Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Telenotarzt: Diagnose per Live-Übertragung steigert Qualität der Patientenversorgung

06.05.2014

Der Einsatz eines Telenotarztes als zusätzlicher Bestandteil des Rettungsdienstes kann die notärztliche Versorgung deutlich verbessern.

Dieses Fazit ziehen Experten im Rahmen des von der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) ausgerichteten Deutschen Anästhesie-congresses (DAC), der vom 8. bis zum 10. Mai 2014 in Leipzig stattfindet. Häufig treffen Rettungsassistenten vor dem Notarzt beim Patienten ein. Wenn sie schon bei ihrer Ankunft den Rat eines Telenotarztes hinzuziehen, können sie die Behandlung früher einleiten.

Zudem ermöglicht diese ergänzende notärztliche Versorgung einen gezielteren Einsatz der konventionell vor Ort tätigen Notärzte. Das erhöht ihre Verfügbarkeit und sichert eine flächendeckende Versorgung.
„Die hohe Qualität unserer medizinischen Versorgung muss auch in Zukunft gerade im ländlichen Raum gesichert werden. Dabei spielt die Entwicklung der Telemedizin im Übrigen eine zentrale Rolle.“ [1]

Der Auszug einer Regierungserklärung der Bundeskanzlerin Angela Merkel legt den hohen Stellenwert der Telemedizin dar. Auch im Rettungsdienst bringt diese Vorteile: „Die Einbindung eines Telenotarztes ermöglicht eine schnellere und bessere Versorgung der Patienten am Einsatzort“, erklärt Professor Dr. med. Rolf Rossaint, Kongresspräsident des DAC und Direktor der Klinik für Anästhesiologie am Universitätsklinikum Aachen. Auch der DGAI-Präsident Professor Dr. med. Christian Werner würdigt das neue Rettungssystem: „Die Weiterentwicklung des Kompetenzbereichs Notfallmedizin gemäß den veränderten Rahmenbedingungen ist ein wichtiges Ziel unserer Fachgesellschaft.“

Hohe Patientensicherheit bei Behandlung durch Telenotarz

Ein speziell geschulter Telenotarzt gibt dem Rettungsdienstpersonal von der Leitstelle aus über eine Live-Schaltung Hilfestellung. Dieses bundesweit einzigartige System wurde im April dieses Jahres in der Stadt Aachen eingeführt. Grundlage dafür waren die Forschungsprojekte „Med-on-@ix“ und „TemRas“ (telemedizinisches Rettungsassistenzsystem), die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie bzw. vom Land Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union gefördert wurden.

„Die Projekte haben gezeigt, dass die Patientensicherheit sogar gesteigert werden kann, wenn der Notarzt über die Telekonsultation einbezogen wird“, berichtet Dr. med. Jörg Brokmann, Leiter der Notaufnahme am Universitätsklinikum Aachen im Rahmen seines Vortrages auf dem DAC. Die Anamnese- und Therapievorschläge des telemedizinischen Systems beruhen auf allgemeingültigen Leitlinien. Den Experten zufolge könne somit offenbar eine bessere Versorgungsqualität bei bestimmten Krankheiten, wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder auch bei der akuten Schmerztherapie von Notfallpatienten, erreicht werden [2-4].

Forschungsergebnisse belegen Vorteile des neuen Rettungssystems

Wie das Forschungsprojekt „TemRas“ verdeutlichte, war die Unterstützung eines Telenotarztes alleine in 280 von insgesamt 401 ausgewerteten Einsätzen ausreichend [5]. Andererseits hat der Telenotarzt in 34 Fällen die Notwendigkeit eines Notarztes am Einsatzort erkannt und diesen nachalarmiert [5]. Bei 32 Einsätzen ist ein Notarzt von vornherein parallel ausgerückt [5]. Doch die früher eingetroffenen Rettungsassistenten benötigten sofort ärztliche Beratung, die in der Zwischenzeit über den Telenotarzt erfolgte [5]. In 52 Fällen konnte der Notarzt durch den Telenotarzt abgelöst werden [5]. Er übernahm die weitere Behandlung sowie die Transportbegleitung, so dass der Notarzt für andere lebensbedrohlichere Einsätze wieder einsatzbereit war. [5]. Dafür werden die Vitalparameter des Patienten nach dessen Einwilligung an die Leitstelle übermittelt. Auch eine Video-Übertragung ist möglich. Schon während des Einsatzes kann der Telenotarzt weitere Informationen einholen, zum Beispiel bei medizinischen Datenbanken oder Ansprechpartnern in Kliniken und Praxen. Zudem wird eine direkte Anschlussbehandlung in der Klinik ermöglicht, indem der Telenotarzt die Einlieferung des Patienten vorab ankündigt.

Effektive Patientenversorgung auch bei steigenden Einsatzzahlen

„Durch den zielgerichteten Einsatz sind mehr Notärzte verfügbar“, betont Rossaint. Er weist darauf hin, dass sie „dadurch in erster Linie Patienten in lebensbedrohlichen Situationen versorgen können.“ „Versorgungslücken in der medizinischen Rettungskette können so minimiert werden“, ergänzt Brokmann. Vor dem Hintergrund steigender Einsatzzahlen bei zunehmendem Notarztmangel sei dies wichtig. Von 2008 bis 2012 sind die Rettungseinsätze allein in Aachen um über 3.000 Fälle auf knapp 25.000 pro Jahr gestiegen [5]. Bei etwa einem Drittel wird derzeit ein Notarzt einbezogen [5]. Laut Rossaint ist jedoch nicht bei jedem Notfall ein Notarzt vor Ort erforderlich: „Nur in etwa 20 Prozent der Notarzteinsätze werden die manuellen Fähigkeiten eines Notarztes benötigt.“ „Keinesfalls ist es das Ziel, das Netz an Notarzt-Standorten zu reduzieren“, versichert er. Allerdings solle sich der Einsatz der Notärzte beim Patienten auf Notfälle mit einer potentiellen Lebensgefahr beschränken. „Durch die Telekonsultation kann die Patientenversorgung optimiert und frühzeitig ärztlich überwacht werden“, so seine Einschätzung. Laut Rossaint ist eine Ausweitung des Systems auf andere Regionen durchaus denkbar.

Quellen:

[1] Regierungserklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, 29. Januar 2014: http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Regierungserklaerung/2014/2014-01-29-bt... (abgerufen am 08.04.2014)
[2] Bergrath S. et al. (2012): Feasibility of Prehospital Teleconsultation in Acute Stroke – A Pilot Study in Clinical Routine. PLoS ONE 7(5): e36796.
[3] Bergrath S. et al. (2013): Implementation phase of a multicentre prehospital telemedicine system to support paramedics: feasibility and possible limitations. Scandinavian Journal of Trauma, Resuscitation and Emergency Medicine, 21:54.
[4] Rörtgen D. et al. (2013): Comparison of physician staffed emergency teams with paramedic teams assisted by telemedicine – a randomized, controlled simulation study. Resuscitation Jan;84(1):85-92.
[5] Forschungsprojekt „TemRas“, data on file

Herausgeber:
Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI)
Roritzerstraße 27
90419 Nürnberg
www.dgai.de

Pressekontakt:
Dorothea Küsters Life Science Communications GmbH
Leimenrode 29, 60322 Frankfurt am Main
Michaela Jurcec, Melanie Strecker
T: 069 / 61 998-23, -12; F: 069 / 61 998-10
jurcec@dkcommunications.de; strecker@dkcommunications.de

Auf dem DAC:
Pressebüro im Bankettraum 1 (Ebene 0) im Congress Center Leipzig
In der Zeit vom 8. bis 10. Mai 2014
Öffnungszeiten:
Donnerstag, 8. Mai 2014, 8.00 bis 17.00 Uhr
Freitag, 9. Mai 2014, 8.00 bis 17.00 Uhr
Samstag, 10. Mai 2014, 8.00 bis 17.00 Uhr
Tel.: 0341/4145-5178 (während des Kongresses)
Fax: 0341/4145-5179 (während des Kongresses)

Weitere Informationen im Internet:
Deutscher Anästhesiecongress (DAC) 2014 in Leipzig: http://www.dac2014.de
Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und lntensivmedizin e. V.: http://www.dgai.de
Veranstaltung auf dem DAC 2014 zum Thema Telenotarzt:
Vortrag „Telemedizin im Notarztdienst: Wunsch, Wirklichkeit und Visionen“ von Jörg Brokmann (Aachen)
Sitzung: Neue Wege in der Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin
Vorsitz: Norbert Roewer, Würzburg; Konrad Meissner, Greifswald
Termin: Donnerstag, 08. Mai 2014, 16.00 bis 17.30 Uhr (Vortrag zur Telemedizin von 16.00 bis 16.30 Uhr)
Ort: Congress Center Leipzig, Saal 2, Messeallee 1, 04356 Leipzig

Weitere Informationen:

http://www.dac2014.de Kongress-Website

Wolfgang Müller | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die bestmögliche Behandlung bei Hirntumor-Erkrankungen
28.03.2017 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Demenz: Forscher testen Wirkstoffe im Hochdurchsatz
28.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Warum der Brennstoffzelle die Luft wegbleibt

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chlamydien: Wie Bakterien das Ruder übernehmen

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Sterngeburt in den Winden supermassereicher Schwarzer Löcher

28.03.2017 | Physik Astronomie