Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Startschuss für neues Telemedizin-Modellprojekt in der Kinderheilkunde (Anklam-Greifswald)

29.08.2014

Mehr Sicherheit und universitärer Rat rund um die Uhr

Sozialministerin Birgit Hesse hat heute im AMEOS Klinikum Anklam gemeinsam mit dem Ärztlichen Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald (UMG), Dr. Thorsten Wygold, und Michael Dieckmann, Vorstand der AMEOS Gruppe, den Startschuss für ein telemedizinisches Modellprojekt in der Kinderheilkunde gegeben.


Zugeschaltet waren aus Greifswald der Radiologie Dr. Christopher Lühken und die Oberärztin Dr. Mechthild Wegner, die eine Zweitmeinung aus Greifswald zum kleinen Patienten abgegeben hat.

Foto: UMG/Rosenfeld

Per Videokonferenz können Kinder und Jugendliche, die zwischen 18.00 Uhr abends und 8.00 Uhr morgens Hilfe in der Notaufnahme in Anklam suchen, einem Kinderarzt der Universitätsmedizin Greifswald vorgestellt werden. Das Modellprojekt mit einer Laufzeit von sechs Monaten wird im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin und dem Integrierten Funktionsbereich Telemedizin (IFT) des Instituts für Community Medicine der UMG durchgeführt und wissenschaftlich ausgewertet.

Die Universitätsmedizin Greifswald organisiert seit Jahren die kinderärztliche Versorgung im benachbarten AMEOS Klinikum Anklam. „Als Universitätsmedizin übernehmen wir Verantwortung für unsere Region“, betonte der Ärztliche Vorstand Dr. Thorsten Wygold. „Angesichts der demografischen Entwicklung müssen wir uns innovativen Lösungen öffnen, die auch künftig eine hochwertige Krankenversorgung in der Fläche sichern.“

Qualität und Akzeptanz - Was kann Telemedizin leisten?

Die Zusammenarbeit auf telemedizinischer Basis zwischen Anklam und Greifswald wird parallel zum normalen Stationsbetrieb und auf freiwilliger Basis erprobt. „Ein Kinderarzt aus der Universitätsmedizin ist immer vor Ort“, so Dr. Thorsten Wygold. „Die begleitende wissenschaftliche Studie soll Aufschluss bringen, ob eine telemedizinische Konsultation zur qualitativ hochwertigen Sicherstellung der regionalen pädiatrischen Versorgung geeignet ist. Es geht aber auch darum, die Akzeptanz der Eltern, Patienten und Mitarbeiter für eine ärztliche Beratung per Videokonferenz in Erfahrung zu bringen.“

„Wir begrüßen die Initiative der Universitätsmedizin Greifswald, neue Wege in der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum zu beschreiten“, sagte Michael Dieckmann, Vorstandsmitglied der AMEOS Gruppe. „Insbesondere vor dem Hintergrund des demographischen Wandel muss die ambulante und stationäre kinderärztliche Versorgung in und um Anklam herum dauerhaft gesichert werden. Hier kann mit dem Modellprojekt zur Anwendung von Telemedizin ein wichtiger Beitrag zur fachärztlichen Versorgung am Standort Anklam geleistet werden.“

Die diensthabenden Ärzte in Anklam können ihre Notfallpatienten in der Zeit von 18.00 bis 8.00 Uhr über ein bidirektionales Videokonferenzsystems mit einem Kinderarzt im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Greifswald besprechen. Der Greifswalder Mediziner beurteilt anhand eines standardisierten, symptomorientierten Triage-Verfahrens* die Dringlichkeit des Falls und entscheidet die weiteren Schritte. Abhängig von der Dringlichkeit kann die Behandlung am nächsten Tag bei einem niedergelassenen Pädiater oder in der Kinderabteilung im AMEOS Klinikum Anklam erfolgen.

Sollte sofortiger Handlungsbedarf ersichtlich sein, könnte der Patient je nach Lage mit privatem Pkw oder Taxi bzw. sofort mit einem Rettungswagen verlegt werden. Sozialministerin Hesse sieht in dem Projekt einen wichtigen Baustein bei der medizinischen Versorgung der Kinder in der Region. „Gerade in dünn besiedelten Regionen ist es notwendig, Fahrtwege und Behandlungszeiten für die kleinen Patienten und ihre Eltern zu verkürzen. Mit dem Einsatz der Telemedizin gelingt das, ohne Abstriche bei der Diagnose hinnehmen zu müssen“, so Hesse.

Für die telemedizinische Verbindung zwischen Anklam und Greifswald wurde ein Videokonferenzsystem mit hoher Bild- und Audioqualität sowie einer farbechten Wiedergabe der Videobilder eingerichtet. Die hochauflösende mobile Kamera mit optischer Zoomfunktion soll mit einer weiteren Ausstattung sowohl in Anklam als auch von Greifswald steuerbar sein. Die Möglichkeit, zusätzliche Daten und Bilder zur Diagnostik zu versenden, wird ebenso geschaffen. Bei Bedarf können weitere Experten aus anderen Abteilungen zugeschaltet werden.

Innerhalb der zunächst sechsmonatigen Testphase sollen verschiedene Abläufe auf ihre Praxistauglichkeit überprüft werden. Wie oft und zu welchen Fällen wird das telemedizinische Triage-System durchgeführt, welche Daten werden erfasst und welche Entscheidungen getroffen? Beeinflusst die Telemedizin-Situation die medizinische Entscheidung über Diagnostik und Therapie des jeweils vorgestellten Falls? Wo liegen die Schwachstellen und die Vorteile im Klinikalltag?

Für die weitere Entwicklung ist auch von Bedeutung, welche Erkrankungen hauptsächlich bei pädiatrischen Notfällen in der Nacht vorliegen und in welcher Form sich das Spektrum der Erkrankungen von der Tageszeit unterscheidet. Auf der Grundlage einer Studie des Instituts für Community Medicine für die Jahre 2005 bis 2010 zur pädiatrischen Krankenversorgung in der Region sollen die Anzahl der stationären Aufnahmen, die Aufnahmegründe und Entlassungsdiagnosen analysiert werden.

Das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin in Greifswald hat die medizinische Leitung des Projektes. Bei positiven Ergebnissen soll das System in Anklam weitergeführt und auch im Kreiskrankenhaus Wolgast eingeführt werden.

* Triage-Systeme dienen der schnellen und standardisierten Einstufung von Notfallpatienten. Wer muss zuerst behandelt werden, wo besteht womöglich Lebensgefahr, welcher Patient kann noch warten? In deutschen Kliniken wird vor allem mit dem Manchester-Triage-System gearbeitet. Hierbei handelt es sich um ein in England entwickeltes und international anerkanntes System zur Ersteinschätzung der medizinischen Behandlungsdringlichkeit.

Universitätsmedizin Greifswald
Ärztlicher Vorstand: Dr. Thorsten Wygold
Fleischmannstr. 8, 17475 Greifswald
T +49 3834 86-50 13
E aerztliches.direktorat@uni-greifswald.de
http://www.medizin.uni-greifswald.de
http://www.facebook.com/UnimedizinGreifswald

AMEOS Klinikum Anklam
Krankenhausdirektor: Stefan Fiedler
Hospitalstraße 19, 17389 Anklam
T +49 39771-41 650
E sekr.gf@ueckermuende.ameos.de
http://www.ameos.eu/klinikum-anklam.html

Constanze Steinke | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

nachricht Künftige Therapie gegen Frühgeburten?
19.07.2017 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten