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Strahlentherapie bei Lungenkrebs und COPD: Bessere Ergebnisse durch Bestrahlung als durch Operation

05.04.2012
Lungenkrebs ist in Deutschland bei Männern die häufigste und bei Frauen die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache. Etwa 50 000 Menschen erkranken jährlich. Das Erkrankungsrisiko steigt mit dem Alter und steht zudem in direktem Zusammenhang mit dem Konsum von Tabak.
Leiden Menschen mit Lungenkrebs zusätzlich an einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) – im Volksmund auch Raucherlunge genannt – kann dies eine lebensrettende Operation unmöglich machen. In dieser Situation bietet eine moderne stereotaktische Bestrahlung die Chance, die Überlebenszeit zu verlängern und in vielen Fällen das Krebsleiden zu heilen, stellt die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) anlässlich einer aktuellen Studie fest.

Lungenkrebs ist in den meisten Fällen Folge des Rauchens. Wenn Menschen viele Jahre und sehr stark rauchen, können sie eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) entwickeln. Zu den Symptomen gehören Kurzatmigkeit, chronische Bronchitis, Atemnot und Asthma. 50 bis 70 Prozent aller Menschen, bei denen Lungenkrebs diagnostiziert wird, haben zu diesem Zeitpunkt auch eine COPD. „Die Konstitution solcher Patienten ist dadurch so geschwächt, dass sie die Strapazen einer Operation mit der teilweisen Entfernung der Lunge nicht überleben würden“, berichtet Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Präsident der DEGRO und Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität zu Lübeck.
Wie eine aktuelle Studie aus Amsterdam zeigt, können Ärzte dank einer Alternativmethode auf die Operation verzichten, ohne für die Patienten per se eine schlechtere Prognose in Kauf zu nehmen: Aus den Daten der Studie leitet sich für die Patienten eine Wahrscheinlichkeit von 89 Prozent ab, innerhalb von drei Jahren nach der sogenannten „stereotaktischen Radiotherapie“ ohne Tumorrückfall am Ort der Bestrahlung zu überleben. „Die Ergebnisse sind mit denen nach einer Lungenoperation vergleichbar. Die OP ist aber häufig mit einer Verschlechterung der Lungenfunktion und einem erhöhten Sterberisiko verbunden“, erläutert Professor Dr. med. Christian Rübe, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitätsklinikums des Saarlandes. „Für die meisten Patienten in der Studie war die Strahlenbehandlung wegen der schweren Raucherlunge alternativlos. Sie hätten eine Operation höchstwahrscheinlich nicht überlebt.“

Die stereotaktische Radiotherapie gleicht einer Operation ohne Messer. Nachdem die Ärzte den Tumor zuvor mit einer speziellen Goldspirale markieren, wird seine genaue Position mithilfe von Aufnahmen eines Computertomografen erfasst. Der Tumor wird dann von mehreren Seiten gleichzeitig mit jeweils geringer Dosis bestrahlt. Während das Gewebe rund um den Tumor so geschont wird, treffen die Strahlen präzise im Krebsgewebe aufeinander. „Durch das Zusammentreffen der Strahlen ist die Strahlendosis an diesem Punkt groß genug, um das Gewebe effektiv zu zerstören“, erläutert Strahlenmediziner Rübe. Die Behandlung könne in den meisten Fällen ambulant durchgeführt werden und werde in der Regel gut vertragen.
Doch auch wenn der Tumor in der Lunge erfolgreich zerstört werden kann, sind die Chancen bei Lungenkrebs vergleichsweise schlecht. So starben von den behandelten Patienten der Studie – trotz der guten Tumorkontrolle – mehr als die Hälfte in den ersten drei Jahren. „Viele Lungenkrebstumore haben zum Zeitpunkt der Diagnose bereits gestreut, ohne dass wir das mit den heutigen Methoden nachweisen können“, erläutert Professor Rübe. „Diese Patienten können dann auch durch die Bestrahlung oder eine Operation nicht geheilt werden.“ Andere Krebspatienten würden an den Folgen der COPD sterben, die unabhängig von der Krebsbehandlung fortschreitet.

Die stereotaktische Bestrahlung ist trotz der bedrückend geringen Heilungschance von Lungenkrebs im Allgemeinen eine sichere und effektive Option für Lungenkrebspatienten mit COPD. Vor allem wenn ältere, durch ihre Krankheit zusätzlich geschwächte Menschen behandelt werden, ist diese nicht-invasive Methode besonders geeignet, resümieren die DEGRO-Experten. Damit lassen sich die Risiken, die jede Operation in sich birgt, und ein langer Krankenhausaufenthalt vermeiden.
Zur Strahlentherapie:
Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.
Literatur:
Palma D, Lagerwaard F, Rodrigues G, Haasbeek C, Senan S. Curative treatment of Stage I non-small-cell lung cancer in patients with severe COPD: stereotactic radiotherapy outcomes and systematic review. Int J Radiat Oncol Biol Phys. 2012; 82: 1149–56
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21640513

Kontakt für Journalisten:
Dagmar Arnold
Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e. V.
Pressestelle
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-380
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: arnold@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.degro.org

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