Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Teststation für zahnfreundliche Produkte im Aufbau

06.04.2009
Zahnklinik der Universität Witten/Herdecke erforscht Zahnbeläge im Mund

Die Zahnklinik der Universität Witten/Herdecke baut eine Teststation für die Erforschung von Zahnbelägen und zahnfreundlichen Produkten auf. Im März übernahm Prof. Dr. Stefan Zimmer, der auf die Kariesvorbeugung spezialisiert ist, in Jena symbolisch eine Prothese, die dort bisher zur Messung der Mundflora diente.

"Das Labor in Jena, das einzige in Deutschland, wird geschlossen. Wir in Witten bauen ein neues auf, mit neuen Geräten, um uns am weltweiten Messsystem zu beteiligen", erklärt Zimmer die Pläne, die Ende des Jahres abgeschlossen sein sollen.

Dann wird Witten über ein modernes, computergestütztes Messsystem verfügen, mit dem der ph-Wert im Mund gemessen werden kann. Dieser ph-Wert zeigt die Säurekonzentration an, die nach dem Genuss von Süßigkeiten rapide ansteigt. "Die Bakterien im Mund wandeln den Zucker in Säure um und diese Säure entkalkt den Zahnschmelz, macht ihn damit weich und bereit für die Karieslöcher", erläutert Zimmer den Zusammenhang. Das große Einzugsgebiet der Zahnklinik macht Witten zum idealen Standort für diese einmalige Einrichtung.

Denn keinesfalls Jeder kommt als Testperson in Frage, so eine Mess-Einheit passt schließlich nicht in jedes Gebiss und ohne die geht es nun mal nicht, macht Zimmer klar: "Die Prothese hat einen Messfühler, der genau im Zahnzwischenraum liegt. Dort wachsen die Bakterien am besten. Unsere Testpersonen dürfen sich dann zwei bis vier Tage lang die Zähne nicht putzen, damit auf jeden Fall genug Bakterien vorhanden sind." Für diese Unannehmlichkeit bekommen die Testpersonen eine finanzielle Entschädigung. Zähnen und Zahnfleisch schadet es bei sonst guter Mundhygiene nicht, ab und zu 2-4 Tage auf die Zahnbürste zu verzichten.

Diese Vorbereitung ist nötig, um dann die Wirkung von bestimmten Speisen und Getränken zu erforschen. Über einen winzigen Stecker und ein Kabel sendet die Sonde ihre Messwerte an den Computer und macht so die Reaktion der Bakterien sichtbar. "Die Bakterien arbeiten schnell: Nach 1-2 Minuten schlägt die Sonde schon an", berichtet Prof. Zimmer. Zimmer ist ehrenamtlich Vorsitzender der "Aktion Zahnfreundlich e.V.", einem gemeinnützigen Verein, der Produkte auszeichnet, die den Zähnen keinen Schaden zufügen. "Dazu müssen sie nicht nur zuckerfrei im Sinne des Gesetzes sein, sondern auch auf versteckten Zucker, z.B. Fruchtzucker verzichten. Auch geringe Spuren von anderen Kohlenhydraten können schon für die Säureproduktion ausreichen. Außerdem dürfen die Produkte keinen zu hohen Anteil an Säuren, z.B. an Zitronensäure, haben. Die wird gerne als Konservierungsmittel eingesetzt, aber der Säureanteil schädigt den Zahn direkt, ohne Umweg über die Bakterien. Beides können wir mit dieser Telemetriestation, die wir aufbauen, messen."

Die Forscher arbeiten beim Aufbau in einem internationalen Verbund, weitere Messstationen stehen in Zürich und Tokyo. Die Wittener Station muss erst mit geeichten Proben nachweisen, dass sie ebenso einwandfreie Messungen produziert wie die anderen, damit sie anerkannt werden kann. "Ein Ziel der Arbeit ist es, zahnfreundliche Produkte für den Verbraucher mit dem Logo des Zahnmännchens erkennbar zu machen. Denn immer noch sind zu viele Produkte auf dem Markt, die über versteckten Zucker oder andere Zutaten die Zähne schädigen. Bisher haben nur rund 100 Produkte diese Auszeichnung verdient. Das wollen wir langfristig ändern", blickt Zimmer in eine hoffnungsvolle Zukunft.

Kay Gropp | idw
Weitere Informationen:
http://www.zahnmaennchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Weltweit einmalig: Korrekte Diagnose der Lungentuberkulose in nur drei Tagen
16.04.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics