Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

T-Zellen gegen Krebs: Erziehung oder Zerstörung?

15.01.2009
Trotz der kosten- und zeitintensiven Behandlung von Tumorpatienten ist Krebs nach den Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems die zweithäufigste Todesursache in den Ländern der industrialisierten Welt.

Zytotoxische Therapien, wie z. B. die Chemotherapie und die Strahlentherapie, stellen neben der chirurgischen Entfernung des (Primär-)Tumors die Säulen der Krebstherapie dar.

Die Behandlung von Krebszellen mit Chemotherapeutika führt zur Aktivierung von zellulären "Selbstmordprogrammen", das heisst zur Induktion der Apoptose.

Zytotoxische Behandlungen sind jedoch häufig mit belastenden Nebeneffekten wie z. B. neurosensorischen Ausfällen, Fieber und Anämien behaftet.

Weiterhin überleben im Falle einer ausgedehnten Metastasenbildung trotz aktueller, meist gewebszerstörender Therapieansätze nur ein Bruchteil der Betroffenen die folgenden fünf Jahre; z. B. liegen die Fünfjahresüberlebensraten von Lungen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs unterhalb von 10%.

Es besteht somit ein dringender Bedarf an verbesserten und alternativen Therapien zur Krebsbekämpfung. Eine dieser Möglichkeiten stellt die Immuntherapie dar, bei der das körpereigene Abwehrsystem zur Bekämpfung von Krebszellen eingesetzt wird. Neben dem Einsatz von Vakzinen, welcher zu einer T-Zell-vermittelten Immunantwort führen kann, wurde in der Zwischenzeit bereits an einigen Patienten ein adoptiver Transfer von Immunzellen, in diesem Fall von Tumorantigen-spezifischen T-Helferzellen, erfolgreich praktiziert.

In dem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt sucht ein Forschungsteam um Prof. Dr. Martin Röcken vom Lehrstuhl für Dermatologie der Universität Tübingen nach Möglichkeiten, endogen wachsende Tumore mittels adoptivem Transfer von T-Zellen einzudämmen. Als in vivo Modell eines endogen wachsenden Tumors werden RIP1-Tag2 Mäuse verwendet, die das T-Antigen (Tag) des Simian Virus 40 (SV40) unter der Kontrolle des Insulinpromoters (RIP1) exprimieren. Dies führt zu einer gewebsspezifischen Expression von Tag in allen Insulin-produzierenden beta-Zellen des endokrinen Pankreas. Beginnend mit der Entwicklung von 2-3 Adenomen, die sich danach zu Inselzellkarzinomen transformieren, sterben die Mäuse nach 14-16 Wochen an einer Hypoglykämie.

Überraschenderweise erwiesen sich in diesen Untersuchungen T-Helferzellen als die bislang wirksamste Therapie gegen diesen sehr aggressiven Tumor, wobei die tumoreindämmende Wirkung der T-Helferzellen nicht auf der Zerstörung des Gewebes zu beruhen scheint.

Mit neuen experimentellen Ansätzen untersuchen Prof. Dr. Röcken und Mitarbeiter, inwieweit eine T-Helferzellen-basierte Therapie bei endogen wachsenden Tumoren vom Zytokinnetzwerk, insbesondere dem Th1 Zytokin IFN-gamma, abhängt, und wie tumorspezifische Th1-Lymphozyten die physiologischen und biochemischen Merkmale endogen wachsender Tumore beeinflussen, ohne sie zu zerstören. Beide Fragestellungen werden sowohl an isolierten Tumorzellen (beta-Insulinomzellen) als auch an Gewebsschnitten von Mäusen vor, während und nach einer Therapie mit Tumorantigen-spezifischen Th1-Lymphozyten durchgeführt. Von den Untersuchungen erwarten die Forscher neue Erkenntnisse über die Wirksamkeit und den Mechanismus einer T-Zell-basierten Immuntherapie. Dies wird dann in absehbarer Zeit die Voraussetzungen für die Einführung alternativer, zellulärer Therapien zur Tumorbekämpfung beim Menschen schaffen, die möglicherweise mit geringeren Nebenwirkungen behaftet sind.

Kontakte:
Prof. Dr. Martin Röcken, Tel: +49 (0)7071 29 84574, Fax: +49 (0)7071/29 5450, E-mail: Martin.Roecken@med.uni-tuebingen.de, homepage: http://www.hautklinik-tuebingen.de/

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert die Fortsetzung dieses Forschungsprojekt mit weiteren über 160.000 €, nachdem bislang bereits über 150.000 € Fördermittel geflossen sind. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.sanst.de
http://www.hautklinik-tuebingen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kostformen im Vergleich: Für Menschen mit Diabetes ist die Mittelmeer-Diät besonders gut geeignet
19.01.2018 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Vielversprechender Malaria-Wirkstoff erprobt
19.01.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

18.01.2018 | Informationstechnologie

Optimierter Einsatz magnetischer Bauteile - Seminar „Magnettechnik Magnetwerkstoffe“

18.01.2018 | Seminare Workshops

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten