Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Supermikrochirurgie eröffnet Ärzten neue Möglichkeiten

24.06.2015

Plastische Chirurgen können immer kleinere Gefässe zusammennähen. Dank der neuen Technik konnten sie am UniversitätsSpital Zürich zum ersten Mal in der Schweiz einer Patientin ein Lymphknotenpaket vom Hals in die Leiste transferieren. Künftig wird die Methode auch die Erfolgschancen bei Gewebeverpflanzungen und beim Annähen abgetrennter Gliedmassen erhöhen.

Supermikrochirurgie bedeutet, dass Ärzte Strukturen mit einem Durchmesser von weniger als 0.5 mm zusammen nähen. Sie arbeiten mit ultrafeinen Nadeln und Fäden. Das Verbinden eines so kleinen Gefässes erfordert vier bis sechs Nadelstiche und eine ruhige Hand.


Supermikrochirurgen brauchen eine ruhige Hand: Die Gefässe sind 0.5 mm breit, Nadeln und Fäden ultrafein.


Ansicht eines Lymphknotenpakets unter dem Fluoreszenzmikroskop. Der leuchtende Bereich zeigt Gefässe, die nach dem mikrochirurgischen Anschluss wieder durchblutet sind.

Nicht nur wegen der Kleinheit; wenn die Patienten atmen, bewegt sich unter Umständen auch das betroffene Gewebe. Die plastischen Chirurgen arbeiten mit einem hoch auflösenden Fluoreszenzmikroskop, das den Operationsbereich bis zu 40 Mal vergrössert darstellt.

Dieses wird mit einem steuerbaren «Arm» über die betroffene Stelle bewegt. Kurz vor dem Eingriff spritzen die Ärzte eine Flüssigkeit ins Gewebe, die die Blut- oder Lymphgefässe unter dem Mikroskop zum Leuchten bringt und so die Filigranarbeit erleichtert.

Erster Lymphknoten-Transfer vom Hals in die Leiste

Mit der innovativen Technik führten Prof. Nicole Lindenblatt und Dr. Farid Rezaeian vom UniversitätsSpital Zürich (USZ) zusammen mit Prof. Yves Harder vom Ospedale Regionale di Lugano einen Eingriff durch, der noch nie zuvor in der Schweiz vorgenommen wurde: Die Chirurgen behandelten eine Patientin, die unter einem chronischen Lymphödem litt – im Volksmund spricht man von «Wasser in den Beinen oder Armen».

Die Ärzte entnahmen der Patientin ein Lymphknotenpaket in der Halsregion und verpflanzten es in die Leistengegend. Dort schlossen sie die versorgenden Blutgefässe vom Lappen mikrochirurgisch an die Blutgefässe im umliegenden Gewebe an, so dass die Lymphknoten nach dem Einwachsen ihre Drainage-Funktion übernehmen können. «Mit dieser Methode behandeln wir Lymphödeme, die mit konservativen Methoden nicht zu behandeln sind», so Prof. Nicole Lindenblatt. Die Patienten würden davon profitieren, dass die Lymphdrainagen und Kompressionstherapien reduziert werden können und die Schmerzen vermindert werden.

Methode mit Zukunftspotenzial

Bei der Behandlung von Lymphödemen kann die Supermikrochirurgie für eine signifikante Linderung der Symptome oder sogar für Heilung sorgen. Denn mit ihrer Hilfe können die Chirurgen die feinen Lymphgefässe miteinander oder mit kleinen Venen verbinden. Dadurch kann die angestaute Flüssigkeit besser aus dem geschwollenen Gewebe abfliessen. Am USZ wird die Technik neu auch zur Behandlung von angesammelter Flüssigkeit nach der Ausräumung von Lymphknoten und zur Reparatur von durchtrennen Lymphgefässen angewendet.

Die Supermikrochirurgie, deren Pioniere aus Japan und Taiwan stammen, wird sich weiter entwickeln. Die Fachleute erhoffen sich, dass durch die bessere Verbindung der feinen Lymphgefässe die Erfolgsaussichten steigen beim Verpflanzen von Gewebe oder beim Annähen von abgetrennten Gliedmassen – wie zum Beispiel einer Fingerkuppe.

Ansprechpartner für Fragen:
Prof. Nicole Lindenblatt, Leitende Ärztin,
Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, UniversitätsSpital Zürich
Kontakt über die Medienstelle: Tel. 044 255 86 20; E-Mail: medien@usz.ch

Weitere Informationen:

http://www.usz.ch/news/medienmitteilungen/seiten/supermikrochirurgie.aspx/

Janine Kuhn | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften