Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stripping-Methode bei Krampfadern bleibt konkurrenzfähig

08.05.2012
Prof. Dr. med. Achim Mumme vom Venenzentrum der Ruhr-Universität Bochum (RUB) hat überprüft, ob die Stripping-Methode zur Behandlung von ausgeprägter Varikosis in validen Vergleichsstudien tatsächlich unterlegen ist.

Das überraschende Ergebnis: Die neuen Laser- und Radiowellenverfahren sind bislang den Beweis schuldig geblieben, dass sie bei gleicher Nachhaltigkeit der Behandlung tatsächlich schonender sind als die operative Therapie.


Patient mit ausgeprägter Varikosis
Venenzentrum der RUB

- Behandlung von Krampfadern: Skalpell oder Hitzesonde?

- Methodenvielfalt und fehlende Vergleichsstudien erschweren die Wahl

- RUB-Forscher zeigt: Stripping-Methode bei Varikosis bleibt konkurrenzfähig

Die Volkskrankheit Varikosis kann auf vielfältige Art und Weise behandelt werden. Für die fortgeschrittene Krampfadernerkrankung war bisher die operative Therapie das Maß aller Dinge. Mit großen Versprechungen kamen Ende der 90er Jahre Hitzesonden auf den Markt, die mit Radiowellen oder Laser eine schonendere und genauso wirksame Behandlung der Krampfadern in Aussicht stellten. Bewiesen sind die Vorteile aber nicht, wie eine Studie aus dem Venenzentrum der Ruhr- Universität Bochum (RUB) zeigt. Prof. Dr. med. Achim Mumme hat überprüft, ob die Stripping-Methode in validen Vergleichsstudien tatsächlich unterlegen ist. Neben der Qualitätsbewertung wurden die Parameter Schmerzhaftigkeit und Rekonvaleszenz verglichen. Das überraschende Ergebnis: Die Laser- und Radiowellenverfahren sind bislang den Beweis schuldig geblieben, dass sie bei gleicher Nachhaltigkeit der Behandlung tatsächlich schonender sind als die operative Therapie.

Über 300.000 Eingriffe pro Jahr

Die sogenannte Stripping-Operation ist in Deutschland mit über 300.000 Eingriffen pro Jahr die am häufigsten angewandte Therapieoption zur Behandlung von Krampfadern. Die Methode basiert auf einer im Jahre 1907 erstmalig publizierten Operationstechnik, die seither immer wieder modifiziert wurde, in ihren Grundzügen aber unverändert blieb. Über einen Schnitt in der Leiste wird die krankhafte Vene von der gesunden tiefen Vene getrennt. Danach kommt es zur Entfernung der Krampfadervene mit einer sogenannten Stripping-Sonde. Mit dem Versprechen, das Gleiche leisten zu können wie die Operation, nur schonender, sind seit 1998 verschiedene Sondenverfahren zur Behandlung von Krampfadern auf dem Markt. Diese werden unter Ultraschallkontrolle per Punktion in die krankhafte Vene eingebracht. Dort erfolgt der Verschluss des erkrankten Gefäßes durch den Einsatz von Hitze, die ein Laser oder Radiowellen erzeugen. Die Venen verkochen dabei von innen und sollen so dauerhaft verschlossen bleiben.

Beitrag in der Fachzeitschrift „Phlebologie“

Inzwischen sind diese Hitzeablationsverfahren über zehn Jahre im Einsatz. Aber sind die neuen Therapieoptionen tatsächlich besser als die althergebrachte operative Therapie? Im Venenzentrum der Ruhr-Universität Bochum analysierten die Forscher alle verfügbaren Vergleichsstudien. Die Ergebnisse stehen in der aktuellen Ausgabe der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Phlebologie“, dem Organ der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie.

Langzeitergebnisse unbekannt

Über zehn Jahre nach Einführung der neuen Behandlungsmethode existieren keine Vergleichsstudien zu den Langzeitergebnissen, so dass noch immer ungeklärt ist, ob die Laser- und Radiowellenverfahren das Wiederauftreten von Krampfadern genauso gut verhindern können wie die Operations-Methode. Darüber hinaus ist keinesfalls gesagt, dass die Hitzeverfahren generell schonender sind. In den Vergleichsstudien zur Lasertherapie war die althergebrachte Operation tendenziell sogar schmerzärmer. Nur die Radiowellentherapie schnitt unter dem Aspekt der Schmerzhaftigkeit besser ab als die Operation. Dieser Vorteil konnte bislang aber nicht für fortgeschrittene Krankheitsfälle gezeigt werden.

Therapie der Wahl

Professor Mummes Studie kommt zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Stripping-Operation bei fortgeschrittener Krampfadernerkrankung nach wie vor die Therapie der Wahl ist. Die Radiowellentherapie hat Vorteile bei weniger ausgeprägten Fällen, bei denen sie schmerzärmer ist als die Operation. Dieser Vorteil konnte für die Lasertherapie nicht gezeigt werden. Inzwischen wurden daher neue Lasersonden auf den Markt gebracht, mit denen die Behandlung schmerzärmer sein soll. Sowohl für die Radiowellen-, als auch für die Lasertherapie fehlen allerdings Vergleichsstudien zu den Langzeitergebnissen. Hier besteht Nachholbedarf. Schließlich muss für den Patienten erkennbar sein, ob eventuelle Vorteile der neuen Verfahren zulasten der Nachhaltigkeit gehen.

Titelaufnahme

Mumme, A.: „Kontrollierte Vergleichsstudien zur endovenösen Therapie der Varikosis. Ist die Stripping-Operation noch konkurrenzfähig?“, erschienen in „Phlebologie“ 2012; 41: 68-72

http://www.schattauer.de/de/magazine/uebersicht/zeitschriften-a-z/phlebologie/issue/special/manuscript/17531/show.html

Weitere Informationen

Prof. Dr. med. Achim Mumme, Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie, Leitender Arzt am Venenzentrum, St. Josef-Hospital, Universitätsklinik, Gudrunstr. 56, 44791 Bochum, 0234/509-2270, achim.mumme@rub.de

Angeklickt

Interdisziplinäres Venenzentrum, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum
http://www.venenzentrum-uniklinik.de
Redaktion: Daniel Duhr

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.venenzentrum-uniklinik.de
http://www.ruhr-uni-bochum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie