Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Startschuss zum Bau der Protonentherapie ist gefallen

17.02.2011
Die Vorstände des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden, Prof. Michael Albrecht und Wilfried Winzer, haben mit der Zahlung der ersten Rate den Startschuss für den Bau der ersten ostdeutschen Protonentherapieanlage gegeben.

Nach europaweiter Ausschreibung des Projekts be-auftragten sie die Ion Beam Applications S.A. (IBA) aus dem belgischen Louvain-la-Neuve, die Anlage zu bauen und bis Ende 2013 auf dem Klinikumsgelände zu installieren. Die ersten Krebspatienten sollen Anfang 2014 mit dem innovativen wie schonenden Verfahren behandelt werden.

Das Besondere des Projekts: Neben der Krankenversorgung steht die Anlage den Forschern des „Zentrums für Innovationskompetenz für Medizinische Strahlenforschung in der Onkologie – OncoRay“ zur Verfügung. Zu Forschungszwecken entsteht parallel zu dem auf Magnetfeldern beruhenden Teilchenbeschleuniger ein zweiter, der die Protonen mittels Laserstrahlen auf Höchstgeschwindigkeit bringt. Damit wird in Dresden die weltweit erste Anlage dieser Art gebaut. Sie sichert der Dresdner Hochschulmedizin einen Innovationsvorsprung bei der Strahlentherapie von Krebspatienten.

„Wir freuen uns, dass wir für das Projekt den weltweit führenden Hersteller von Protonentherapieanlagen gewinnen konnten“, sagt Prof. Michael Albrecht. Weltweit sind bereits elf Anlagen der IBA in Betrieb, sieben weitere befinden sich in unterschiedlichen Realisierungsphasen. „Diese große Erfahrung der IBA ist eine gute Basis dafür, die Anlage so schnell wie möglich in Betrieb nehmen zu können“, sagt Wilfried Winzer. Die Planungen gehen davon aus, die ersten Krebspatienten Anfang 2014 zu behandeln. Zur Protonentherapie wird eine technische Ausstattung benötigt, die hochkomplex und schwergewichtig zugleich ist: Allein das die Protonen beschleunigende Zyklotron wiegt 200 Tonnen. Um mit diesen Teilchen den Körper optimal bestrahlen zu können, gehört zu der Anlage eine sogenannte Gantry. Die Stahlkonstruktion wird einen Durchmesser von zehn Metern haben und rund 200 Tonnen wiegen. Sie sorgt dafür, dass sich der Protonenstrahl aus jedem Winkel auf den Patienten richten lässt.

„Wir sind stolz darauf, den Zuschlag für das Projekt bekommen zu haben – auch deshalb, weil wir mit den Dresdner Wissenschaftlern die Entwicklung eines gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsprogramms planen, um die Technologie der Pro-tonentherapie weiter voranzutreiben," sagt Pierre Mottet, CEO der IBA. Die neue Protonentherapieanlage wird den Referenzstrahl für den in Dresden neu entwickelten Laser-Protonenbeschleuniger liefern. Die deutschen und belgischen Experten erwarten sich von der neuen Technologie eine Reduzierung des technischen und damit auch finanziellen Aufwands. Damit könnte die neue Anlage dazu beitragen, dass die Protonentherapie künftig mehr Menschen zur Verfügung steht.

Dresden und Heidelberg bauen nationales Forschungszentrum auf

Die neue Protonentherapieanlage ist zentrales Element des OncoRay-Forschungsvorhabens, das wiederum am „National Center for Radiation Research in Oncology Dresden/Heidelberg“ beteiligt ist. Dieses Nationale Zentrum gehört zu den wenigen Spitzenforschungsprojekten, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgewählt hat, um drängende Fragestellungen in der Medizin auf weltweit höchstem wissenschaftlichem Niveau zu klären. „Auf dem Campus der Dresdner Hochschulmedizin werden Wissenschaftler und Ärzte den Einsatz von Protonen in der Krebstherapie patientennah und jenseits kommerzieller Zwänge weiterentwickeln“, erklärt Prof. Albrecht. Vorteil dieser ersten Protonentherapieanlage Ostdeutschlands ist, dass Patienten frühzeitig von weiteren Innovationen dieser noch neuen Therapieform profitieren werden. Das ist ein wesentlicher Grund für das Universitätsklinikum, sich an der Millioneninvestition zu beteiligen. Um innovative Ergebnisse in der onkologischen Strahlenforschung zu erzielen, ist ein hohes Maß an interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Medizinern, Physikern und Biologen notwendig. Dies gewährleistet der 2005 erfolgte Zusammenschluss von Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Medizinischer Fakultät der TU Dresden sowie dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf. Durch die Gründung des Nationalen Zentrums im vergangenen Jahr arbeiten die Dresdner Forscher nun auch eng mit dem Heidelberger Institut für Radioonkologie (HIRO) zusammen, das die Strahlentherapieforschung am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), dem Universitätsklinikum Heidelberg, dem Heidelberger Ionenstrahltherapiezentrum HIT am Universitätsklinikum Heidelberg, sowie dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) vereinigt. Seit Oktober 2010 arbeiten die Forscher beider Standorte ebenfalls im Deutschen Konsortium für translationale Krebsforschung (DKTK) zusammen.

Holger Ostermeyer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-dresden.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Weltweit einmalig: Korrekte Diagnose der Lungentuberkulose in nur drei Tagen
16.04.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Weltweit erstes Mehrkomponenten 3D Food Printing System für personalisierte Kost
10.04.2018 | Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Im Focus: Basler Forschern gelingt die Züchtung von Knorpel aus Stammzellen

Aus Stammzellen aus dem Knochenmark von Erwachsenen lassen sich stabile Gelenkknorpel herstellen. Diese Zellen können so gesteuert werden, dass sie molekulare Prozesse der embryonalen Entwicklung des Knorpelgewebes durchlaufen, wie Forschende des Departements Biomedizin von Universität und Universitätsspital Basel im Fachmagazin PNAS berichten.

Bestimmte mesenchymale Stamm-/Stromazellen aus dem Knochenmark von Erwachsenen gelten als äusserst viel versprechend für die Regeneration von Skelettgewebe....

Im Focus: Basel researchers succeed in cultivating cartilage from stem cells

Stable joint cartilage can be produced from adult stem cells originating from bone marrow. This is made possible by inducing specific molecular processes occurring during embryonic cartilage formation, as researchers from the University and University Hospital of Basel report in the scientific journal PNAS.

Certain mesenchymal stem/stromal cells from the bone marrow of adults are considered extremely promising for skeletal tissue regeneration. These adult stem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Mai zum 7. Mal an der Hochschule Stralsund

12.04.2018 | Veranstaltungen

Materialien erlebbar machen - MatX 2018 - Internationale Konferenz für Materialinnovationen

12.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Laser erzeugt Magnet – und radiert ihn wieder aus

18.04.2018 | Physik Astronomie

Neue Technik macht Mikro-3D-Drucker präziser

18.04.2018 | Physik Astronomie

Intelligente Bauteile für das Stromnetz der Zukunft

18.04.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics