Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Strahlenbiologin erforscht Strahlenempfindlichkeit von Hirntumorzellen

10.11.2015

Eine Strahlenbiologin der halleschen Universitätsmedizin erforscht die Strahlenempfindlichkeit von Hirntumorzellen. Sie konnte in Versuchen feststellen, dass eine Mutation eines bestimmten Stoffwechselenzyms eine stärkere Zellabtötung durch die Strahlentherapie fördert.

Bösartige Hirntumore, sogenannte maligne Gliome, werden mit einer Kombination aus Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie behandelt.


Jacqueline Kessler

UKH/Zentrale Fotostelle

Hoch beachtete internationale Studien zeigten, dass bei diesen oft aggressiven Tumoren, insbesondere bei der bösartigsten Form, dem sogenannten Glioblastom, der Verlauf nach der Therapie besser ist, wenn eine bestimmte genetische Veränderung in den Tumorzellen vorliegt, nämlich eine Mutation im Stoffwechselenzym Isocitratdehydrogenase 1 (IDH1). Allerdings war bisher unklar, ob dieser Effekt darauf beruht, dass Tumorzellen mit der IDH1-Mutation weniger aggressiv wachsen oder dass sie empfindlicher auf die Strahlentherapie reagieren.

Die Diplom-Biologin Jacqueline Kessler aus der Universitätsklinik für Strahlentherapie (Direktor: Prof. Dr. Dirk Vordermark) ging dieser Frage nach. Im Rahmen ihrer Doktorarbeit in der Arbeitsgruppe Molekulare Strahlenbiologie (Leiter: Dr. rer. nat. Matthias Bache) der Strahlenklinik erforschte sie das biologische Verhalten sowie die Strahlenempfindlichkeit von Hirntumorzellen, bei denen die IDH1-Mutation künstlich eingefügt wurde, im Vergleich zu Zellen ohne Mutation.

Da bösartige Hirntumore häufig Regionen mit starkem Sauerstoffmangel (sog. „Hypoxie“) aufweisen, führte sie die Experimente sowohl unter normaler als auch unter reduzierter Sauerstoffkonzentration durch.

Dabei zeigte sich, dass die IDH1-Mutation in drei verschiedenen Gliomzellarten in Zellkultur einerseits zu einem veränderten Wachstumsverhalten, zum Beispiel einer verminderten Fähigkeit, einen dreidimensionalen Zellhaufen („Sphäroid“) zu bilden führte. Gleichzeitig war aber auch die direkte Strahlenempfindlichkeit der Tumorzellen mit Mutation erhöht, sowohl bei guter als auch bei schlechter Sauerstoffversorgung.

„Die international stark beachteten Forschungsergebnisse von Frau Kessler zeigen, dass zumindest bei Hirntumorzellen in der Kulturschale die Mutation des Stoffwechselenzyms IDH1 eine stärkere Zellabtötung durch die Strahlentherapie ermöglicht“, so Prof. Vordermark.

Die Ergebnisse seien nicht direkt auf die Patientenbehandlung übertragbar, in fernerer Zukunft könnten aber unterschiedliche Strahlentherapiekonzepte für Patienten mit oder ohne IDH1-Mutation vorstellbar werden.

Die Arbeiten von Frau Kessler wurden durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie das Wilhelm-Roux-Programm der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gefördert. Die aktuellen Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift „Radiotherapy & Oncology“ veröffentlicht.

Publikation: Kessler J, Güttler A, Wichmann H, Rot S, Kappler M, Bache M, Vordermark D: IDH1(R132H) mutation causes a less aggressive phenotype and radiosensitizes human malignant glioma cells independent of the oxygenation status. Radiother Oncol. 2015 Sep;116(3):381-7.

Weitere Informationen:

Link zur Veröffentlichung: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26328938

Jens Müller | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Proteomik hilft den Einfluss genetischer Variationen zu verstehen
27.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE