietreue bei vielen Patienten fehlt. Die Initiatoren erwarten sich daraus Hinweise, die den Betroffenen dabei helfen, Barrieren zu überwinden und ihren Beitrag optimal zu leisten. Mitgetragen wird die Umfrage von drei großen medizinischen Fachgesellschaften.

Link zur Umfrage: http://www.lungenemphysem-copd.de/pages/umfragen/compliance/compliance.php/

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.lungenemphysem-copd.de

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