Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Teamwork verlängert das Leben

09.05.2012
MHH-Forscher zeigen neue Möglichkeiten für die Therapie der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) auf / Veröffentlichung in „Neurobiology of Disease“

Ein Forscherteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) fand neue Wege für die Therapie der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS). Bisher nahm man an, dass ein Protein namens FGF-2 einen positiven Einfluss auf diese tödlich verlaufende Nervenerkrankung hat.

Doch das Gegenteil ist der Fall: Ohne dieses Protein verläuft die Krankheit milder. Das fand Professorin Dr. Claudia Grothe, MHH-Institut für Neuroanatomie, gemeinsam mit Professorin Dr. Susanne Petri, MHH-Klinik für Neurologie, und Dipl.-Biol. Nadine Thau, Zentrum für Systemische Neurowissenschaften, heraus. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in der aktuellen Ausgabe der angesehenen Zeitschrift „Neurobiology of Disease“.

Bei ALS bilden sich in Gehirn und Rückenmark die Nervenzellen zurück, die für Muskelbewegungen verantwortlich sind. Die gesamte Muskulatur wird schwach und nach wenigen Jahren tritt der Tod durch Atemlähmung ein. In Deutschland sind etwa 6.000 Menschen von dieser Krankheit betroffen. „Trotz weltweiter intensiver Forschungen kann bisher kein Medikament das Fortschreiten der ALS stoppen oder verzögern“, erläutert Professorin Grothe. Viele Forschungen zu Ursachen und Therapiemöglichkeiten der ALS drehen sich um Wachstumsfaktoren wie FGF-2 (fibroblast growth factor-2).

Er ist für die Entwicklung von Nervenzellen in der Embryonalentwicklung wichtig und für die Nerven, die im Erwachsenenalter Bewegungen ermöglichen. Da man annahm, dass sich die Krankheit aufgrund eines Mangels an Wachstumsfaktoren verschlimmert, gab es Ansätze, ALS durch die Gabe von einzelnen Wachstumsfaktoren zu behandeln. Doch diese Behandlungen schlugen fehl.

Die MHH-Wissenschaftlerinnen verglichen ALS-kranke Mäuse, die kein FGF-2 bilden konnten, mit ALS-kranken Mäusen, die FGF-2 bilden konnten. Die Tiere ohne FGF-2 lebten länger, konnten sich länger bewegen und ihre motorischen Nervenzellen im Rückenmark bauten sich langsamer ab. „Der wesentliche zugrundeliegende Mechanismus besteht wohl darin, dass aufgrund des Fehlens von FGF-2 andere Wachstumsfaktoren vermehrt produziert werden, die zudem auch miteinander kooperieren. Dieses Teamwork erklärt möglicherweise, dass die Gabe von einzelnen Wachstumsfaktoren nicht hilft. Künftige Therapiestrategien sollten deshalb auf eine Kombination mehrerer Faktoren setzen“, sagt Professorin Petri. Diesen Ansatz wollen die Wissenschaftlerinnen jetzt in einem nächsten Schritt weiter tierexperimentell erproben.

Weitere Informationen geben Professorin Dr. Susanne Petri, MHH-Klinik für Neurologie, Telefon (0511) 532-3740, Petri.Susanne@mh-hannover.de, und Professorin Dr. Claudia Grothe, MHH-Institut für Neuroanatomie, Telefon (0511) 532-2896, Grothe.Claudia@mh-hannover.de.

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise