Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Therapie von Morbus Bechterew: Schmerzmittel bremsen Fortschreiten rheumatischer Erkrankung

29.08.2012
Oft beginnt die Krankheit mit Schmerzen und Steifigkeit im unteren Rücken. Der Morbus Bechterew, auch ankylosierende Spondylitis (AS) genannt, ist eine chronische Entzündung vor allem der Wirbelsäule.
Als Behandlung werden in erster Linie sogenannte nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) eingesetzt. Aktuelle Studien zeigen jetzt, dass diese Medikamente nicht nur Schmerzen lindern, sondern auch das Fortschreiten der Krankheit bremsen können.

„Diese Erkenntnis wird die Therapie wahrscheinlich maßgeblich verändern“, sagt einer der Autoren, Professor Dr. med. Joachim Sieper, Berlin. Über die optimale Therapie entzündlicher Rückenschmerzen bei rheumatischen Erkrankungen diskutieren Experten auf der Pressekonferenz am 20. September 2012 im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) in Bochum.

Bis zu 340 000 Menschen leiden in Deutschland an ankylosierender Spondylitis (AS). Viele Betroffene klagen über Schmerzen in der Wirbelsäule, im Kreuz, in den Gesäßhälften oder in den Hüften. Morgens sind die Beschwerden besonders stark. In der 2. Nachthälfte wachen AS-Patienten wegen der Schmerzen auf, dann müssen sie sich bewegen, um sich Erleichterung zu verschaffen. „Oft treten die Symptome bereits im Alter von etwa 26 Jahren auf,“ so der Kongress-Präsident Professor Dr. med. Jürgen Braun. Eine frühe Diagnose sei wichtig, um eine optimale Therapie einleiten zu können, denn der entzündliche Prozess könne zu einer knöchernen Versteifung der Wirbelsäule führen.

Gegen Schmerzen und Steifheit verordnen Ärzte nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen, Indometacin oder ein Coxib. Aber mehr als die Hälfte der Patienten nimmt diese Mittel nicht regelmäßig - etwa dann, wenn die Beschwerden relativ gering sind oder wenn andere Arzneimittel wie die TNF-Blocker einnehmen. „Dabei zeigen Studien, dass eine regelmäßige NSAR-Einnahme über einen längeren Zeitraum nicht nur die Symptome lindert, sondern auch das Fortschreiten der Erkrankung bremsen kann – allerdings nur bei bestimmten Patienten,“ so Professor Sieper, Leiter der Rheumatologie an der Charité Universitätsmedizin Berlin.

In einer aktuellen Studie untersuchten Berliner Rheumatologen den Verlauf von 88 AS-Patienten über zwei Jahre. Diejenigen Patienten, die regelmäßig NSAR eingenommen hatten (mindestens 50% der maximalen empfohlenen Dosis täglich), wiesen keine weitere Verknöcherung in der Wirbelsäule auf. Dagegen verschlimmerte sich die Versteifung der Wirbelsäule bei den Patienten, die NSAR seltener oder in einer kleineren Dosis einnahmen.

„Von dieser Behandlung haben vor allem die Patienten profitiert, die das höchste Risiko für eine Verschlimmerung der Erkrankung hatten“, erläutert Professor Sieper. Das waren Menschen mit hohen Werten des Entzündungsmarkers C-reaktives Protein (CRP) oder aber mit sogenannten Syndesmophyten. Das sind Knochenneubildungen zwischen den Wirbelkörpern, die die Beweglichkeit der Wirbelsäule einschränken. „Diese beiden Risikofaktoren weisen etwa ein Drittel der AS-Patienten auf“, so Professor Sieper.
„Auf dem DGRh-Kongress und der Pressekonferenz werden Experten über die optimale Behandlung und vor allem die frühzeitige Diagnose und Therapie von Patienten mit ankylosierender Spondylitis diskutieren“, sagt Professor Braun, ärztlicher Direktor des Rheumazentrums Ruhrgebiet in Herne. Gemeinsam mit der 26. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh) und der 22. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR) findet der Kongress vom 19. bis 22. September 2012 in Bochum statt.

Bei Veröffentlichung Beleg erbeten.

Quelle: Denis Poddubnyy, Martin Rudwaleit, Hildrun Haibel, Joachim Listing, Elisabeth Märker-Hermann, Henning Zeidler, Jürgen Braun, Joachim Sieper: Effect of non-steroidal anti-inflammatory drugs on radiographic spinal progression in patients with axial spondyloarthritis: results from the German Spondyloarthritis Inception Cohort. Annals of Rheumatic Diseases, 2012, Online-Vorabveröffentlichung

Terminhinweise:

Vortrag im Rahmen des DGRh-Kongresses:
Update Spondylarthritis (SpA)
Termin: Freitag, 21. September 2012, 14.30 bis 16.00 Uhr
Ort: RuhrCongress Bochum

Kongress-Pressekonferenz anlässlich des DGRh-Kongresses:
Eines der Themen: Anhaltende Rückenschmerzen im jungen Alter – ein mögliches Symptom für entzündliche Erkrankungen der Wirbelsäule
Termin: 20. September 2012, 11.30 bis 12.30 Uhr
Ort: Tagungsraum Madrid+Brüssel (Renaissance Hotel), RuhrCongress,
Viktoriastr. 10, 44787 Bochum

Pressekontakt:
Kathrin Gießelmann
Kongress-Pressestelle DGRh
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-981
Fax: 0711 8931-656-981
giesselmann@medizinkommunikation.org

Kathrin Gießelmann | idw
Weitere Informationen:
http://dgrh-kongress.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kostformen im Vergleich: Für Menschen mit Diabetes ist die Mittelmeer-Diät besonders gut geeignet
19.01.2018 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Vielversprechender Malaria-Wirkstoff erprobt
19.01.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungen

Transferkonferenz Digitalisierung und Innovation

22.01.2018 | Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
Weitere B2B-VideoLinks
Aktuelle Beiträge

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Forschungsteam schafft neue Möglichkeiten für Medizin und Materialwissenschaft

22.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus mit zwei Gesichtern

22.01.2018 | Architektur Bauwesen